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Hitler wird zum Fernsehstar

Hitler wird zum Fernsehstar

Sommer 2011. Adolf Hitler erwacht in Berlin. Ohne Partei und in einer Demokratie. Timur Vermes‘ Roman „Er ist wieder da“ war 2012 in den Bestsellerlisten und ist seit letztem Oktober in den Kinos. Die zeitliche Nähe zur Verfilmung ist Zufall, habe laut Gebhartl aber zu sehr vielen Vorbestellungen von Theaterkarten beigetragen. Die österreichische Erstaufführung sei stärker am Roman orientiert, 2,5 Szenen wurden nach aktuellen gesellschaftlichen Ereignissen umgeschrieben.

Es dauert nicht lange, bis sich Hitler (Simon Jaritz) in der Gegenwart zurechtfindet und eine neue Karriere startet- Er tritt als vermeintlicher Comedian in einer Show auf und wird für einen Hitler-Imitator gehalten. Hitlers Ausraster bei Erklärungen und Reden werden zum Erkennungsmerkmal der Fernsehshow. Manche Teilnehmer_innen des Formats sind verärgert, weil sich Hitler an keine Regeln hält. Aus dem Publikum jubeln ihm hingegen viele Menschen zu: Sie sehen in Hitler eine willkommene Abwechslung zu bekannten Komiker_innen wie Mario Barth.

Obwohl dieser Aufstieg Hitlers nicht mit dem tatsächlichen zu vergleichen ist, wird Hitler auch in „Er ist wieder da“ zu einer Person, die Menschen für sich gewinnen kann und die Hebel ansetzt, um weiterzukommen. Harald Gebhartl (Regie) setzt am Ende der Fernsehshow an. Die Teilnehmer_innen gehen auf Tour und machen dabei in Linz Halt. Das Stück hat keine weitere Kommentarebene außer Hitlers Ausraster selbst. Ein Moderator (Markus Hamele) führt durch die Sendung.

Durch ein heutiges Fernsehformat, das mit Treppen und Licht Show-Charakter bekommt. Michaela Mandel (Bühnenbild) setzt den Schwerpunkt auf die Figur, die sich einiges erlauben kann, ohne großes Aufsehen zu ernten. Parallelen zur NS-Zeit sind im Bühnenbild zum Reichstag 1938 und zum Brandenburger Tor gesetzt. Hitler darf sich in der Sendung Lieder wünschen, Gesangsstücke aus Wagner Opern werden mit Elektromusik kombiniert (Wolfgang Peidelstein).

Trotz der Politiksatire ist Hitler erschreckend real. Menschen würden vielleicht gar nicht immer merken, worüber sie jubeln (z.B. bei Sprüchen), nicht nur in der Show. „Er ist wieder da“ ist das zweite Fallbeispiel zu dem Überthema „Revolution? Oder wie gehen wir mit der Krise um“. Faschismus sei nach wie vor gegenwärtig, so Gebhartl. Faschismus sei in Medien und im Alltag bereits so verwoben, dass er kaum mehr auffalle.

„Er ist wieder da“ wurde am 30. Jänner in Schwaben uraufgeführt. Die österreichische Premiere ist am 26. November um 19.30 Uhr im Theater Phönix zu sehen.

Foto: Christian Herzenberger

„Er ist wieder da“
Roman: Timur Vermes
Regie: Harald Gebhartl
Besetzung: Rebecca Döltl, Emese Fáy, David Fuchs, Markus Hamele, Sina Heiss, Simon Jaritz, Felix Rank, Sabrina Rupp
Theater Phönix, Wiener Straße 25, 4020 Linz
26.11.2015-14.1.2016
Preise: 10 € (Schüler_innengruppen ab 20 Personen, 4youcard, …) -22 € (ohne Ermäßigung, nicht im Vorverkauf)

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Katharina hat einen Abschluss in Soziologie und studiert Politische Bildung in Linz. Darüber hinaus ist sie regelmäßig journalistisch tätig, z.B. in Form von Praktika (Radio Oberösterreich, Neues Volksblatt,...) und derzeit als Redakteurin für FROzine, das Infomagazin von Radio FRO. Sie beschäftigt sich vor allem mit gesellschaftlichen und kulturellen Themen.

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