Karikaturen – Analysieren und Interpretieren

Karikaturen – Analysieren und Interpretieren

Um Karikaturen zu verstehen, erfordert es zu aller erst Hintergrundinformationen zu dem dargestellten Ereignis, der dargestellten Person und vieles mehr. Das können historische, wirtschaftliche, kulturelle oder sonstige Kontexte sein. Interessant ist auch oft der Aspekt, in welchem Medium die Karikatur erschienen ist. Und schließlich gibt es auch noch Unterscheidungen hinsichtlich formaler (Sach- Typen- Individualkarikatur) sowie inhaltlicher Kriterien (Ereignis- Prozess- Zustandskarikatur).

1. Vorgehensweise 

Der erste Schritt ist eine bloße Beschreibung des Bildes, Kleinigkeiten können dabei von Bedeutung sein. Wichtig sind genauso der/die ZeichnerIn (Vergleich mit weiteren Werken, immer wiederkehrende Leitmotive, …) das Erscheinungsdatum – um etwa feststellen zu können, welche Ereignisse zu dieser Zeit stattgefunden haben – und der Erscheinungsort.

Es kann sein, dass Personen und Ereignisse- wie etwa in literarischen Texten genauso- nur verschlüsselt durch Motive dargestellt werden. Hier empfiehlt es sich etwa, Wissen über den Karikaturisten bzw. die Karikaturistin und Symbole einzuholen oder auf allgemein bekanntes Motivwissen zurückzugreifen. Nachdem der Inhalt geklärt wurde, gilt es noch herauszufinden, was der/die KarikaturistIn kritisieren wollte, worauf er/sie den Fokus gelegt hat, was er/sie damit aussagen möchte.

Nun zu dem schwierigeren Teil der Zuordnung einzelner Typen, den man bei der Analyse des Inhaltes vornehmen könnte.

2. Arten formaler Karikatur

Die Unterscheidung erfolgt wie bereits erwähnt in folgende Typen:

Sachkarikatur: Die Aussagen beziehen sich auf bloße Sachen oder Gegenstände, sie sind eher selten.

Typenkarikatur: Die Aussagen handeln von handelnden Einheiten wie etwa dem Staat, Institutionen,… Diese werden häufig auf einen Idealtypus stilisiert und wurden früher vermehrt eingesetzt.

Individualkarikatur: Die Aussagen beziehen sich auf einzelne Personen wie etwa politisch Verantwortliche und sind derzeit besonders oft anzutreffen.

3. Arten inhaltlicher Karikatur 

Ereigniskarikatur: bezieht sich auf ein Ereignis zeitlich begrenzter Aktualität (Wahl, Rede, ..)

Prozesskarikatur: geschichtliche Verläufe, Wandel, Widerspruch Idee und Wirklichkeit etc.

Zustandskarikatur: Ordnungen wie Herrschaft, Wirtschaft, Gesellschaft, …

Die Grenzen sind dabei fließend, viele Karikaturen können mehreren Arten zugerechnet werden.

Um das Ganze nun etwas anschaulicher zu machen, habe ich als Beispiel eine Karikatur vom Österreicher Manfred Deix gewählt, welche 2009 in der Zeitschrift „News“ erschienen ist.

Beschreibung: Das Bild zeigt Manfred Deix selbst, wie er von Priestern misshandelt wird. Im Text weist er auf die Verletzung religiöser Gefühle von Katholiken sowie auf die der Moslems hin. „In Wort oder Bild“ kann dabei auf Fotografien, Filme, Zeichnungen, literarische Texte… gerichtet sein. Die Sprache ist dabei als eher derb einzuordnen, was für die Lächerlichkeit der Thematik oder Spott stehen könnte. Ein begonnenes „Vater-unser“, ein erhobener Zeigefinger als Mahnung, eine Axt, die spirituell Macht, Bezwingung von Opfern und rücksichtslose Absichten etwa repräsentiert.

Der Hintergrund: Deix fällt selbst wegen anstößiger Bilder auf, überschreitet Tabugrenzen und wurde bereits von Haider und wegen Blasphemie angeklagt. Viele seiner Karikaturen enthalten kirchenkritische Inhalte.

Nicht erst seit heuer sind Diskussionen um die Verletzung des Christentums im Gange. Der Islam würde härter durchgreifen, wenn jemand in Filmen oder sonst wo „Lästerung“ betreibt. Dabei ist die rechtliche Situation aber auch eine andere (Fluchen mit religiösen Inhalten, Verhöhnung religiöser Symbole,… bereits strafbar im Gegensatz zu westlichen Staaten). Betroffen sind neben Deix auch Haderer, sowie aktuell die Mohammed- Karikaturen.

Interpretation: Ich würde die Karikatur als abschreckendes Beispiel und Kirchenkritik interpretieren, dass wir vielleicht froh sein sollten, dass die Situation in Österreich eine andere ist oder „Gotteslästerung“ vielleicht auch eine Form der Meinungsfreiheit ist. Ansonsten würde ich die Zeichnung der Typenkarikatur zuordnen wegen der Institution Kirche als handelnde Einheit.

 

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Katharina ist Sozialwissenschaftlerin und Redakteurin. Sie beschäftigt sich vor allem mit gesellschaftlichen (z.B. frauenpolitischen) und kulturellen (z.B. Film, Theater, Literatur) Themen. Zum Ausgleich schreibt sie in ihrer Freizeit gerne literarische Texte: https://wortfetzereien.wordpress.com/

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