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Lausch: „Wir haben das Internet entdeckt“

Lausch: „Wir haben das Internet entdeckt“

Auch am zweiten Festivaltag des Rock im Dorf Festival 2016 konnten wir wieder eine Band für ein Interview gewinnen. Lausch aus Wien sind schon fast alte Bekannte für subtext.at. Mit der Band quatschten wir über Festivals, die kommende EP und wir wissen jetzt auch, wo wir das Internet finden.

subtext.at: Hi Jungs, danke fürs Zeitnehmen. Ihr seid ja das erste Mal am Rock im Dorf Festival, wie gefällt es euch hier?
Alexander: Sehr schön. Bis auf das Klo haben wir zwar noch nicht viel gesehen, aber schon schön.
Matthias: Die Skater haben wir etwas beobachtet, gefällt uns ganz gut.

subtext.at: Wie ist für euch der „Cut“ größenmäßig? Ihr wart ja gerade erst am Nova Rock…
Alexander: Natürlich ist die Ausdehnung nicht so, aber ich trau mir fast sagen, dass das Familiäre etwas gemütlicher ist, als dieses anonyme An-Die-Wand-Saufen auf größeren Festivals.
Matthias: Ich glaube, uns gefällt es mehr in dieser Größenordnung, als diese riesigen, ausufernden Festivals.

subtext.at: Die gleiche Frage hab ich gestern schon AVEC gestellt. Was findet ihr besser: großes Festival zu einer bescheidenen Uhrzeit oder kleines Festival zu einer guten Uhrzeit?
Matthias: Ersteres auf jeden Fall.
Alexander: Also es kommt darauf an. Auf einem Festival wie dem Novarock oder anderen großen Festivals sind die Fans vor der Bühne jene, die extra wegen dir gekommen sind. Auch wenn es nicht gleich tausende sind, erleben die zumindest eine leiwande Show. Als Künstler ist es natürlich trotzdem schön, wenn es vor der Bühne brennt und alle in der Nacht schon ein bisschen gut drauf sind. Es hat beides etwas.

subtext.at: Kommen wir nun zu eurem aktuellen Album „Glass Bones“. Das ist jetzt ein gutes dreiviertel Jahr alt. Wie ist euer Fazit? Alles so gelaufen wie ihr wolltet?
Matthias: Wir sind recht glücklich mit der Entwicklung bisher. Es geht stetig vorwärts und wir haben auch schon Zukunftspläne.

subtext.at Also die nächste große Tour bzw. ein neues Album stehen schon?
Alexander: Joa. Es ist jetzt mal ein kleinerer Schritt auf der Welle, die uns gerade trägt, darum ist es für uns sinnvoller, dass wir Anfang des kommenden Jahres eine neue EP rausbringen und dann unsere Fühler ins Ausland ausstrecken. Es gibt schon Pläne für Deutschland. Heuer vielleicht noch eine kleine Tschechien-Tour und jetzt im Sommer eben nur die Festivals, damit wir währenddessen schon kreativ an der EP arbeiten können. So müssen wir uns nicht komplett vom Livespielen zurückziehen und haben trotzdem den Raum, kreativ und relativ ruhig am Material arbeiten zu können.

subtext.at: Könnt ihr auch der Idee etwas abgewinnen, die viele kleinere Bands haben, nämlich lieber jedes Jahr eine EP veröffentlichen, als alle zwei Jahre ein komplettes Album?
Alexander: Es hängt glaub ich davon ab, wo man sich als Band gerade befindet. Wenn man gerade keinen vollen Tourkalender hat, kann man sicherlich entscheiden, einen größeren Plan zu machen und ein Album rauszubringen. Wenn man aber viel unterwegs ist und vielleicht noch andere Verpflichtungen hat, dann ist es vielleicht auch leichter in kleinen Schritten zu denken und 4-5 Nummern zu machen und ordentlich auf den Putz zu hauen. Man kann dann auch die Kräfte leichter verteilen.

