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Seids ihr alle ausgeschlafen?

Seids ihr alle ausgeschlafen?

 

Die Youki-Version der Kasperl-Frage eröffnete heute den dritten und letzten Screening-Tag des Jugendmedienfestivals. Schade, dass viele der Anwesenden die Frage mit einem eindeutigen „Nein!“ zu beantworten hatten – denn filmisch gesehen hatten es die Blöcke drei und vier des Festival-Programms durchaus in sich.

CECI N’EST PAS UNE MOUCHE
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Endlich, ein 3D Animationsfilm – wurde auch höchste Zeit! Die Story: Mann jagt mit Ölschinken eine gemalte Fliege im Museum und findet dabei ein böses Ende. Das Fazit: innovativ gestalteter 3D Charakter, hervorragend animiert, kurz und lustig in Szene gesetzt. Ein schönes Häppchen für Zwischendurch.

HIGHWAY TO HEAVEN
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Eine Dokumentation über alte Autos und alte Auto-Freaks, Erzählungen eines abgehalfterten Asphalt-Rowdies wechseln sich mit Aufnahmen von Oldtimer-Treffen. Auf handwerklicher Ebene gibt es an dem Werk nichts auszusetzen, inhaltlich überwiegt Monotonie auf durchgehend hohem Niveau. Wären die Untertitel auch noch in einer Art und Weise gestaltet worden, die auch das Lesen vor hellen Bildschirminhalten erlaubt hätte – das Prädikat „sehenswert“ wäre wohl angebracht.

WWOOFING
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Stille und klare Bilder eines dezent ramponierten Gewächshauses mitten im Nirgendwo, unbarmherziger Wind bringt die weißen Plastik-Planen zum Quietschen dass es eine Freude ist. Ohne Kommentar, Musik und auch nur den Ansatz eines gesprochenen Wortes dokumentiert „WWOOFING“ das Leben eines Feldarbeiters, die ruhigen Bilder bestechen durch ihre Ausdruckskraft. Fazit: tolle Dokumentation im Stile des Direct Cinema, ein einmaliges Stimmungsbild.

TE VAS A LASTIMAR
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Wehende Wolken vor grauem Himmel, starker Wind sorgt für charakteristisches Pfeifen, Nadjas Haare werden zum Raub der Böen – eine Idylle abseits von Palmenstrand und Blumenwiese. Plötzlich ein harter Schnitt: die junge Frau liegt im Bett eines Krankenhauses, ihr Rücken blutet.

Nadja wachsen Flügel. Anstatt das Wunder als solches anzuerkennen unterhält sich eine Tross von Ärzten darüber, wie der jungen Frau die Federn am besten zu stutzen seien. Während die Ärzteschaft das Besteck für die Operation vorbereitet, versucht Nadja, aus dem Krankenhaus zu entfliehen, stellt sich sogar auf ein Fenster und droht zu springen. Die letzte Aufnahme zeigt Nadja wieder in den Fängen eines Krankenbetts.

Fazit: „TE VAS A LASTIMAR“ ist eine der wenigen Produktionen, die schon im Vorspann mit den Logos einiger Produktionsfirmen protzen konnten – und das zurecht. Der Film ist eine technisch und inhaltich hervorragend umgesetzte Parabel auf unsere, sich und ihre Mitglieder oftmals selbst in den Möglichkeiten beschneidende Gesellschaft.

MOTION
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Ein springender Ball, Karotte schneidende Finger, ein tropfender Wasserhahn und ein sich drehender Kreisel. In schönen Close Ups, gut ausgeleuchtet und alle Register der Tiefenschärfe ziehend, führt „MOTION“ seinem Publikum die Magie der kleinen Abläufe vor Augen. Für Lachen beim Publikum sorgt die leicht versetzte Tonspur, welche vor allem beim Hämmern für unfreiwillige Komik sorgte.

