Crowdfunding ist, gerade in der Musikbranche, wohl „das Ding“ schlechthin aktuell. Aus der Vielzahl von angeblich tollen Projekten kann sich jeder, der ein bisschen den D.I.Y-Approach 2016 unterstützen möchte, seine Rosinen herauspicken. Diese Rosinen sind nicht immer die Allerspannendsten – einige sind es doch. Nehmen wir zum Beispiel mal „In The Moment“ von Pangani.

Eins mal vorweg: dass Pangani seine Heimat in Österreich hat, glaubt man eingangs mal nicht auf Anhieb. Zu sehr wird man bei den ersten Tönen von „In The Moment“ ins Jamaika der Vergangenheit versetzt. Sebastian Frisch alias Pangani beschreibt seine Musik als „Dubby Storytelling“. Für all jene, die sich jetzt mal gar nix drunter vorstellen können: Dub ist eigentlich der, naja, „Urvater“ von heutigen Selbstverständlichkeiten. Ursprünglich im Jamaika der 1960er und 1970er entstanden, wurden Roots-Reggae-Songs mit Effekten versehen und neu gemischt. Die Urväter von Remix-Compilations quasi. Was heutzutage alltäglich ist – oder kennt jemand bekannte Tracks, die noch nie verändert wieder publiziert wurden? -, war damals noch neu.

Pangani scheint diese Urformen wieder aufgreifen zu wollen. In seinem ersten Full-Length-Album, das den Titel „In The Moment“ trägt, hat man zumindest den starken Eindruck. Wenngleich gut 50 Jahre Musikgeschichte seine Spuren natürlich hinterlassen haben, und man doch viele elektronische Einflüsse in den insgesamt acht Tracks findet. Was man sich jetzt unter „Dubby Storytelling“ vorstellen kann? Diverse Label-Pressetexter würden es wohl als „sphärische, geerdete Musik in multiplen Facetten, die man so noch nicht gehört hat“ beschreiben. Ich formuliere es hier mal salopp: Musik, die man an einem beschissenen, regnerischen Sonntag, wo die Milch für den Kaffee aus ist und auch noch der Strom ausfällt, hören möchte. Oberflächlich könnte man sogar von „schöner“ Musik sprechen. „Schön“ allerdings im positivsten Sinne. Klar wird hier der aktuell hippe, nachhaltige Lebensstil in den Mittelpunkt gerückt – zumindest lässt sich das in Tracks wie „Hydroculture“ und „Unification“ hineininterpretieren. Genauso gut kann man aber auch selbst in Träume verschwinden, etwa im Eröffnungstrack „Dreaming Wanderer“ und „Under The Air“. Vielleicht ist ja das auch das „Schöne“ daran, dass „In The Moment“ anregt, darüber nachzudenken. In einer schnellebigen Welt sicher nicht so häufig, und gerade deswegen eine angenehme Abwechslung im musikalischen Universum.

pangani

One-Drop, elektronische Einflüsse, Detailverliebtheit – ja, man hat diesen „ehrlichen“ Approach in der Musik vermisst. Allen Musikern, die schon beim bloßen Erwähnen von „Dub“ feuchte Augen kriegen, darf man die Platte empfehlen. Allen, die gerne mal musikalisch experimenieren wollen, natürlich auch. Und alle, deren Ding das nicht so ist, sollten zumindest mal einen Blick auf die Crowdfunding-Page werfen. Da wird nämlich bewiesen, wie man D.I.Y. auch richtig, richtig gut vermarkten kann. Biologisch abbaubare Verpackung, Kork-Inlays, bis hin zu „Duft-Editionen“ – für all jene, die die Musik nicht nur hören, sondern vielleicht auch gut riechen wollen. Haptisches Feeling, das nicht alltäglich ist. Eine Chance hat der gute Herr Frisch auf jeden Fall verdient.

Pangani
„In The Moment“
Funding via Kickstarter
Mehr Infos unter www.pangani.at und auf Facebook

 

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