@ Andreas Wörister / Slihs Photography

@ Andreas Wörister / Slihs Photography

 

subtext.at: Besser planen also. Bei euch ist ja die Musik noch kein Fulltime-Job, sondern ein leidenschaftliches nebenberufliches Projekt?
Matthias: Also teils, teils.  Alex hat ein Tonstudio, der lebt sowieso von der Musik. Ich bin Grafiker und Fotograf, das ergibt in Summe mit der Musik mein Einkommen – und beim Arnold wissen wir eigentlich nicht so genau, was er eigentlich ist.
Arnold: Es soll auch ein Geheimnis bleiben. Die Musik aber ist ein reines Hobby. Das würde ich auch gerne der Steuerbehörde weitergeben. (lacht)

subtext.at: Ich werde dem Finanzamt eine Kopie vom Artikel schicken. Die Musik lässt sich also mit euren Jobs noch recht gut vereinbaren?
Alexander: Im Idealfall ist es schon noch so, dass die Musik finanziell ein Vehikel ist, das keine Kosten verursacht, sondern uns in Zukunft, wenn wir mehr Zeit dafür brauchen auch finanziell trägt – und man nicht zurückstecken muss. Wenn man Musikzeit gegen selbstständige Arbeitszeit tauscht, sollte schon das Verhältnis stimmen, ansonsten geht es mit der Motivation bergab. Das klingt jetzt schwer, aber ansonsten ist das schlecht vertretbar wenn man laufende Kosten hat. Merch, Konzerte, Alben und co kann man halt auch nicht aus eigener Tasche zahlen, wenn man kein Erbe oder reiche Eltern hat. Das muss sich schon selbst erhalten können und im Idealfall die Menschen die rundherum mitarbeiten, oft junge Menschen die top motiviert sind, auch auf Dauer eine Perspektive geben, ihren Lebensunterhalt mit der Musik finanzieren zu können. Das wäre unser Ziel.

subtext.at: Das Endziel wäre also, vollständig von der Musik zu leben?
Alexander: Nein, also es muss beides zusammenpassen. Ich will nicht das Eine gegen das Andere eintauschen. Der Verdienst sollte halt, wenn man drei Wochen auf Tour ist um sein Album zu promoten, ungefähr der selbe sein, den man hätte, wenn man zuhause gearbeitet hätte, damit keine Kosten entstehen. Man sich also kreativ auf etwas einlassen kann, ohne Bauchweh zu haben. So in etwa.

subtext.at: Eine besondere Freundschaft dürfte auch ja mit Parasol Caravan aus Linz verbinden. Ihr seid oft miteinander unterwegs. Was steckt da dahinter?
Alexander: Naja, der Berti –  Gitarrist von Parasol Caravan –  ist unser Booker. Wir sind übers Label connected und er ist ein guter Freund von uns, und von daher kennen wir uns.

subtext.at: Also übers Label zufällig zueinander gefunden und es hat einfach gepasst?
Alexander: Ja, eigentlich schon. Das Label hat uns den Berti als Booker vorgestellt, und in Folge dessen ist das Musikalische passiert. Machen wir das gemeinsam, fahren wir dort hin, machen wir gemeinsam im Radiokulturhaus in Wien etwas miteinander –  und da wird es sicherlich noch einige Gelegenheiten geben.

subtext.at: Ist es vielleicht auch deshalb so, weil ihr musikalisch sehr gut mit Parasol Caravan zusammenpasst? Ihr habt ja auch leichte Stoner-Elemente in euren Songs und es füllt sich einfach so flüssig an, wenn ihr gemeinsam auf der Bühne steht. War diese Harmonie auch ein Grund?
Alexander: Ich würde nicht harmonieren sagen. Es ergänzt sich einfach unglaublich gut. Beide Bands haben etwas unterschiedliche Richtungen, aber für den Hörer ist das an einem Abend total erfüllend. So ca: „Die eine Band war der Wahnsinn, was könnte da jetzt noch kommen? Ah, das ist etwas anders, aber es trifft sich“. Ich glaube auch, dass wir intern ähnliche Ziele verfolgen mit der Musik und nehmen beide das sehr Ernst, ohne den Spaß an der Sache zu vergessen. Wir ticken da einfach ähnlich und darum funktioniert das intern so gut zusammen.

