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MARILYN MANSON: „Künstler sind wie Serienmörder, sie gehen äußerst penibel vor“

MARILYN MANSON: „Künstler sind wie Serienmörder, sie gehen äußerst penibel vor“

Anlässlich der Ausstellung „Genealogies of Pain“, die Bilder von Marilyn Manson und frühere Kurzfilme von David Lynch der breiten Öffentlichkeit in Wien vorstellt, war subtext.at bei der Eröffnung der Werkschau dabei, um sich höchstpersönlich ein Bild von Marilyn Manson zu machen.
Mit Alben wie „Antichrist Superstar“, „Holy Wood“ oder „Mechanical Animals“ schrieb Brian Hugh Warner Musikgeschichte. Es gab kaum jemanden, den er nicht gegen sich aufbrachte. Seit geraumer Zeit hat der ehemalige Schockrocker und Meister von inszenierter Aufregung und geschickter Selbststilisierung, inzwischen der Skandale müde geworden, ein neues Terrain für ihn entdeckt: Die Malerei.

Wo seine Musik und seine Videos mit ihrer harschen Ästhetik so manchen vor den Kopf stoßen, zeichnen sich seine Bilder durch eine verletzliche Seite aus. Zentraler Fokus: Körper und Körperlichkeit als reflexiv künstlerisches Thema. Pastellartige Farben, verwischte Kontraste und entstellte Leiber – auch bei seinen Kunstwerken verzichtet der 41-jährige nicht auf gezeigte Grausamkeiten, Schockeffekte und Provokationen. Nackte Figuren, die deformiert sind und mit pornographischem Anreiz dargestellt, gibt es en masse.
Zum Glück gibt es mehr auf dieser Ebene zu entdecken. Seine Bilder spielen zudem mit Größenverhältnissen, mit den Perspektiven und mit Metamorphosen. Und doch auf paranoide Art verdichtet und logisch arrangiert, so dass man merkt: Es ist stimmig. Rund zwanzig Werke sind ausgestellt, darunter Bilder wie das bekannte „Trismegistus“ und drei gänzlich neue Werke, die vor allem die Liebe thematisieren (natürlich auf eine ganz andere Weise als die übliche).

„Wenn du ein Bild betrachtest, dann magst du es oder nicht. Mit der Musik ist es etwas anderes.“ (Marilyn Manson)

Manson erzählt beim Pressegespräch zuerst von David Lynch, ihrer ersten Begegnung und wie es war, in seinem Film „Lost Highway“ mitzuwirken. „Ich möchte, dass du dieses Mädchen fickst – aber erschreck sie nicht!“, soll Lynch zu ihm gesagt haben. Sie hätten die gleiche Art von Humor, beteuert Manson.

subtext.at: Suchst du als Maler und Künstler etwas, was du innerhalb deiner Arbeit als Musiker nicht finden kannst?
Marilyn Manson: Nun, ich habe mich schon immer dem Expressionismus nahe gefühlt. Ich versuche Dinge so zu malen, wie ich sie mir erträume. Das heißt aber nicht, dass ich meine Träume male, so simpel ist es dann doch nicht. Ich male Aquarelle und benutze Wasserfarben, weil sie sehr träumerisch, fließend und weich aussehen – so, wie unsere Träume oft auch sind. Die Bilder sind offen für viele Betrachtungsweisen.
Ich versuche Dinge zu malen, die mich inspirieren. Die schlimmsten Momente für mich sind, wenn ich mich nicht vollkommen ausdrücken kann, was auch vorkommt. Trotzdem bin ich in einer glücklichen Lage, weil ich dieses Medium neben der Musik für mich nutzen kann. Ich erwarte aber nicht, dass die Leute, die sich meine Bilder ansehen, auch meine Musik hören oder mögen. Für mich sind das zwei separate Dinge, und ich erwarte nicht, dass sich die Leute näher mit mir beschäftigen.
Auf jeden Fall will ich für die Zukunft und für mein kommendes Album Dinge anwenden, die ich als Maler gelernt habe, was Sinn ergibt. Wenn ich male, dann sage ich generell, was ich über gewisse Leute denke. In meinen Songs mache ich das nicht. Das ist schon sehr unterschiedlich für mich.

subtext.at: Was sagen deine Werke über unsere soziale Realität aus?
Marilyn Manson: Wenn du etwas malen willst, was der Realität entspricht, dann sieht es trotzdem ein Stück weit anders aus. Ein Foto hält hingegen die Realität für einen Moment fest. Mit der Verzerrung von Realität, mit der Verzerrung von Öffentlichkeit und der Verzerrung von mir als Teil einer Popkultur, ist es für mich sehr schwierig, als Maler objektiv zu sein. Seitdem ich meine Karriere begonnen habe, werde ich kritisiert. Das hat unweigerlich dazu beigetragen.
Ich bewundere Maler wie Salvador Dalí, weil Dalí kein gewöhnlicher Künstler war. Er brachte die Idee mit ein, dass die Kunst, die du ausübst, Dinge über dich selbst erzählt, dich definiert und Sachen ans Licht bringt, die du nicht mit Worten ausdrücken kannst. Für mich ist Kunst ein großes Fragezeichen – und die Antwort darauf ist das, was du siehst.

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marilynmansonartworkonline.com
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