AEROSOL
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Nachdem ein klassischer Spraydosen-Ausflug zu den jungfräulichen Wänden einer Großtstadt aus dem Ruder gerät, lehnt sich der Protagonist von Aerosol gegen seinen verantwortungslosen Sprayer-Freund auf. Ihm liegt nur das Sprayen am Herz, Gewalt und Diebstahl scheinen nicht sein Ding zu sein.

Fazit: simpel gestricktes Urban-Ghetto-Kid-Movie, welches sich stilistisch eng an die Grenzen des Genres hält. Gut produziert, Musik, Dramaturgie und Darsteller wissen beinahe ohne Abstriche zu überzeugen.

ZOOT WOMAN – MEMORY
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Erfolgsgeschichte, Youtube-Style: was dabei rauskommen kann, wenn eine bekannte Band einer Handvoll Studenten, die sie über Youtube entdeckt haben, vollkommenen künstlerischen Freiraum zugesteht, zeigt Memorys: sechs Monate Studien-Pause, 2000 handgezeichnete Frames und tosender Applaus von Seiten des Publikums.

Im subjektiven Stil der Marke „Smack my Bitch up“ zieht ein einsamer Jüngling mit einer Box voller Erinnerungen durch Wien und schwelgt in Form von animierten Polaroids in Erinnerungen an eine offensichtlich zu Bruch gegangene Beziehung. Fazit: Ein wahre Augenfreude und eines der filmischen Highlights der Youki 11!

Links & Webtips:

Foto: System Jaquelinde

Viel Glück und gute Projektion!

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen – bzw. füllte sich der Saal des alten Schl8hof Wels am zweiten Screeningtag der Youki 11. Das Moderatorinnen-Team stellte sich als „neue Zusammenmischung“ vor und versprach, den Zeitplan heute auch tatsächlich einzuhalten. Block fünf und sechs des Wettbewerbprogramms im Rückblick.

Nach dem obligatorischen Bionade-Spot (Wann schmeckt eine Cola am besten? Wenn man sie kurz vor dem öffnen mit Bionade ersetzt) und der 325ten Wiederholung des Youki 11 Trailers [Link], starteten die ersten Meisterwerke junger Filmkunst. An dieser Stelle wieder eine Filmauswahl, wie sie ein Zufallsgenerator besser nicht hätte machen können – selbstverständlich inklusive Geheimtip.

With bare Hands

3 Punkte

Was ergeben dadaistische Tanzszenen gemixt mit einem ordentlichen Löffel Überblendungseffekten, einer markante Farbgestaltung und ein Spannungsbogen, bei dem Logik nur die zweite Geige spielt? Richtig – einen klassischen David Lynch. Leider schafft es „With bare Hands“ in keinem Augenblick, sich vom großen Vorbild abzuheben und eigene Akzente zu setzen. Muss der Film allerdings auch nicht: die Mischung gefällt auch so, nicht zuletzt aufgrund des stimmungsvollen Musikuntermalung. Nur eine lichtstarke Kamera wäre bitter notwendig gewesen.

Für ein ein unfreiwilliges Highlight sorgte eine der Moderatorinnen beim Filmgespräch nach dem Screening: „Du hast für den Film einen ganzen Raum leergeräumt – wie hast du das geschafft?“

Wenn ein Engel dich liebt

2 Punkte

Ein Rapper, der in die Kamera gestikulierend eine Graffiti Wand abläuft und dabei mit einer Aussprache wie ein Presslufthammer Wörter aus seinem Mund purzeln lässt – wie originell. Nimmt man die klassischen Rap Klischees (inklusive der Bevormundung der im Film vorkommenden Frau) allerdings als gegeben, sieht man sich einer durchaus gelungenen Produktion gegenüber, die zumindest auf der technischen Ebene teilweise zu überzeugen weiß.

Rather infamous than unkown

3 Punkte

Der Bogen als plattes Symbol für Zielstrebigkeit oder ein subtiler Hinweis auf die drohende Gefahr eines Amoklaufs? Die neue Jacke als eine Metapher für die Wandlungsfähigkeit des Protagonisten oder die bloße Manifestation der unreflektierten Annahme, die Rezeptoren des weiblichen Gehirns würde bei dem Geruch von Markenkleidung Silvester feiern. So oder so – „Rather infamous than unkown“ ist durch und durch die Kopie eines klassischen Hollywood-Highschooldrams, welches sich nur durch die Einführung einer imaginären Robin-Hood Figur selbst wenige Zentimeter aus dem Einheitsbrei der Teenie-Filme emporzuheben vermag. Gute Darsteller.

