Star Wars: Battlefront 2 hat zum Release ein beachtliches Kunststück hingelegt. Leider keines von der Sorte, die sich EA und DICE gewünscht hätten. Über 200 Stunden Spielzeit für das Freischalten aller Helden. Spielentscheidende In-Game-Items („Pay-to-Win“), die über glückspielähnliche Beutetruhen („Loot-Crates“) für Echtgeld erworben werden können. Die Spieler sahen nicht ein, warum sie 60 Euro für ein halbes Spiel ausgeben sollten. Der Shitstorm schaukelte sich zum größten Videospielskandal des Jahres auf. EA gab schließlich klein bei, entfernte alle Mikrotransaktionen aus dem Spiel und reduzierte die benötigten In-Game-Credits für alle Helden um 75 Prozent. Allerdings nur vorrübergehend. Ist Battlefront 2 somit gerettet? Bedingt, denn „Loot-Crates“ und Co. sind nicht die einzigen Schwächen des Titels.

Eine Galaxie hoher Ansprüche

Die Erwartungen an EA und DICE waren enorm, als 2013 eine Neuauflage von Star Wars: Battlefront auf der E3 angekündigt wurde. Die original Battelfront Teile (2004 und 2005) waren große Erfolge gewesen und erfreuen sich auch im Jahr 2017 einer treuen Anhängerschaft. Battlefront 1 (2015) konnte die Erwartungen nur zum Teil erfüllen. Einerseits konnten Fans der alten Teile wenig mit den neuen Spielmechaniken anfangen, andererseits wirkte vieles wie ein Testlauf für das 2016 veröffentlichte Battlefield 1. Hinzu kam der reduzierte Umfang des Spiels, verglichen mit der Originalserie.
Star Wars: Battlefront 2
Publisher: Electronic Arts
Entwickler: EA Digital Illusions CE
Plattformen: PC, PS4, Xbox One
Testplattform: Xbox One
Metacritic-Score: 68%
Preis: 44,99 / 59,99 €

Dadurch standen Entwickler und Publisher mit Teil Zwei unter Zugzwang, obwohl durch die neuen Star Wars Filme der Hype um die weit entfernte Galaxie groß und somit gute Verkaufszahlen scheinbar vorprogrammiert waren. Doch EA brachte einen Virus ins Programm. Erste Zahlen aus Großbritannien deuten auf einen 60-prozentigen Rückgang in physischen Verkäufen verglichen mit Battlefront (2015) hin. Zumindest teilweise eine Konsequenz des „Loot-Crate-Skandals“. Aber was hat Battlefront 2 spielerisch zu bieten?

Imperium auf Tatooine: Hier sind wir mit unserem Squad als Specialist wieder eingestiegen.

Konservativ aber solide in der Umsetzung

Innovationen im Gameplay werden bei Battlefront 2 vergebens gesucht. Wie bei nahezu allen Vertretern des Genres wählen wir aus vier verschiedenen Klassen (Specialist, Officer, Heavy, Assault) vor dem Wiedereinstieg. Durch Abschüsse oder das Erreichen von Spielzielen sammeln wir während einer Partie Battlepoints, die wir eintauschen können um mit Held, Fahrzeug oder Raumjäger wieder einzusteigen. Wenn man sich als Jedi durch Gegnerhorden säbelt oder mit einem X-Wing aus der Luft für Verwüstung sorgt, kann Battlefront 2 durchaus Laune machen. Die Raumjäger steuern sich mit dem Gamepad sehr präzise, weshalb man sich schon nach wenigen Minuten bei riskanten Manövern auf Naboo oder der Starkiller-Basis ertappt. Aber auch die Standardklassen spielen sich solide. Der Specialist hat mit seinem Scharfschützengewehr klar den Reichweitenvorteil, während der Officer Minigeschütze aufstellt und seinen Squadmitgliedern Boni verleihen kann. Assault und Heavy sind für die Feuerpower zuständig. Alle Klassen verfügen über verschiedene Fähigkeiten, die je nach Bedarf ausgetauscht werden können. Neue Fähigkeiten können freigespielt werden, oder über „Loot-Crates“ freigeschaltet werden. Die „Crates“ gibt es nur gegen In-Game-Währung, zumindest vorerst.

