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Manuel Normal: Heimat großer Töchtersöhne

Goschnrocker, Dialekt-Rocker, Singer/Songschreier – Manuel Normal hat in den vergangenen zehn Jahren schon einiges an Attributen zugeordnet bekommen. Mit „Töchtersöhne“ verabschiedet sich der oberösterreichische Musiker in die wohlverdiente (?) Musikpension. Nicht ohne damit zu gehen, womit er aufhorchen ließ: Provokation, Ironie, Politik. 

„Normal is des ned“ – so hatte Manuel Normal sein letztes Album angekündigt. 2014 war das, nachdem er bereits 2010 erkannt hatte, dass ob der „Doima“ unsere Welt nicht mehr lang stehen sollte, oder, um es in Normal’schem Dialekt zu schreien, „Die Wöd steht nimma laung“. Dafür verantwortlich? Die „Doima“, „Marionettn“ auf den „Gebrüdern Krim“. Manuel Normal hat sich nie ein Blatt vor den Mund genommen. Aktuell am Start: „Töchtersöhne“ – und damit auch der Abschluss einer der wohl ungewöhnlichsten Acts dieses Landes. Denn „Töchtersöhne“ ist das letzte Album, das Manuel Normal veröffentlichen wird. Einfach war es für Acts seiner Gattung nie – und die verganenenen Jahre haben es für inhaltlich pointiert ausgedrückte Musik nicht leichter gemacht. Außerdem ist man auch älter geworden – Manuel Normal und seine Kumpanen haben mittlerweile auch für den Musiknachwuchs in diesem Land gesorgt. Schade darum, wieder ein Act weniger. Doch Manuel Normal geht nicht, ohne nochmals seine musikalische Duftmarke auf die Welt loszulassen.

„Töchtersöhne“ heißt also die Platte, mit der er uns sein Vermächtnis hinterlässt. Namensgleichheiten zur durchstartenden Agentur Töchtersöhne,  unter anderem durch Krautschädl und Folkshilfe im Business bekannt geworden, natürlich rein zufällig. Inhaltlich bewegt man sich immer noch auf gewohntem Terrain: ironisch, dabei aber doch brachial. Egal, ob bei „Liftwart“, oder bei „Langstreckenläufer“-  Manuel Normal beweist auch zwölf Jahre nach seinem Debut „Frontal“, dass er nichts von der Scheiss-dir-nix-Attitüde eingebüßt hat. Der Titeltrack „Töchtersöhne“ wirkt Anno 2019 aktueller denn je – denn das „Land der Äcker“ dürfte immer noch nicht dazugelernt haben, und Manuel Normal hält seinen musikalischen Salzstreuer gewohnt gekonnt in die heimatlich-perfiden Wunden. Ein Act, wie ihn Österreich derzeit sicher kein zweites Mal zu bieten hat, sagt Servus. Gerade auch mit der letzten Nummer, „Ob Heid“ – hier gelobt Manuel Normal, sich „nicht mehr zu beschweren“. Wir sagen zum Abschied ebenfalls „Servus“ und hoffen, dass das dann doch nicht bis in alle Ewigkeit so sein wird!

„Töchtersöhne“ ist am 19.04.2019 auf CD, digital und LP erschienen.

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eishockeyfan. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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