@ Andreas Wörister / Slihs Photography

@ Andreas Wörister / Slihs Photography

subtext.at: Kommen wir zu meiner Markenzeichenkategorie „Wordrap“. Ich gebe euch den Satzanfang vor und ihr vollendet diesen bitte. Der lustigste Moment auf Tour bisher war…
Alexander: Wir haben in Tschechien auf einer Tour unter Alkoholeinfluss geglaubt, dass wir den Ursprung des Internets entdeckt haben. Das war echt so eine Art Revelation für uns und ist mittlerweile ein interner Mythos. Wir haben in dem Proberaum einer Band übernachtet. Also übernachtet ist jetzt übertrieben, eher wo wir hingegangen sind, um uns hinzulegen. Als wir aufgewacht und rausgegangen sind, war halt Gegenüber das Internet-Gebäude, das stand da. Wir haben auch nicht näher nachgefragt, aber für uns war klar, aus dieser Stadt kommt das Internet. Wer das wissen will kann uns gerne eine Nachricht schreiben, und wir schauen im Tourplan wo das war, auswendig weiß ich das gerade nicht.
Arnold: Ich glaube das war in Kroměříž. (Anm.: 30.000-Einwohner-Stadt im Osten Tschechiens)

subtext.at: Also alle da hin. Ohne Gegenstand XY komme ich auf Tour nicht aus..
Band einhellig: Das Handyladegerät.
Matthias: Die Zahnbürste ist auch wichtig.
Alexander: Arnolds Bauchtasche auch. Da ist alles drinnen.
Arnold: Eine Herrenhandtasche bitte. Fast wie auf einer Produktpräsentation wird die Herrenhandtasche präsentiert. Mit Klettverschluss, verstärkt durch einen Reißverschluss. Drinnen offenbart sich der erste und zweite Reisepass.
Matthias: Wenn irgendwer von uns hinfällt hat der Arnold auch ein Pflaster da drinnen. Der Bandpapa, er ist ja auch schon älter.

subtext.at: Der nächste große Meilenstein in den nächsten zwei Jahren ist..
Alexander: In Deutschland eine Basis legen, die uns ermöglicht, da draußen in sinnvoller Menge unsere Tonträger unter die Menschen zu bringen, und dort vor Publikum spielen zu können. Deutschland ist auf jeden Fall ein größeres Ziel und natürlich auch in Österreich weiter auf der Festivalschiene unterwegs zu sein. Bei uns sind das nie große Schritte, sondern immer viele kleinere, die Sinn machen. In Summe zeigt es eindeutig nach oben.
Matthias: Wir sind das auch so gewohnt, da wir ständig langsam von alleine gewachsen sind und nie über Nacht entdeckt wurden .

subtext.at: Zum Abschluss kurz wieder zurück zur EP. Also Frühjahr 2017 peilt ihr an?
Alexander: Ja.

subtext.at: Können wir auch eine 7″ erwarten?
Alexander: Ich glaube auf einer 7″ wird es sich nicht ausgehen, wird wohl eher eine 10″ werden. Das muss ich aber noch mit dem Label besprechen.

subtext.at: Schaut, das ihr eine 12″ bekommt!
Alexander: Vom Sound her wäre das natürlich geiler. Da hast du vollkommen recht, werde das gleich ans Label weiterleiten. Ich wäre ja auch spitz auf eine Special Edition, wo irgendwas Schönes dabei ist, eine Unterhose vielleicht. Ich hätte auch noch ein Bild von meiner Coloskopie, von meinem Dickdarm sozusagen. Das etwa zerschneiden und kleine Schnipsel beilegen.

subtext.at: Das wäre ja fast mehr ein Covermotiv.
Alexander: Genau, so Foo Fighters mäßig. Ist eine gute Idee.

subtext.at: Aber jetzt wirklich letzte Frage. Zahlt das Label komplett oder wird es wieder eine 50:50 Geschichte mit Crowdfunding wie bei Glass Bones?
Alexander: Ja, wieder wie bei Glass Bones. Ich finde die Idee super, weil man damit gleich an die Leute rangehen kann und sofort ein Feedback bekommt!

 

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