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House of Riddim: „Du wirst schon schief angeschaut!“

House of Riddim: „Du wirst schon schief angeschaut!“

 

House of Riddim ist die bekannteste Reggae-Backing-Band Österreichs. subtext.at durfte mit Gitarrist Herb Pirker ein lockeres Gespräch über arrogante Jamaikaner und unhörbare MP3-Files führen.subtext.at: House of Riddim ist die wohl bekannteste Reggae-Backing-Band im deutschsprachigen Raum. Von Gentleman über Jan Delay bis Fantan Mojah habt ihr so ziemlich alles, was Reggae an Genregrößen zu bieten hat, bereits auf der Bühne gehabt. Gibt es noch einen Artist, mit dem du unbedingt einmal noch eine Show spielen möchtest?
Herb Pirker: Nun ja, Eek-a-Mouse wär in der Tat noch was feines. Daneben gibt es aber noch einen Haufen anderer guter Artits, dass ich mir schwer tue, das auf einige wenige Namen herunterzubrechen.

subtext.at: Stimmt es, dass einige Artists es nicht glauben können, dass ihr weiß seid?
Herb Pirker: Ja das stimmt wirklich. Manchmal wird den Artists auch noch dazugesagt, ob sie eh wissen, dass die Backing-Band weiß ist. Von Zeit zu Zeit wirst du dann auch noch mal komisch angeschaut. Mit Fantan Mojah zum Beispiel war das auch so. Der hat gesagt „Spielt einfach mal!“, und nach ein paar Takten hat er dann gemeint: „Good Band!“.

subtext.at: Wird man als weiße Band, gerade von jamaikanischen Artists, anders beurteilt als andere Backing-Bands?
Herb Pirker: Nein, das Gefühl habe ich nicht. Man muss sich aber schon beweisen – wenn du gut spielst, dann wirst du auch akzeptiert werden. Das ist schon mehr eine Qualitätsfrage.

subtext.at: Jamaikanischen Artists wird oft nachgesagt, mitunter sehr arrogant zu sein. Stimmt das?
Herb Pirker: Ist unterschiedlich. Natürlich hast du auch die Artist-Zicken dabei, die die Band nicht einmal anschauen. Andererseits hast du natürlich auch total nette Artists dabei, wie Lt. Stitchie und Fantan Mojah zum Beispiel. Manche wirken zwar nach außen so, sind aber in Wirklichkeit ganz umgänglich. Außer der Veranstalter macht nicht das, was sie wollen – dann kanns Probleme geben, um es vornehm auszudrücken (lacht).

subtext.at: Euer neuestes Machwerk ist der „Hot“-Riddim. Der klingt so ganz anders als das, was man von House of Riddim ansonsten gewöhnt ist. Wolltet ihr einfach nur wieder mal einen Party-Tune machen? Oder steckt da mehr dahinter?
Herb Pirker: So weit ich weiß, ging das vom Sam aus. Lt. Stitchie war da gerade im Studio und hat sich die Tunes durchgehört, und diesen Riddim hat er aufgegriffen und gesagt „Der ist es!“. Das war dann ein alter, fast schon verstaubter Riddim und er hat gesagt, dass er den unbedingt machen will – und das war dann der „Hot“-Riddim.

subtext.at: Seit dem Jahr 2004 gibt es auch das House-of-Riddim-Festival in St.Pölten. Was war für die Veranstaltung eines Festivals ausschlaggebend?
Herb Pirker: Also das Festival selber machen nicht wir. Mittlerweile ist es aber so, dass Sam die meisten Künstler für das Festival checkt und wir dort dann als Backing-Band spielen.

subtext.at: Sam Gilly hat in einem Interview mit dem deutschen Magazin „Riddim“ gesagt, dass ihr sehr oft Zusendungen jamaikanischer Artists bekommt, die qualitativ minderwertig sind. Haben jamaikanische „Möchtegern-Artists“ keinen Anspruch an Qualität mehr?
Herb Pirker: Naja, man weiß ja nie, welches Equipment die gerade im Recording-Bereich da drüben haben. Das fällt dann schon auf, wenn ein MP3 dann nicht passt. Und natürlich kommen dann MP3s herein, wo wir sagen, das können wir nicht hören, weil es so leise ist oder der Sound so verwaschen klingt.

subtext.at: Wie viel Prozent der Files, die ihr zugeschickt bekommt, würdest du in diese Kategorie einstufen?
Herb Pirker: So viele sind es dann auch wieder nicht. Ich würde sagen so in etwa 10-20 % werden es sein. Vielleicht kriege ich es auch nicht so mit, weil Sam die Riddims zuerst hört und uns dann einen Teil gleich wieder zurückschickt.

subtext.at: Ganz persönlich: Was spielst du live lieber? Roots oder Dancehall?
Herb Pirker: Schwer zu beantworten. Das sind für mich beides verschiedene Richtungen, die beide viel Spaß machen. Aber Gitarren stehen halt bei Dancehall nicht so im Vordergrund, aber es ist halt Party. Das hält sich bei mir somit in etwa die Waage.

subtext.at: Aktuelle Dancehall-Produktionen sind sehr oft elektronisch beeinflusst oder könnten genauso in Hip-Hop-Clubs gespielt werden. Was sind deine Gedanken, wenn du so eine Produktion zu hören bekommst?
Herb Pirker: Wenn er cool ist, dann passt das schon (lacht). Also wenn der Tune groovt – dann ist das schon in Ordnung. Wenn dir die Musik gefällt, spielen solche Einflüsse keine negative Rolle.

Links und Webtips:
www.houseofriddim.com
www.myspace.com/houseofriddim

Foto: House of Riddim, Christoph Thorwartl

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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