NHL 21: The same procedure as every year?

Alle Jahre wieder – kommt die neueste Version der EA’schen Sportsimulationen auf den Markt. Für Eishockeyfanatiker unverzichtbar mangels tauglicher Alternativen: die NHL-Version. Die 2021er-Version verbindet bekannte Stärken und Schwächen, erfindet das Genre wie erwartet nicht neu, wird aber für Fans weiterhin die einzige Alternative bleiben.

Bandencheks, Dekes, Wrister über die Stockhand ins Kreuzeck, Checks, dass die Knochen am nächsten Tag immer noch weh tun – Eishockeyfans kennen das zur Genüge, haben es über die Jahre zu schätzen gelernt, und vermissen Live-Hockey derzeit wie noch nie zuvor in ihrem Leben. Bis dahin muss man wieder vor der Spielkonsole Platz nehmen, und wird auch mit dem 2021-er-NHL von EA glücklich werden.

 

NHL 21

Publisher: Electronic Arts
Entwickler: Electronic Arts
Plattformen: PS4, XBOX ONE, PC
Testplattform: XBOX ONE
Metacritic-Score: 72
Preis: 69,69

Taktik ist wieder gefragt (zumindest ein bisschen)

Gleich zu Beginn bemerken wir: es wird zumindest ein bisschen mehr auf Taktik und weniger auf einzelne Skills wert gelegt. Natürlich ist es immer noch manchmal (zu) einfach, mit Connor McDavid an den gegnerischen Verteidigern vorbeizuskaten, mit Patrice Bergeron einen Saucer Pass direkt auf das Blatt des Mitspielers zu bekommen oder mit Alex Ovechkin den One-Timer im Kreuzeck zu versenken. Aber taktisches Spielen wird hier belohnt, die KI funktioniert zumindest auf den höheren Stufen so, wie man es auch zumindest positionstechnisch in echten Hockey-Partien erwarten würde. Vor allem im Powerplay machen sich Postion Plays (erstmals) stärker bemerkbar als im Vorgänger. Thumbs up dafür, EA! Vor allem dafür, dass auch der 70er-Backup-Bankerlwärmer-Goalie nicht reihenweise die größten Möglichkeiten zunichte macht und auch ein Puck manchmal durchs Fivehole – das Pendent zum österreichischen „Gurkerl“ – rutscht.

Funfact am Rande: Stickhandling geht ebenfalls deutlich besser zur Hand, und verschiedene Moves inklusive Hinter-dem-Tor-Hochheben-und-Versenken (Ex-Black Wings Linz-Stürmer Rob Hisey hats vor mehr als einem Jahrzehnt vorgemacht) funktionieren einfacher und intuitiver als in den steuerungstechnisch manchmal holprigen Vorgängern. 

Das eigentliche Highlight: der Be-a-Pro-Modus

In den Vorgängern noch eher stiefmütterlich behandelt, ist der Be-A-Pro-Modus, der nun deutlich mehr Spaß verspricht. Der wirkt nun deutlich realistischer – etwa wenn man vom Trainer getadelt wird, wenn man mal das dritte 1-on-0-Break dilettantisch versemmelt hat. Auch die Art und Weise, wie man sich Quasi-Offi-Ice verhält, nimmt Einfluss auf das Geschehen, etwa bei der Vergabe von Kapitätsämtern oder dergleichen. Schade, dass aber realistisch nur Marktwert und Verhandlungen mit anderen Teams wirklich davon beeinflusst werden – hier könnte man noch deutlich nachbessern. Aber immerhin: sinnvolle Möglichkeiten, im Spiel verdientes Geld auszugeben, war in NHL anders als bei anderen EA-Simulationen bislang vergeblich gesucht. Es wurde also endlich aufgeschlossen.  Daneben Gott sei Dank weiterhin vorhanden: der lustige Three-on-Three-Modus sowie bekannte Standard-Modi, bei denen wenig verändert wurde.

Alles wie immer: der HUT-Modus

Der beliebteste Modus im NHL-Universum wird aber weiterhin der Ultimate-Team-Modus sein, samt bekannten Stärken und Schwächen. Neu hier: der HUT-Rush-Modus, der Challenges (etwa eine bestimmte Anzahl Tore, Dekes oder dergleichen) in den HUT-Modus bringt. Hier kann man Coins verdienen, die man in bekannter Art und Weise in sein Team und seine Spieler investieren kann. Sehr arcadelastig zwar, aber immerhin der ambitionierte Versuch, etwas Abwechslung in den staubigen HUT-Modus zu bringen. Der krankt genauso wie der Fifa-FUT-Modus an dem, was Kollege Wörister bereits in seinem Test zum neuen Fifa 21 bemängelt hat: dem Spagat zwischen gutem Spiel und Quasi-Chancenlosigkeit gegen mit Pay2Win-Packs aufgemotzten Teams, die gespickt mit Stars bis in die vierte Reihe auch für gute und geübte Spieler schnell frustrierend werden. Der Beliebtheit wirds keinen Abbruch tun, den Umsätzen des Publishers auch nicht. Ob man das gutheißt oder nicht, wurde eh schon tausendfach und mehr durch die Welt diskutiert.

Fazit: für Fans ein Muss

NHL21 ist auch weiterhin das Maß aller Spiele-Dinge für Eishockeyfans. Die KI funktioniert etwas besser als in den Vorgängern, das Toreschießen wurde etwas realistischer, Taktik ist nicht mehr komplett überbewertet, und der Be-A-Pro-Modus als am stärksten überarbeitetes Element wäre alleine schon ein Kaufargument. Alte Schwächen wurden zwar nicht komplett ausgemerzt, aber zumindest, so scheint es, mal wahrgenommen. Wir hoffen auf NHL 2022 als „next big thing“, gerade angesichts neuer Konsolengenerationen. Bis dahin haben wir aber Spaß an NHL 21, und schaffen etwas, was real wohl nie passieren wird: mit den Buffalo Sabres den Stanley Cup zu gewinnen!

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geschrieben von

Musik-Nerd mit Faible für Post-Ehalles. Vinyl-Sammler. Konzertfotograf mit Leidenschaft, gerne auch analog. Biertrinker. Eishockeyfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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