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KC Rebell: „Abstand“ live in Linz!

KC Rebell: „Abstand“ live in Linz!

Zugegeben, ich habe ein paar Tage gebraucht, bis ich seelisch in der Lage war, das Konzert von Hüseyin Köksecen a.k.a. KC Rebell in Worte zu fassen. Zu anders zu bekannten Konzerten war das Set, das am vergangenen Mittwoch im Linzer Posthof live präsentiert wurde. Für Fans: super. Für andere Konzertbesucher: gewöhnungsbedürftig, aber dennoch spannend mitanzusehen.

Hüseyin Köksecen a.k.a KC Rebell muss man eigentlich nicht mehr groß vorstellen. 1,2 Millionen Fans auf Facebook, seit 2011 aus der deutschen Hip-Hop-Szene nicht mehr wegzudenken. 2017 mit neuem Album, „Abstand“ am Start. Der imaginäre „Abstand“ zwischen den gut 500 Fans und den Artists auf der Bühne wurde am vergangenen Mittwoch mit einer vergoldeten Couch auf der Bühne verringert, wo sich nach jedem Song zwei Glückliche zum „Chillen“ – natürlich von den Künstlern handverlesen – trafen. Natürlich begleitet von 2 „Cornettos“, oh sorry!, Securities an beiden Rändern der Bühne. Damit ja nix passiert!

Der gute Herr Rebell hat sich natürlich nicht alleine auf Tour. Auch wenn Gott sei Dank kein Kollegah anwesend war, wurde natürlich ausreichend Verstärkung mitgebracht. Mit Kianush und PA Sports an den Mics sorgte gehörig laute Unterstützung für Stimmung im Konzertsaal. Auch bei letzteren bewies das – wie sich spätestens an den unvermeidlichen Lautstärkevergleichen „Männlich vs. Weiblich“ herausstellen sollte – überwiegend männliche Publikum als erstaunlich textsicher. Fast martialisch wird es, wenn ein vom MC vorgebenes „Soldaten?!“ mit einem ohrenbetäubenden „AOUH!“ quittiert wird. Fast hat man den Eindruck, mehr einer Kundgebung als einem Konzert zu lauschen. Die Gäste auf der Bühne werden immer durchgewechselt, einige dürfen sich auch am Mic versuchen. Das gibt dann einen Unterschied von „passabel“ bis „ach, die arme PA“ – KC Rebell versteht es aber blendend, die Meute zu unterhalten.

Selbst Leute, die mit seiner Art Musik nix anfangen können, können hier nicht von einem „Scheiss Konzert eines Scheiss Künstler“ sprechen – nein, den Fans vor Ort hat es sehr wohl Spaß gemacht. Wenn sie das Konzert nicht grade durch den Bildschirm des 5-Zoll-Smartphones betrachtet haben. Ach, Leute, warum zahlt man 30 Euro für die Karte, wenn man sich dann den Gig durch das Telefon anschaut. An dieser Stelle Lob an die Tour-Tontechnik: das Set gehörte eindeutig zu den bestabgemischten Tour-Gigs, die der Posthof dieses Jahr gesehen hat. „Die Rebelllounge“ im Posthof war zumindest für Fans ihr Geld wert.

Foto: Christoph Thorwartl

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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