ASTPAI: Das letzte Wienkonzert

ASTPAI auf großer Abschiedstour: Ehe im Herbst 2020 dann tatsächlich der Vorhang fällt, spielten die Neustadt Punks bereits vergangenes Wochenende ihr finales Wienkonzert mit musikalischer Unterstützung von Wham Bam Bodyslam und I’m A Sloth. Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen.

ASTPAI wurde 2001 gegründet. Aus der ehemaligen Schülerband, die AC/DC Songs coverte, ist über die Jahre eine der am meisten geschätzten Punkrock Bands des Landes geworden. 2020, also 19 Jahre später ist es „time to say goodbye“. ASTPAI lösen sich aber nicht auf, ohne davor eine ausgiebige Ehrenrunde zu drehen. Am Freitag spielte die Band ihr letztes Wienkonzert in der Arena und hatte für diesen Anlass ein vergrößertes Line-Up und  hochqualitativen Support in Form von I’m A Sloth und Wham Bam Bodyslam dabei.

Das Grunge Trio I’m A Sloth gehört wohl zu den omipräsentesten Bands Wiens, wenn man sich ihren vollen Konzertkalender so ansieht, in dem circa jeder Location der Stadt aufscheint. Die Faulheit scheint man sich also nicht beim „spirit animal“ abgeschaut zu haben. Als Wappentier für den rotzigen Neunzigerjahre-Sound passt es aber perfekt. Eine knappe halbe Stunde lang wurde geschrammelt, geschrien und auf recht sympathische Art und Weise für das Folgeprogramm aufgewärmt.

Bei Wham Bam Bodyslam dauerte es keine paar Takte bis die Tanzbeine aktiviert waren und in den vorderen Reihen Pirouetten gedreht wurden. Die Folk-Combo von Attersee ist ein Garant für ausgelassene Stimmung und verwandelt in Gedanken jeden Konzertsaal in ein Irish Pub. Das neue, zweite Album der Band „Dancing Wrestling Burning Wood“ wurde übrigens von ASTPAI Sänger/Gitarrist Zock produziert und fängt die energiegeladene Livepräsenz der Band perfekt ein. Am besten mitgrölen lässt es sich aber dann doch zu Bandklassikern wie „My Time, My City“ und „Off The Beaten Track“.

Dass sie nicht viel von Nostalgie und Selbstbeweihräucherung halten, bewiesen danach die Headliner des Abends, die wie die Feuerwehr loslegten. Es geht mehr darum nochmal über die Jahre lieb gewonnene Orte wie Arena Wien zu besuchen und eine gute Zeit mit alten Freunden zu haben. Zu hören gab es einen Mix aus den letzten drei Alben „Efforts & Means“, „Burden Calls“ und „True Capacity“. Wir rechnen aber fest damit, dass die ganz nostalgischen Sachen aus dem letzten Jahrzehnt spätestens beim endgültigen Abschiedswochende 2020 in Wiener Neustadt eine tragende Rolle spielen werden. So war es ein energiegeladener und eigentlich ganz normaler ASTPAI Gig, so als wäre eh alles wie immer. Dafür gab es zusätzliche Verstärkung auf der Bühne mit Keyboard und einer dritten Gitarre und ein flammendes Statement für die Kampagne „Solidarity Not Silence“, die eine Gruppe junger Frauen in ihrem Rechtsstreit gegen einen übergriffigen Musikerkollegen in Großbritannien (nähere Informationen hier) finanziell unterstützen will. Dazwischen blieb auch noch Zeit für „politische“ Gitarrensolos und spätestens beim finalen Song „Honest Or Sentimental“ brachen alle Dämme.

Ganz ist es noch nicht Zeit um „Adieu“ zu sagen, nur der Anfang vom Ende hat begonnen. Auf ein paar Mal ASTPAI dürfen wir uns 2020 aber noch freuen. In Oberösterreich zum Beispiel am 9. Mai beim SBÄM Fest in Wels. Wir belassen es also bei einem „goodbye for now“.

Fotos: Andreas Wörister

 

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Schreibt Albumrezensionen, Konzertberichte und führt gerne Interviews - transkribieren tut er diese aber weniger gern. Immer wieder auch für Blödsinnigkeiten abseits seines Kerngebiets "Musik" zu haben. Hosted einmal monatlich die Sendung "Subtext on Air" auf Radio FRO, ist bei mehreren Kulturinitiativen und in einer Band aktiv.

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