Auch die imperialen Bomber steuern sich präzise. Die vielen gegnerischen Raumjäger machen es aber schwierig, den Mitspielern auf dem Boden ausreichend Luftunterstützung zu geben.

Sechs Fraktionen, trotzdem wenig Abwechslung

Beschränkte sich Battlefront (2015) auf den Kampf zwischen Imperium und Rebellen, können wir im Multiplayer von Teil Zwei Schlachten aus allen drei Epochen der jeweiligen Filmtrilogien hautnah erleben. Im ersten Moment klingt das nach viel Abwechslung. In der Realität unterscheiden sich die sechs spielbaren Fraktionen jedoch kaum. Ob wir nun mit einem Assault des Widerstandes (Sequel-Trilogie) oder einem Assault der Separatisten (Prequel-Trilogie) einsteigen; das Spielgefühl bleibt im Grunde unverändert. Eine vertane Chance für DICE. Auch die Maps sind zwar hübsch, ihr Design aus Gameplay-Sicht jedoch eher Mittelmaß. Da bot DICE bereits wesentlich mehr in den diversen Ablegern ihrer Battlefield-Reihe. Auch die alten Battlefront Teile haben häufig die Nase vorn. Ein Beispiel: Alle Fahrzeuge und Flugzeuge waren komplett von Spielern steuerbar. In Battlefront 2 müssen wir das Steuern der Klonangriffsschiffe aus Episode II der KI überlassen und können lediglich das Geschütz übernehmen, während wir mehr oder weniger hilflos um das Schlachtfeld kreisen. Schade. Außerdem spielten sich die nur zwei Epochen des Original-Battlefronts (2004) abwechslungsreicher, als die drei Epochen in Battlefront 2 (2017).

In Battlefront 2 steigen wird automatisiert als Squad ins Spiel ein. Auswirkungen auf das Gameplay oder sonstige Squadfunktionen wie in Battlefield fehlen allerdings.

Spaßiger Split-Screen für zwischendurch

Im Gegensatz zu manch anderen großen Triple-A-Titeln (siehe Halo 5, 343 Industries) besitzt Battlefront 2 auf den Konsolen einen Split-Screen Modus. Leider ist es nicht möglich gemeinsam auf einer Konsole online zu spielen. Lediglich ein Modus bei dem zu zweit gegen stärker werdende KI-Horden gekämpft werden muss und ein Versus-Modus sind verfügbar. In beiden Modi können wir verschiedene Szenarien aus den Filmen nachkämpfen. Im Versus-Modus schließt das natürlich Lichtschwertduelle ein. Die müssen allerdings nicht zwingend so in den Filmen stattgefunden haben. Im Palast von Naboo duellieren sich beispielsweise Meister Yoda und Darth Maul. Ein Duell, das es in sich haben kann. Ein besonders nervenaufreibendes Match dauerte bei uns stolze 24 Minuten. Die beiden Machtnutzer spielen sich dabei sehr verschieden. Darth Maul hat mit seinem Doppellaserschwert höheren Basisschaden, weshalb sich Meister Yoda mit viel Mobilität und Machtangriffen wehren muss. In Punkto Abwechslung könnten sich ihre jeweiligen Fraktionen von Yoda und Maul eine Schnitte abschneiden.

Chefsache: Imperator Palpaltine und Darth Vader erledigen die verbliebenen Rebellen auf Yavin IV eigenhändig. Immerhin haben die ihren schmucken Todesstern zerstört.