Railrunner

4 Punkte

Man nehme: ein Zugabteil ohne nervende Zaungäste, eine Handykamera, deren Auflösung noch aus dem letzten Jahrtausend stammt und die Soundtracks von Klassikern des Hollywood Kinos wie „Mission Impossible“ oder „Superman“. Die Idee: durch eine geschickte Wahl des Kamerawinkels erzeugt „Railrunner“ die Illusion, eine vor die Kamera gehaltene Hand würde auf den neben dem Zug führenden Schienen laufen. Das Fazit: einer der originellsten Filme dieses Festivals – und eine potentielle Trendsportart.

Story

4 Punkte

Die überzeugende Stimme des Hauptdarstellers spricht in der Manier klassischer Detektivgeschichten der Film noir Zeit aus dem Off über die Bilder und philosophiert über Liebe, Anfänge und Enden. Dazwischen Schießereien in einem an „Kill Bill“ angelehnten Comicstil und irgendwo gegen Ende sogar noch ein netter Twist in der Handlung. Dieser Film gibt sich erst gar nicht der Versuchung hin, sich über seine Vorbilder zu erheben, sondern erfüllt die Stereotypen bzw. Anforderungen des Genres auf den Punkt. Im konkreten Fall: gut so!

The Message

2 Punkte

Inhalt: Krebspatient erfährt durch ein Gespräch mit seinem Unterbewusstein in einem wüstenähnlichen Areal von seinem Zustand. Umsetzung: Pseudophilosophisches Gebrabbel zweier Protagonisten, die versuchen, dem Gespräch durch die Wahl der verwendeten Sprache (Englisch) Relevanz zu verleihen. Fazit: bemüht. Kürzer und technisch besser umgesetzt möglicherweise sogar wirklich sehenswert.

L’apetit

4 Punkte

„Viele Menschen haben den Spaß am Leben verloren, da sie die kleinen Dinge übergehen – ich nicht. Ich liebe den Geruch von Kaffee, das Geräusch von lachender Kinder, …“. „l’apetit“ beginnt wie die „fabelhafte Welt der Amelie“, selbst der Soundtrack erinnert frappierend an den französischen Film. Wer allerdings nach einem Satz wie „Am liebsten mag ich diese einsamen Männer – sie schmecken vorzüglich“ noch immer der Versuchung erliegt, diesen Film in ein Blumenkistchen zu stecken, hat sich sprichtwörtlich geschnitten. Ein hervorragender Film, kurz und knackig – nur technisch leider nicht perfekt.

The way out

5 Punkte

Ein laufender Mann auf einem Feldweg. An seinen Fersen kleben nur wenige Meter hinter ihm die betrogene Ehefrau, ein Kredithai und ein beträchtlicher Tross weiterer Personen, denen er offensichtlich auf die Zehen getreten zu sein scheint. Die gottgleiche Stimme aus dem Off stellt ihn vor die Wahl: „Du hast 3 Möglichkeiten: entweder du versuchst, all deine Probleme ins reine zu bringen, du tauchst ab, oder du rennst dein ganzes Leben lang weiter. Du entscheidest!“. Fazit: ein toll in Szene gesetzter Kurzfilm auf Basis einer originellen Idee mit einem unerwarteten Ende. Nicht kurz und gut sondern kurz und klasse – der heutige Geheimtip!

Randbemerkung

Viele der Filme versuchen leider gar nicht mehr, auf der inhaltlichen Ebene durch Innovation und Originalität zu überzeugen sondern üben sich lediglich darin, bekannte Film bzw. deren Stile auf einer beinahe rein technishen Ebene zu kopieren. Frische Akzente: Fehlanzeige. Eigentlich schade drum.

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