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Musikclub Open Air Lembach: das Gute liegt so nah!

Musikclub Open Air Lembach: das Gute liegt so nah!

„Die Festivalsaison steht heuer vielerorts unter keinem guten Stern und der Sommer 2016 war aus Veranstaltersicht ein harter.“ Mit dieser Begründung wurde am Samstagabend das Grazer Nuke-Festival aufgrund zu weniger verkaufter Tickets abgesagt. Alle Veranstalter haben also heuer zu kämpfen – alle? Nein, das Lembacher Musikclub Open-Air erfreute sich des wohl größten Besucherzuspruches seiner mittlerweile vierjährigen Geschichte. Die Gründe dafür? Gemütlichkeit, vertretbare Preise, und eine kleine, aber doch feine Auswahl an Acts. 

Vorweg: wir waren leider nur am Samstag vor Ort. Freitag, der erste Festivaltag, war aber den Berichten nach ein voller Erfolg. Kein Wunder, garantieren Shantel und Folkshilfe doch stets für einen guten Konzertabend. Aber auch der Samstag konnte sich zumindest lineuptechnisch sehen lassen. Das fängt dann auch gleich beim Opener an.

AVEC. Die junge Dame, die gerade in Oberösterreich bei Weitem keine Unbekannte mehr ist, eröffnete den lauen Konzertsommerabend. Kommenden September erscheint nach ihrer EP auch ihr Debutalbum, „What if we never forget“. Der Name könnte auch quasi Programm sein – AVEC begeistert mit einer der wohl besten Stimmen, die derzeit durch die Alpenrepublik touren.  Eine Stimme, die man sicher nicht so schnell vergisst. Man darf hier mehr als gespannt sein – auch wenn der Respektabstand zur Bühne bei den zu dieser Zeit ungefähr 350 vorhandenen Besuchern doch noch ein großer war.

Ein Abstand, der allerdings spätestens bei Band Nummer Zwei verringert wurde. Yalta Club. Die Band mit Sitz in Paris entschuldigte sich gleich mal, dass nur eine von ihnen Deutsch könnte. Macht aber nix – man wurde unglaublich gut unterhalten. Irgendwie fühlte ich mich hier gleich an die Zeit zurückerinnert, als Bands wie die Crystal Fighters noch nicht partout einen auf „Rave“ machen wollten. Lebensfreude, sichtlich Spaß auf der Bühne, ein Instrumentenmix, den man so sicherlich kein zweites Mal mehr findet. Die Zugabe „Why can’t we just love each other?“, geschrieben nach den Anschlägen von Paris, mitten im Publikum tat sein Übriges für ein überragendes Konzert. Live zu sehen übrigens beim inkmusic-Geburtstagsfest am 16. September im Wiener WUK. Kleiner Tipp: ihr solltet da hingehen, nicht nur, aber vor allem wegen Yalta Club!

Danach standen quasi alte Bekannte auf der Bühne. Farewell Dear Ghost zählen nicht erst seit ihrer China-Tour zu den spannendsten Indie-Acts. Mit der „SKIN“-EP fallen sie angenehm in den Gehörgängen auf – so auch in Lembach. Man merkt hier den etwas perfektionistischen Approach – die Songs wirken ausgeklügelt, ohne jedoch der Gefahr zu erliegen, zu überladen zu wirken.  „All of Me“ und Co sind der ideale Pop-Festivalbegleiter, dem auch in Lembach viele huldigten. Wenn sie nicht grade an der Bar ein (überaus köstliches und preislich faires!) Hofstettner Bier genossen. Dass auch hier die Zugabe im Publikum gespielt wurde, unterstreicht schon wie bei Yalta Club die Meinung: schauen Sie sich das an, man wird nicht enttäuscht sein!

Der Headliner des Abends brach dann mit der Genrekonvention. Schmutzki. Die Stuttgarter Punks fallen auf Festivals vor allem durch Tonnen an verklebten Stickern auf, und funktionieren dort meist wunderbar. Der harte Break im Lineup gepaart mit den Hofstettner Bieren – haben wir schon gesagt, dass die überaus lecker und preislich fair waren? – war dann so manchen Lembachern doch etwas zu viel. So war die Menge vor der Bühne überschaubar, die Show aber dennoch unter dem Stempel „bemüht“ abzulegen. Macht nix: wenn man Schmutzki mal alleine oder mit genretechnisch passenderen Acts sehen kann, hat man auch hier viel Spaß!

Das Festival beschloss dann, um halb 2 Uhr morgens, da Tisch. Sorry, Da Staummtisch, wie Freistil, Concept, Roleee Solo und Antrue wirklich heißen. Mit „Eldorado“ ist seit längerer Zeit wieder ein neues Album erschienen, und der „Tisch“ beweist seit guten 10 Jahren, dass sie eine der besten Hip-Hop-Crews der Stahlstadt sind. Auch wenn die Stunde spät war und die Stimmung, nunja, einige Hofstettner (auch um die Zeit immer noch köstlich) reicher war, wurde man beim „Staummtisch“ nicht enttäuscht, oder: gehts ruhig alle zu einer Staummtisch-Show zuwa! Kleine Eigenwerbung am Rande: haltet euch den 29. Oktober mal frei, da feiern wir dann in der Stadtwerkstatt nicht nur unseren junQ.at-Birthday-Qlash, sondern mit dem Staummtisch zehn Jahre „Diaf & Seicht“, die erste EP, und dazu auch noch 10 Jahre Average & Url (Die Au). Wir haben dafür auch schon mal ein bisschen mehr (köstliches!) Bier eingekauft.

Zum Musikclub Open Air bleibt nur noch zu sagen: danke, gemütlich wars wieder. Und wenn ich die Wahl zwischen einem gemütlichen Festival, oder einem Riesen-Festival habe, bleibe zumindest ich bei ersterem. Da ist das Bier auch billiger.

Foto: Christoph Thorwartl

 

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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