Galaktisches Imperium in der Krise – Der Singleplayer

Eine große Innovation gegenüber Battlefront (2015): Battlefield 2 besitzt eine Singleplayer-Kampagne. Die Handlung setzt direkt am Ende von Episode VI ein, diesmal allerdings aus Sicht einer Geheimagentin des Imperiums. Der große Wurf gelingt DICE hier nicht. Im Vorfeld wurde viel Wert darauf gelegt zu bewerben, dass man nun eine überzeugte Anhängerin des Imperiums spiele und  die Story daher ganz neue Ebenen beleuchte. Im Endeffekt läuft Protagonistin Iden Versio nach vier Missionen ohnehin zur Rebellion über, was wir nicht als großen Spoiler bewerten. Dafür hätten erst mehrere Spielstunden vergehen müssen. Es folgt eine Abfolge lose zusammenhängender Missionen, in denen wir neben Versio auch altbekannte Fanlieblinge treffen und auch selbst spielen dürfen. Die Haupthandlung läuft auf den Konflikt zwischen Iden Versio und ihrem Vater Admiral Versio hinaus. Alles in allem ein Ausflug in das Star Wars Universum der Spaß macht, aber den Charme der Filmserie vermissen lässt.

Iden Versio hätte zwar das Potenzial zu einer interessanten Figur gehabt, die Storywriter haben es aber nicht geschafft, eine mitreißende Handlung für sie zu schreiben.

Frostbite-Engine auf Höhenflug

Zumindest technisch kann das Spiel in allen Bereichen überzeugen. Auf dem PC ist Battlefront 2 eine Augenweide und selbst auf der nicht mehr ganz aktuellen Hardware der Xbox One und Playstation 4  kann sich der Titel sehen lassen. Die Framerate bleibt dabei auch in Multiplayergefechten mit 40 Spielern stabil, wobei DICE für den PC gesalzene Systemanforderungen angibt: 16 Gigabyte Arbeitsspeicher, eine GTX 1060 und einen Intel Core i7 der 6. Generation empfiehlt der Entwickler.

Sogar auf der Xbox One sehen Landschaft und Vegetation auf diesem Planeten grandios aus.

FAZIT

Pro:

  • Star Wars Feeling
  • Konservatives aber solides Gameplay
  • Zumindest teilweiser Split-Screen auf den Konsolen
  • Maßstab für Grafikfanatiker

Contra:

  • Unfaire Upgrades
  • Immer noch weniger Umfang als in den Originalspielen
  • Sechs Fraktionen nach Schema F
  • Eher farblose Singleplayerkampagne
  • Mögliche Rückkehr der Mikrotransaktionen 2018?

Eine Kaufempfehlung für Battlefront 2 auszusprechen, würde uns mächtig Bauchweh bescheren. Der Titel hat zwar Stärken, allerdings gibt es zu viele Baustellen, die DICE und EA reparieren müssten. Das könnte schwierig werden, weil einige der Probleme tief in den Spielmechaniken verwurzelt sind. Ein Anfang wäre, zu garantieren, dass Mikrotransaktionen dauerhaft dem Spiel fern bleiben. Selbst dann sorgen aber die vielen freispielbaren Verbesserungen und Fähigkeiten immer noch dafür, dass man wiederholt auf unbesiegbare, gegnerische Spieler stößt. Faires Gameplay sieht anders aus.

Wer allerdings Lust auf Battlefront bekommen hat, erhält eine Kaufempfehlung der anderen Sorte. Die Original-Battlefront Teile von 2004 und 2005 bieten auch heute noch mehr Spielspaß und Umfang als die Neuauflagen, trotz der veralteten Grafik. Und das zu einem Bruchteil des Kaufpreises. Außerdem besitzen sie eine treue Spielergemeinde. Wie Qui-Gon Jinn in Episode I treffend meinte: „Es gibt immer einen noch größeren Fisch.“

Wertung der Redaktion: 76%

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