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Hardcore am Montag: Minderheitenprogramm?

Hardcore am Montag: Minderheitenprogramm?

Draußen einer der ersten Sommertage, das Cafe Strom zu, und trotzdem fand am ersten Tag des Junis ein Konzert im Sauna-Saal der Stadtwerkstatt Linz statt. The Color Morale, Scream Your Name, Ash is A Robot bildeten den amerikanisch-schweizerischen-portugiesischen Teil des Abends. Local Support kam dazu noch von Decade in Disease und In Dorsia.

Letztgenannte machten sich auch bereits pünktlich um 20 Uhr auf den Weg zur Bühne. Rund 60 Leute dürften sich dabei dann trotz der wirdigsten Umstände (Sonne, Montag) doch im Konzertsaal eingefunden haben – die meisten davon aus dem Umfeld von In Dorsia. Von Freunden bis zu Eltern, und, ja sogar der Oma waren sie alle gekommen. Der Oma scheints musikalisch dann zwar nicht so gefallen haben – was in dem Falle aber ein Gütesiegel ist. Metalcore in seiner puristischsten Form, ohne Esxperimente, direkt in die Fresse. Die Herren aus Marchtrenk dürfen ruhig so weiter machen, nicht nur der Oma zuliebe.

Dass die meisten Leute eben wegen In Dorsia gekommen waren, machte den Abend danach etwas bitter. Bei „Decade in Disease“, dem zweiten Local Support, waren es dann schon nur mehr 20 Leutchen im Saal. Macht aber auch nix, das Quintett aus dem Vöcklabrucker Raum rockt die Hütte auch so. Einen Tick melodischer als der Opener, aber nicht weniger in die Gehörgänge hämmernd, ein guter Start in den Montag.

Dann wurde es international. Voller wurde der Saal nicht, aber jeder, der Ash is A Robot versäumt hat, darf sich mal gehörig in den Arsch beißen. Die Band aus Portugal, die das Schicksal ereilte, ihren ersten Österreich-Gig ever ausgerechnet an einem Montag in Linz spielen zu müssen, zeigte dennoch, was da in ihr steckt. Etwas in den Post-Punk abdriftend, ist vor allem Frontmann Claudio ein stimmliches Wunder. Da verzeiht man auch schon mal ein Bon Jovi-It’s my life – Verbraten.

Aus dem schweizerischen Bern auf Tour sind auch die Herren von Scream Your Name. Hier ist der Name Programm – schreien kann der Frontmann Stefan aber allemal. Auch wenn die Luft schon etwas draußen war – oder zumindest der Sauerstoff in der Stadtwerkstatt-Sauna – ein würdiger Vertreter des Genres, der da gerade mit „The Color Morale“ tourt. Eine Band, die sich definitiv mehr Leute im Konzertsaal verdient.

Das trifft auch auf The Color Morale zu, die den Abschluss des wohl lautesten Wochenstarts bildeten. Die Band aus Rockford ist ja bei weitem kein Unbekannter mehr. Umso mehr ist es schade, dass das Konzert nicht an einem Wochenende stattfinden konnte. Live sind die Herren nämlich das bandgewordene Hardcore-Glücksgefühl, das die Woche gebührend einleitete, und so einen intimen Gig wohl schon lange nicht mehr spielen durfte. Ein guter Start in die Woche – dem halt leider nicht allzu viele gefolgt sind.

Fotos: Christoph Thorwartl

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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