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FM4 Geburtstagsfest: Leider nicht ganz so geil

FM4 Geburtstagsfest: Leider nicht ganz so geil

FM4 wurde vergangene Woche zwanzig und entschlüpfte somit dem Teenager-Dasein. Dementsprechend wollte man dies mit einigen, sehr genialen Acts, einem eigens gebrauten FMBier und mit einem Überraschungsgeschenk in Auftrittform  in der Ottrakringer Brauerei zelebrieren. Dass es dabei leider aber zu einigen Schwierigkeiten und kritischen Situationen abseits der Bühne kam, tat der Feier-Laune bei vielen nicht nur einen Abbruch, sondern verkehrte sie sogar ins Gegenteil. Deichkind als besagter Super-Special-Surprise-Guest hielt dennoch, was FM4 versprach: Es ist Paaarty!

Mal eines vorne weg: Ich hab bei der ganzen Party genau 2 Acts (bewusst) zu Gesicht bekommen. Den Rest der Zeit hab ich irgendwo vor diversen Türen in einer – gelinde ausgedrückt – eher nervösen Menschenmenge verbracht, in der es weder vor und schon gar nicht zurück ging. Macht ja nix. War schließlich kuschelig. Und wer fungiert nicht gern als Puffer zwischen mehreren testosterongeladenen Menschen, die deren aufgestaute Hormone als auch den Anstell-Frust wohl sehr gerne am jeweiligen Gegenüber ausgelassen hätten? Soviel mal zum persönlichen Spießroutenlauf durch die Brauerei. Wahrscheinlich wäre der etwas friedlicher verlaufen, wäre man – ganz streberhaft – noch kurz vor Beginn der Feierei eingetroffen. My bad.

Das eigentliche und zu Grunde liegende Problem ist schlicht und ergreifend, dass FM4 im Jänner Geburtstag hat und es um diese Jahreszeit nicht unbedingt einfach ist, eine Location zu finden, über die sich alle freuen. Macht man, so wie früher, das Fest in der Arena, ist es wahrscheinlich beim OpenAir arschkalt, saunass und die Tatsache, dass man nicht in die warme, kuschelige Halle kann, sorgt sicher auch für Unmut. Macht man das Ganze Indoor, besteht eben das Problem, dass sich die Leute – wie in der Brauerei – nicht gleichmäßig auf das Gelände verteilen, es Engpässe gibt oder der Festtagsort einfach den Charme von einem Bügeleisen hat. So oder so, man kommt einfach nicht daran vorbei, dass es nicht ganz rund läuft.

Aber die Ottakringer Brauerei, bei aller Liebe und Partyerprobung derselben, ist für dieses Event einfach vollkommen ungeeignet, wie ich nach der Erfahrung am Samstag leider feststellen muss. Es sind einfach zu viele Menschen, die alle verständlicherweise unbedingt zu den beiden MainStages – dem Wohnzimmer und dem Keller – wollen. Dass deswegen diese Bereiche vorübergehend gesperrt werden müssen, ist somit nachvollziehbar. Was dabei aber grob ins Auge gehen kann, ist die Tatsache, dass sich vor den Sperren teilweise wirklich beängstigende Menschenmengen bilden, die, je länger diese dauert, umso nervöser und unruhiger werden. Und selbst wenn man wieder raus wollte, hatte man kaum eine Chance darauf, was demnach bedeutete, dass einem nichts anderes übrig blieb, als auszuharren und zu hoffen, dass keiner die Idee „Wir suitn eigentli olle moi ordentlich vo hintn aunschiabn!“ in die Tat umsetzt. Denn nach den Securities – die mit der Situation heillos überfordert waren – folgte gleich die schmale Wendeltreppe in den Keller. Und schiebende Menschenmengen mit schmalen Stufen verträgt sich ja mal überhaupt nicht.

Dass dies der einzige Weg zu der eigentlichen Hauptbühne war, ist und bleibt mir wahrscheinlich immer ein Rätsel. In der nicht nur gefühlten Ewigkeit, die ich so herumstand, fragte ich mich andauernd, warum man denn nicht, so wie sonst auch meistens bei Veranstaltungen in der Brauerei, einfach unten im Keller das große Tor öffnete und stattdessen die Feier-Wollenden durch schmale Gänge und Türen schleuste. Zugegebenermaßen habe ich persönlich ja keine Ahnung, wie es um die Notausgänge bestellt war und bin mir sicher, dass das alles bestens koordiniert war von Menschen, die sich damit auskennen. Aber der Gedanke, was im Falle einer wie auch immer begründeten Panik passieren würde, bereitete mir inmitten der Menschenmenge dann doch ein bisschen Kopfzerbrechen.

Ein paar andere zusätzliche Kleinigkeiten, wie beispielsweise die Toiletten-, Garderoben und Rauchersituation führten dann wahrscheinlich dazu, dass man – im heiß umkämpften Keller angelangt – den Eindruck hatte, die Laune sei teilweise echt am Arsch. Da konnte Kele noch so großartig sein, ein bisschen gedrückt war nicht nur die Stimmung, sondern wahrscheinlich auch viele Menschen persönlich. Wobei man wirklich sehr betonen muss, dass das Line-Up echt sehr fein war. Und Kele Okereke – seines Zeichens Bloc Party-Frontmensch – in der Brauerei ist per Definition schon sehr genial!

Um kurz vor zwei Uhr wurde dann endlich das Geheimnis um das Auftritts-Überraschungsgeschenk gelüftet. Angekündigt mit nebelhornartigem Getöne erschienen die zwei bezeichnend leuchtenden Deichkind-Dreiecke. Gekreische, Gegröle, Gejubel ging durch die Menge. Egal was vorher war, man wusste, jetzt war Feiern-Deluxe angesagt. Selbst wenn sich viele Wanda oder Bilderbuch gewünscht hätten, die Kinder vom Deich wissen aber tatsächlich besser als jeder andere, wie man denn so eine Paaarty mal so richtig rockt. Die Laune der Leute im Keller war demnach nicht mehr im Keller, sondern es ging – wie man so schön sagt – richtig ab. Holy crap! Das war (leider) geil!

© Christian Haas

Alles in allem ist es wirklich schade, dass es nicht so rund lief, wie man es sich gewünscht hätte. Denn an Aufwand und gutem Willen hat es von der Veranstalterseite her wirklich nicht gefehlt. Dass die Planung und Durchführung von diesem Event auch wirklich nicht einfach ist, ist auch mehr als nur nachvollziehbar. Es bleibt zu hoffen, dass man aus all der Kritik, die es am nächsten Tag von vielen Seiten hagelte, das Beste macht.

Sodass die Party zum 21er besser über die Bühne geht, welche es auch immer sein mag.

Fotos: Christian Haas

 

 

 

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Musik-Enthusiastin. Medien-Fanatikerin. Hobby-Bloggerin. subtext-erin. Exil-Steirerin. Und absolut verwirrt.

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