Gregor Meyle: Die Leichtigkeit eines Konzertes

Gregor Meyle: Die Leichtigkeit eines Konzertes

„Die Leichtigkeit des Seins“ – so heißt das mittlerweile fünfte Studioalbum von Gregor Meyle. Gregor Meyle? Das ist doch der Typ aus der Fernsehsendung? All jene, die glauben, dass sie ein Deja Vu haben – ihr habt Recht. Gregor Meyle, früher noch als Stagehand aktiv, wurde seit 2007 zu einem der gefragtesten deutschen Pop-Künstler, und hat seither unermüdlich Konzerte gespielt. Vergangenen Samstag wurde im Rahmen des aktuellen Tourstopps im Linzer Posthof vor allem eines offensichtlich – Gregor Meyle macht auch kritischen Musikhörern überraschend viel Spaß!

Ein Support im Rahmen des ausverkauften Konzertes im Linzer Posthof durfte natürlich nicht fehlen. Der hörte auf den Namen Laura Bellon. Laura Bellon – tjo, eh, war auch auf der Bühne, eigentlich ja als Teil von Gregor Meyles aktueller Liveband. Knapp 20 Minuten lang durfte sie ihre Liedchen trällern, und hätte jeder einfach noch ein Bier im Foyer getrunken, es wäre von der Stimmung her dasselbe gewesen. Nett, aber halt dann doch ein bisserl sinnlos. Aufmunternder Pflichtapplaus, aber  auch nicht mehr.

Gregor Meyle anschließend hielt aber, was er versprach. Spätestens als er die ersten Takte des aktuellen Titeltracks „Die Leichtigkeit des Seins“ anstimmt, hängt das quer durch alle Altersschichten vertretene Publikum an seinen Lippen. Dass mit „Hier spricht dein Herz“ einer der – ja, man darf es mittlerweile so bezeichnen – Klassiker gleich am Anfang vertreten ist, tut der Stimmung keinen Abbruch. Was folgt: gekonnt arrangierte Zwischenansagen über Verwechslungen zwischen ihm und dem Bandmember Axel Müller, mehr oder weniger lustige Anekdoten über Xavier Naidoo und die Welt, und vor allem: gekonnt arrangierte Songs. Egal ob „Niemand“ oder „Du bist das Licht“ – Meyle versteht es, massentauglichen Pop mit Emotionen zu versehen. Und schafft es dabei, das schier unmögliche umzusetzen: dabei nicht aufgesetzt zu wirken, wie so viele andere aus diversen Castingshows bekannt gewordene Artists. Die Stimme passt, die Begleitmusiker sind sowieso Profis – ja, man findet wenig auszusetzen. Auch als Norbert Schneider, Österreichs aktuell best looking Jazzexporte, Georg Danzers „Lass mi amoi no d’Sunn aufgeh‘ sehn“, in die Menge schmettert, kennt der Saal kein Halten mehr. Und auch der Herr Danzer düfte auffallend wenig im Grab rotiert haben angesichts der Performance. Eineinhalb Stunden lang gibt Gregor Meyle ein jetzt – erwartet – nicht unbedingt tiefgründiges Konzert, versinkt jedoch nicht in Belanglosigkeit. Das letzte Lied als Acoustic Session im Publikum – und ja, die Leute haben wirklich die Handys eingesteckt gehabt!- beenden eine überraschend positiv in Erinnerung bleibende Performance eines Künstlers, dem man vielleicht vorschnell Unrecht tut. Liebe Leute: tut es nicht, und geht unvoreingenommen zu einem Konzert von Gregor Meyle. Ihr werden positiv überrascht sein!

Foto: Christoph Thorwartl

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geschrieben von

Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eishockeyfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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