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MetalDays 2015 – fünf Tage Wahnsinn und ein Fazit

MetalDays 2015 – fünf Tage Wahnsinn und ein Fazit

Im Schlepptau von DAEDRIC TALES hat es mich zu meinem ersten Festival außerhalb von Österreich verschlagen. Trotz unerträglicher Hitze war das MetalDays 2015 definitiv eine Reise wert und zählt ohne Frage zu den Perlen der europäischen Festivalszene!

Fünf Tage Festival, 99 Bands und dazu noch ein dickes Rahmenprogramm – das MetalDays im slowenischen Tolmin weiß schon, wie man klotzt. Und das bei „nur“ 12.000 Besuchern. Kanns eigentlich noch besser werden?

Kurz: ja! Denn mit der herrlichen Lage am Soča-Tolminka-Delta hat sich Tolmin ein verdammt attraktives Alleinstellungsmerkmal unter den Festivals gesichert. Nicht umsonst heißt zB das Punk-Festival am gleichen Gelände „Punk Rock HOLIDAY“.

Und schon bei der Anreise wurde offensichtlich, dass Tolmin um die handvoll Festivals im Sommer rotiert. „Welcome Metalheads!“ liest man nicht nur am Geländeeingang, sondern auch auf den Bannern von diversen Supermärkten, Cafés etc. Ein Hofer am Geländeeingang rundet mit gewohntem Sortiment, einer Back-Box und erweiterter Alkoholabteilung das Rundumsorglospaket für den proviantlosen Festivalbesucher vollends ab.

© Markus Wetzlmayr / @wetphoto / www.wet-photo.at NO USE WITHOUT PRIOR WRITTEN PERMISSION // KEINE VERWENDUNG OHNE VORHERIGE SCHRIFTLICHE ERLAUBNIS.

Palettenweise Bierschleppen mitten in der Einöde wie beim Rotzfestival schlechthin, dem Novarock? Nö. Einfach mit Zelt, Wechselgewand (optional) und Zahnbürste (optional) auftauchen und kühles Bier direkt vor Ort kaufen – mit einem Leiterwagerl schleppt man auch problemlos sieben Paletten Bier die kurze Distanz bis zum Zeltplatz und hat dann Verpflegung für die nächsten paar Stunden.

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Am Gelände selbst ist die Infrastruktur ebenfalls gut durchdacht und beschildert. Merchstände en masse, „Genussmeile“ zu – grad noch – erträglichen Preisen, Warmwasserduschen und WCs, sowie die saubersten Dixiklos, die ich jemals erleben durfte!

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Nur bei den Warmwasserduschen und WCs gibt es einen der wenigen Kritikpunkte:

Liebe Festivalorganisatoren, was passiert, wenn frisch geduschte Menschen tagein, tagaus tropfend aus der Dusche steigen und wieder zum Zelt wandern? Der Boden wird gatschig. Und nicht grad wenig! Und was ist da eine gute Bekämpfungsmaßnahme? Plastiksackerl über den Gatsch legen wohl nicht. Ganze 4 Tage hat die Organisation gebraucht um endlich mit zwei(!) Europaletten einen halbwegs vernünftigen Holzweg anzulegen… Aber gut, „nobody’s perfect“.

Als Ausgleich gab es gratis Trinkwasser und eine traumhaft schöne Flusslandschaft inkl. Strandbar, Partyzelt, Dauer-DJ, Riesencocktails und viel viel nackte Haut. Schön!

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Die Soča (bzw die Tolminka, die in die Soča mündet) eignen sich besonders bei Temperaturen zwischen 35 und 42 °C verdammt gut, um nicht akut zu verglühen, auch wenn das Wasser dann doch eeeeeeeetwas kühl ist. Und je nachdem, ob man in Ballermannstimmung ist oder nicht, gibt es für Plantschwütige den Hauptstrand oder den abgeschiedeneren „Privatstrand“. Aber mal ehrlich: Mit dem Campingsessel im knietiefen Wasser und einem kühlen Bier in der Hand lässt sich das Leben an beiden Stränden verdammt gut aushalten.

Interessanterweise hält sich trotz der Wassernähe die Gelsen- und Moskitoplage stark in Grenzen. Nur die slowenischen Wespen können einem den letzten Nerv rauben, wenn sie sich wiederholt in Kamikazemanier in das frisch gezapfte Bier stürzen…

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Frisch gezapftes Bier ist ein gutes Stichwort für den letzten großen Kritikpunkt: Nein, nicht das Bier, sondern der Becherpfand! Müllvermeidung stellt natürlich das A und O von modernen Festivals dar. Zum einen spart man sich einen Haufen Kohle an anschließenden Aufräummaßnahmen, zum anderen kann man sich stolz auf die Schulter klopfen und sich „green event“ nennen. Blöd wird die Sache aber, wenn die Pfandbecher nicht die gewohnten Hartplastikfestivalbecher sind, sondern reguläre dünnwandige Einwegbecher. Die Krone auf diesem geistigen Kackhaufen: beim Retournieren des Gebindes wird der gebrauchte Becher erst recht in einen Mistsack geworfen. Um es mit den Worten von CARNIFEX zu sagen: „WHAT THE FUCK?!“

Apropos CARNIFEX: kommen wir doch mal zum Line-Up und den einzelnen hervorhebungswürdigen Auftritten…

CARNIFEX: die Deathcore-Ungetüme aus San Diego kam, sah und knallte den Besuchern die Trommelfelle durchs Rektum raus. GENAU SO muss Deathcore sein! SUICIDE SILENCE hingegen zeigen ganz klar wie Deathcore nicht sein muss. Und das ist irgendwie schade, denn im Interview mit We Don’t Care überzeugten Gitarrist Mark Heylmun und Neo-Sänger Eddi Hermida (der Gründungssänger Mitch Lucker musste ja besoffen Motorradfahren und hat sich damit umgebracht) als äußerst angenehme Privatpersonen und plauderten sympathisch über den Ruf des Künstlerdaseins.

