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TOM ODELL: Allein in der Menge

TOM ODELL: Allein in der Menge

Ein junger Mann aus Großbritannien, der schon einmal bewiesen hat, dass er Emotionen passend auf Band pressen kann. Tom Odell boxt sich durch ein nettes, aber nicht überwältigendes Zweitwerk und präsentiert mit „Wrong Crowd“ die Suche nach einer Ideallinie im Pop-Mainstream. Opulente Streicher sorgen für reichhaltigere Soundlandschaften und passende Verzierungen. Klarheit ins Schaffen bringt diese Platte hingegen wenig. Schöngeist oder Schönfärberei?

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„Another Love“ drängte sich 2013 von seinem Debüt „Long Way Down“ auf, ohne unangenehm zu wirken. Jetzt stellt der 25-Jährige als Hoffnungsträger der britischen Songwriter-Zunft mit „Wrong Crowd“ sein zweites Album vor. Stolz und Sehnsucht changieren inmitten goldschimmernder Seifenblasen, die in New York das Licht der Welt erblickt haben. Zwischen charmanter Beiläufigkeit und netter Belanglosigkeit kommen Pop-Sensibelchen wieder auf ihre Kosten, auch wenn nicht jede Hook ihr Ziel trifft und die inhaltlichen Fragen um Abschottung, Zurückgezogenheit, gemeinschaftliche Einsamkeit und der Suche nach dem Anschluss eher düsterer Natur sind.

Zerknirschte Herzschmerz-Geschichten über die Verflossene („Here I Am“), falsche Vertraute in der Ego-Gesellschaft („Wrong Crowd“), Eifersucht („Jealousy“), das Verlassenwerden („Daddy“), oder sich in jemanden zu verlieben, der schon vergeben ist („Still Getting Used To Being On My Own“) – es geht um zwischenmenschlichen Interaktionen, um Ursachen und Wirkungen. Stoff eben, für den man im Kino Stars wie Meg Ryan, Adam Sandler oder Jennifer Aniston verpflichten würde. Schief gelaufene Lebensentwürfe eben.

Von herrlich perkussiven Elementen wird „Sparrow“ dominiert, „Constellations“ spielt hingegen mit lieblichen Piano-Akkorden und „Silhouette“ macht vor einer großen Kanne Kitsch nicht halt. „Concrete“ sinniert zu akzentuierter Pop-Rhythmik über die Unwägbarkeiten der Liebe und wenn Odell weiter über unerwiderte Zuneigung oder falsche Freunde reflektiert, dann tut er das nicht mehr ganz so schüchtern wie auf seinem Debüt, sondern durchaus selbstbewusst. „Wrong Crowd“ vermittelt einem nicht das Gefühl, man läge zur intimen Beichtstunde direkt neben ihm auf dem Sofa. Das Selbstwertgefühl, es dürfte gestiegen sein.

Wrong_Crowd

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