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Wer ist böse?

Wer ist böse?

Am Mittwoch, den 08.01. beehrten die Hamburger Punklegenden von den Goldenen Zitronen die Stadtwerkstatt, um ihr neues Album „Who’s Bad“ vorzustellen, und erklärten diese Kurzerhand zum erweiterten Gefahrengebiet! Gesellschaftskritik von Beginn an, aber etwas anderes hatte wahrscheinlich auch niemand erwartet.

Seit nunmehr bereits 30 Jahren machen die Goldenen Zitronen die Bühnen mit ihrem unverkennbaren Avantgardepunk unsicher. Und dass sie das verdammt gut können, haben sie auch in Linz bewiesen. Die beinahe hypnotische Wirkung ihres einzigartigen Stils zwischen Punk, Industrial und melancholischem Gitarrenrock erfasste das Publikum von Anfang an. Und was folgte war eines der (bewegungs-)ruhigsten und intensivsten Punkkonzerte, die ich erlebt habe.

Die Texte blieben dabei den ganzen Abend über Kritisch, von eher subtil wie in Mila bis offen anklagend wie in „Das bisschen Totschlag“ – vom gleichnamigen 1996 erschienenen Album, in dem rassistische Anschläge und Morde thematisiert wurden. Und wohl auch, um diese Texte ihre ganze Wirkung entfalten zu lassen, war die Bühnenshow bis auf glitzernde Kostüme und eine Videoprojektion äußerst zurückhaltend. Vorgetragen wurden die Texte zumeist von Schorsch Kamerun, dessen stakkatoartiger Gesang hervorragend mit der Musik harmonierte.

Dass aber alle Bandmitglieder Profis sind, war nicht nur am Umgang mit Problemen wie umfallenden Becken und rätselhaften Störgeräuschen zu erkennen sondern vor allem an den immer wieder stattfindenden Wechseln der Rollen und Instrumente. Zu Verständigungsproblemen kam es allerdings immer wieder zwischen den Songs, da der oberösterreichische Dialekt für Hamburger Ohren offenbar sehr fremdartig wirkt.

Und als dann die ersten Zuschauer noch vor den Zugaben den trotz Mittwochstermin gerammelt vollen Saal verlassen hatten und Platz dafür wurde, kam auch noch etwas Bewegung im sich rasch bildenden Moshpit auf.

Insgesamt ein sehr gelungener Abend, wohl auch für die Künstler, die grinsend hinter der Bühne verschwanden.

Fotos: Erli Grünzweil

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