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DAS NEW SOUND FESTIVAL IN DER OTTAKRINGER BRAUEREI

DAS NEW SOUND FESTIVAL IN DER OTTAKRINGER BRAUEREI

Ein wahrlich fulminantes Debüt wurde am 14. März in der Ottakringer Brauerei abgefeiert. Das gut durchdachte Festivalfeuerwerk, gespickt mit allerlei liebevollen Details und grandiosem Rahmenprogramm hinterließ mächtig Eindruck.

Frühe Vögel kamen bereits am frühen Abend auf ihre Kosten. So gab es nicht nur einen Bieranstich (mit anschließender, leider etwas kurzer Freibierfreude), sondern davor auch noch eine Lesung von Chimperator-Labelchef Basti Schweizer aus seinem Buch „Easy does it“, welches den Aufstieg von CRO aus Labelsicht recht anschaulich zeigt.

Doch nun zum eigentlichen Programm: so konnte man beispielsweise in der Alten Technik alias „Silver Stage“ mit Berlin Syndrome starten. Diese konnten nicht nur mit Bärten, die jeden Holzfäller vor Neid erblassen lassen, aufwarten. Die Deutschbriten kamen auch mit einem urgewaltigen Folk, Frontmann Graeme Salt quittiert diesen jedoch mit einer beinahe schon stoischen Ruhe in der Stimme.

Die knackige Setzeiten ermöglichten auch immer wieder einen Blick auf andere Bühnen zu werfen, ohne den eigenen Festivalplan über den Haufen werfen zu müssen. So konnte man kurz bei Chris Emray auf der „Yellow Stage“ vorbeischaun und sich eingängigem, aber leider etwas langweiligem Singer-Songwritertum hingeben, oder man stärkte sich (hinsichtlich des nachfolgenden dichten Timetables eine gute Entscheidung) an den kreativ und liebevoll gestalteten Futterecken.

Zurück zur Silver Stage, hin zu den Purple Souls. Gesegnet mit einem guten Humor, singen die Salzburger Indierocker über Emma Watson und sich lösende Bindungen, auch sie gehen ins Ohr.

Später auf der Purple Stage klingen Schafe&Wölfe aus Hamburg und Köln wie die adoptierten Kinder von Frittenbude und Casper, sie verwandeln den ehemaligen Gerstenboden schon vor Neun in einen Tanzboden. Zum Schluss gibt’s auch noch ein Erinnerungsfoto für die Mama. Oder für die Facebookpage. Vermutlich eher letzeres.

Zarte Töne wurden hingegen bei Dotan angeschlagen. Begeistert über das Österreichdebüt in einer Beer factory zeichneten der Holländer mit seiner fünfköpfigen Band zarte Klangmalereien in die Yellow Stage. Jedoch lohnte es sich auch, wieder einen Blick zur Purple Stage zu werfen, auf dem mittleriweile die Moulettes mit opulenten Frisuren und einem kuriosen Insturumentenmix folkige Töne anschlugen.

Dass die Jungs von Rakede mit ihrem doch recht dubsteplastigen Hip Hop im Zeitplan eigentlich viel zu früh dran waren, schien wohl niemanden in der gesteckt vollen Silver Stage zu stören. Ausgehend von einem von Anfang an motivierten Hotspot in der Mitte des Raumes kochte schon nach kurzer Zeit der ganze Saal. Die fulminante Lichtshow tat ihr übriges.

Stichwort fulminant: pünktlich zum Setende von Rakede übernahmen in der Yellow Stage bereits Kill it Kid. Deren brachialer Bluesrock, gepaart mit Grunge und Gospel, mit ausgefeilten Arrangements, genial harmonierenden Stimmen und einer ebenfalls recht eindrücklichen Lichtshow hinterließ ziemlich Eindruck. Zudem schienen die Briten auch die leidenschaftlichsten Fans zu haben. Dass das doch recht zahlreiche Publikum nach der halben Setzeit plötzlich fluchtartig den Saal verließ, lässt sich wohl nur mit dem Heimspiel von Wanda erklären.

Und tatsächlich, die Wiener, die eins ihrer letzten Wiener Konzerte noch im Chelsea spielten, standen vor einer brechend vollen Silver Stage. Dem neuen Wiener Sound, der eigentlich eh nicht mehr ganz so neu ist, wurde mit einer fast schon beängstigen Textsicherheit entgegengetreten. Das Wiener Publikum hat also dazugelernt.

Wer bei Wanda keine Platz mehr fand, konnte sich auch Talisco auf der Purple Stage geben. Die bringen sonnige Herbstnachmittage in die Wiener Nacht. Worauf man aber wirklich gewartet hatte, startete pünktlich kurz vor Mitternacht auf der Yellow Stage. Nach ihrer ersten ausverkauften Clubtour in Holland sollte nun auch der Rest Europas bereit auf Kovacs sein. Unfassbar, wie sich aus einer einzelnen Person eine derartige Stimmgewalt entwickeln kann. Unfassbar, mit welch verspielter Leichtigkeit das auch noch passiert. Und beachtlich, wie gut eine Band darauf eingehen kann.

Das New Sound Festival ging mit großen Ambitionen in den österreichischen Festivalkalender. Doch ein derart problemloses, gut durchorganisiertes und fantastisches Debüt sieht man wohl selten. Sei es beim absolut hochkarätigen LineUp, beim Rahmenprogramm oder bei der Location. Das New Sound Festival hinterlässt nicht nur bleibenden Eindruck, das New Sound Festival manifestiert sich gleich am Beginn der österreichischen Festivalsaison zu einem Highlight, welches man auch im kommenden Jahr nicht missen möchte.

Foto: Verena Prinz

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