Seit 11. Dezember 2011 ist Österreich um eines reicher: Die Schienen der Westbahn muss sich die ÖBB nun zum ersten Mal in ihrer Geschichte teilen. Der gleichnamige Mitbewerber WESTbahn Gmbh hat seinen Schienenbetrieb aufgenommen und überrascht mit vielem. Auch mit aktuell unnötigen Diskussionen.

Jetzt gerade sitze ich zum ersten Mal in einem dieser futuristisch aussehenden Dinge. In einer zarten Mischung aus weiß, blau und grün habe ich sie schon in den vergangenen Tagen und Wochen quer übers Land verteilt betrachten können. Und, um es kurz zu sagen: Ich bin begeistert. Und ich liebe es, mich begeistern zu lassen. Gerade eben bin ich durch einen Tunnel gefahren und konnte dabei ohne Probleme Facebook neu laden und Twitter checken … WESTlan sei Dank. Bisher war ebensolches in Zügen der ÖBB unmöglich, da selbst Internetsticks-Verbindungen regelmäßig von brutalen Funklöchern unterbrochen wurden. Für einen Menschen wie mich, der mal arbeiten, mal einfach nur surfen und sich die Zeit vertreiben will, ist das WESTlan ein Traum.

Dann kämen wir zu der Ausstattung des Zuges: Die Sitze sind alle mit Leder überzogen und verrückbar (und so z.B. auch für sehr, sehr dicke Menschen nutzbar), die Klapptischen ausreichend groß und jeder 2er-Sitz wurde mit 2 Steckdosen in guter Lage (unter der Mittellehne) belohnt. Zudem gibt es Getränkeautomaten und auch Speisen im Zug. Und dann noch die Stewards: die sind so freundlich, dass man kaum glauben kann, in einem Zug zu sitzen. Viel mehr erinnern sie an die ewig lächelnden, stark burnout-gefährdeten Menschen, die einem einen Flug versüßen. Hach, wo soll ich nur hin mit meiner Euphorie!

Tickets können übrigens entweder online oder (ohne Probleme oder Aufpreis) im Zug gekauft werden. Preislich haben sie sich am Niveau eines ÖBB Tickets zweiter Klasse mit Vorteilscard eingependelt, für die WESTbahn also eindeutig keine leichte Aufgabe, der subventionierten ÖBB Paroli zu bieten. Zugegeben: Ich bin auch mit der ÖBB gerne Zug gefahren … Verspätungen haben mir zum Teil die Möglichkeit gegeben, noch etwas zu lesen oder ein paar Minütchen zu schlafen. Aber die Zugbegleiter kamen mir sehr oft viel mehr vor wie die Kontrolleure der Linz AG. Nichts für ungut, aber von nun an erwarte ich mir immer und überall einen solchen Service wie hier in der WESTbahn.

Gibt es ein „Aber…“? Natürlich. Das muss es doch immer geben. Ich habe zwar bisher noch nichts gefunden, was mir ein Dorn im Auge sein könnte, aber zumindest an der PR sollten sie noch schrauben. Denn so groß die Erwartungen für die potentiellen Bahnfahrer auch waren, eine Meldung, dass die WESTbahn gegen die Billigtickets der ÖBB klagen will, erzeugt nicht die beste Meinung vom Unternehmen. Wahrscheinlich hat die WESTbahn damit vollkommen recht, doch es wäre definitiv nicht schlecht gewesen, mit der Klagsankündigung und einem Preiskrieg, der die Preise in die Höhe wachsen lassen soll, noch etwas zu warten.

Also, liebe Menschen! Fährt wieder Bahn. Egal mit welcher. Ich zumindest würde nun gerne öfter mit der WESTbahn zwischen St. Pölten, Linz und Wien hin und her pendeln. Wäre da nur nicht die ÖBB-Österreich-Card, die noch bis März 2012 gültig ist. Hmpf.

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29 Jahre alt - Literarischer Blogger (Neon|Wilderness), Autor ("Volle Distanz. Näher zu dir"), Medienblogger (dominikleitner.com), Printschreiber (MFG Magazin), freier Journalist (u.a. BZ), CD-Kritiker (subtext.at) und Detektiv (365guteDinge)

6 comments

  • Die ÖSTERREICHcard kann jederzeit auch vorzeitig unter Einhaltung einer einmonatigen Frist gekündigt werden. Preis wird anteilsmäßig rückerstattet. Viel Spaß auf der Westbahn!

  • Die Schienen teilen sich die ÖBB schon seit vielen Jahren mit anderen Unternehmen. Mit öffentlichen Unternehmen wie der mittlerweile eingestellten Haager Lies (Neukirchen–Lambach), Graz-Köflacherbahn (Graz Hbf). Aber diese Unternehmen fahren nicht als Konkurrenten sondern als Partner der ÖBB. Und teilweise fahren auch ÖBB-Züge auf fremder Infrastruktur, etwa bei der Raaberbahn. Und seit etwa 10 Jahren gibt es auf ÖBB-Gleisen auch Konkurrenten im Güterverkehr (TX, Logserv, RTS, LTE…).
    Neu ist also nur, dass es auch im Personenverkehr Konkurrenz gibt. Wenn dadurch aber jetzt tatsächlich die Preise teurer werden sollen, dann können wir darauf verzichten.
    Übrigens gab es billige Fahrkarten auch schon zu Wehingers ÖBB-Zeit und auch früher. Beispiel: 11€-Tickets, Sommertickets, Seniorentickets, oder Rabbitcard (das ist schon viele Jahre her)…

    Die 15€-Tickets sind sowieso mittlerweile ausverkauft.

    • Das meinte ich ja: Im Personenverkehr auf der Westbahn muss man jetzt das Teilen lernen. Ob die Preise nun höher werden, steht ja immer noch in den Sternen. Für die Westbahn selbst wäre es kein gutes Bild, wenn sie als grandioser Neueinstieg für eine Verteuerung des Bahnfahrens in Österreich führen würde.

      Aber weil du das Sommerticket erwähnst: http://www.ag-sbg.at/news/1-aktuelle-nachrichten/189-obb-sommerticket-2010-zum-rekordpreis Die Preissteigerungen in den letzten Jahren waren ganz einfach eine riesig große Frechheit. Und gekauft wurde es trotzdem, weil es immer noch eine unverschämt gute Lösung für Sommer-Kurztrips war.

      Mal sehen, wie es weitergeht. Ich bin (wie immer) naiv optimistisch, dass eh alles super sein wird in naher und ferner Zukunft. ;)

      • Das Sommerticket kostete zuletzt immer noch nur etwa einen Euro pro Ferientag. Praktisch geschenkt. Früher war es halt noch geschenkter als jetzt. Wenn es nach Wehinger und Haselsteiner geht, gibt es sowas in Zukunft aber auch nicht mehr.

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