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Ein weiteres Highlight war der Auftritt von SKINDRED, die bei glühender Hitze Liebesbeweise ins Publikum säuselten: „Shut the fuck up, bitch!“ oder „You fucker in the blue shirt: I said ‚jump the fuck up‘!“ – dass man dann noch provokant ein MACKLEMORE’sches „Thrift Shop“-Sample drüberstreute, bei dem auch harte Metalheads vernünftig mithoppsten, zeigt doch, dass sich SKINDRED nix scheißen und schon gar nichts ernst nehmen. Beide Daumen und die großen Zehen nach oben für die Jungs aus UK!

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Die heimische Fraktion der harten Gitarrenklänge war übrigens auch stark vertreten: DAEDRIC TALES, meine Symphonic Metal-Lieblinge durften die Second Stage vor wirklich beeindruckendem Publikum mit Balladen über The Elder Scrolls verzaubern und (Schirenc plays) PUNGENT STENCH sorgten mit dem berüchtigten Mix aus Schlabbergeräuschen, Goretexten und einer massiven Death Metal-Front für kreisende Köpfe und zerstörte Nacken. Die besten Songs jeweils: „At the Gates“ und „Shrunken and Mummified Bitch“

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SILIUS aus Tirol waren ebenfalls vertreten, denn als Gewinner des Metalchamp 2015 durften sie sich über Gigs beim Novarock und den Metaldays freuen. Die frühe Beginnzeit hat den Jungs leider etwas in die Segel geschissen, doch der Auftritt war dennoch gewohnt höchstkarätig und ein guter Tritt in den Arsch und den Magen, mit dem man motiviert in den Tag startet. Bester Song des Sets: „Invictus“

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Ebenfalls etwas früh dran waren die Grazer von REEK OF INSANITY, die am Montag die Second Stage gebührend einweihen durften. Industriell gefertigter Todesmetall und limitierte „Bombs over Tolmin“-Shirts – Geil! Und wenn ein Typ da extra vom Fluss mit seiner Luftmatraze ankommt und sich gemütlich vor die Bühne chillt, um die Band zu begutachten, spricht das doch auch für REEK OF INSANITY (die, nebenbei bemerkt, garnicht mal sooo wahnsinnig gestunken haben).

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Wer definitiv den Vogel für die besten Metalday-Performances abgeschossen hat ist klar: DARK FORTRESS und ROTTING CHRIST. Die beiden Black Metal-Geschwader, die einen aus Deutschland, die anderen aus Griechenland, haben zwei verdammt düstere schwarze Messen gefeiert. Bei ROTTING CHRIST und ihrem Opener „Χ Ξ Σ“ (666) wundert es mich nach wie vor, dass nicht der Leibhaftige in der Mitte des Sets aus einem brennenden Loch im Boden entstiegen ist.

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BEHEMOTH haben ebenfalls eine satanische Messe der Extraklasse abgefeiert. Aber von Nergal und seinen Mitstreitern erwartet man ja gar nix anderes mehr. Mit Feuershow, den wohl beispiellosesten Vocals des Festivals und viel Theatralik konnten die Polen mühelos begeistern. Top!

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Und zum Abschluss noch ein paar Worte zu dem Team, das sich um uns Pressefuzzis gekümmert hat: DANKE! Leute, ihr wart ein Bombenteam. Von dieser zuvorkommenden, bemühten, zen-buddhistischen und absolut entspannten Art können sich die heimischen Kollegen noch so einige Scheiben abschneiden. DANKE!

Das Fazit fürs Metaldays also: BOMBE! Empfehlung: HINFAHREN! Warnung: LICHTSCHUTZFAKTOR 30+! Fünf Tage Festival in brütender Hitze sind sicher nichts für jeden, die Duschgatsch- und Wespensituation nervt etwas, doch schon die ersten Bestätigungen für 2016 machen klaren Bock auf die nächste Runde Thrash ’n‘ Swim in Tolmin.

Und hier gibt’s jetzt noch alle Fotos von den fünf Tagen Metalwahnsinn in Tolmin:

Metaldays 2015 – Tag 1

Mit TOTAL ANNIHILATION, REEK OF INSANITY, MOONCRY, DEVIN TOWNSEND PROJECT, QUEENSRŸCHE, FEAR FACTORY, DARK FORTRESS und SAXON.

Metaldays 2015 – Tag 2

Mit SKINDRED, BLACK LABEL SOCIETY, MOONSPELL, DREAM THEATER und (Schirenc plays) PUNGENT STENCH.

Metaldays 2015 – Tag 3

Mit EVER-FROST, DAEDRIC TALES, HATEBREED, AUDREY HORNE und ACCEPT.

Metaldays 2015 – Tag 4

Mit SILIUS, CROWBAR, VREID, HARDCORE SUPERSTAR, BETRAYING THE MARTYRS, UNEARTH und ROTTING CHRIST.

Metaldays 2015 – Tag 5

Mit DR. LIVING DEAD!, CARNIFEX, SUICIDE SILENCE, ELUVEITIE und BEHEMOTH.

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Markus liefert als Teil der Wiener Fraktion von Subtext Konzertfotos aller möglichen Genres. Egal ob Hip Hop oder Black Metal - Hauptsache die Musik geht unter die Haut und drückt in den Ohren.

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