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Globalisierung, ja bitte!

Globalisierung, ja bitte!

Wie ich zu gewissen Entwicklungen stehe dürfte der geneigten Leserin und dem geneigten Leser hinlänglich bekannt sein, umso mehr mag diese Überschrift überraschen.
Und doch, ich bin ein Anti-Globalisierungsgegner! Um diesen Widerspruch zu erklären ein kurzer Text zur Globalisierung, gestern, heute und morgen.

Was war Globalisierung?
Anfangs verstand man unter Globalisierung vor allem die Öffnung der Märkte, seien es nun Rohstoffe die zur Verarbeitung um die halbe Welt geflogen werden bevor sie nochmal um die andere Hälfte geschifft werden um schließlich verkauft zu werden. Ebenfalls weitgehend geöffnet wurden die Finanzmärkte, Aktien einer amerikanischen Softwarefirma? Kein Problem, russische Erdölkonzerne? Wie viel darfs sein? Interesse an einer südafrikanischen Goldmine? Deutsche Rüstungskonzerne? Zuckerplantagen in Brasilien?
Man sieht, es gibt kaum noch Grenzen, zumindest für die Mächte des Kapitals.

Was ist Globalisierung?
In den letzten Jahren hat jedoch eine Veränderung begonnen, vor allem der zivilgesellschaftliche Druck auf Regierungen in aller Welt startete ein Umdenken. Plötzlich waren Themen wie die globale Erwärmung auf der Agenda der G8-Treffen. Es wurde auch über die Arbeitsbedingungen gesprochen, unter denen unsere Kleidung und Elektrogeräte in Asien produziert werden. Gesellschaftliche Entwicklungen wurden in aller Welt diskutiert, zuletzt im Sommer 09 der Aufstand im Iran, und nun in weiteren Teilen des arabischen Raumes, oder innereuropäisch die griechische Schuldenkrise.
Geholfen hat es bisher rein gar nichts!

Das alles führt zur entscheidenden Frage:
Was soll Globalisierung sein?

Und genau an dieser Frage scheiden sich die Geister, meiner Meinung nach findet erst hier die wahre Spaltung zwischen Globalisierungsbefürwortern und -gegnern statt. Denn bis daher sind es bestehende Fakten – diese kann man bewerten wie man will, dies alleine wird an den nun gegebenen Umständen nichts ändern. Hier gibt es nun diejenigen, die sich als Globalisierungsgegner bezeichnen und vielmals ein zurückdrehen fordern. Es gibt dann natürlich noch die, die zufrieden sind wie es ist, diejenigen halt, die von dieser Form der Globalisierung profitieren. Aber es gibt auch noch Menschen wie mich, denen die bisherigen Öffnungen noch nicht weit genug gehen.
Noch kurz zu den ersten beiden Gruppen, bevor ich näher darauf eingehe was ich damit meine.

An die Gegner: viele dieser Änderungen werden sich ohne unverhältnismäßige Anstrengungen (wenn überhaupt) nicht rückgängig machen lassen. Manche Aspekte sind gar positiv zu bewerten, egal aus welchem Blickwinkel.

 

An diejenigen, die derzeit profitieren, einige Worte der Warnung: Euer Reichtum entsteht auf dem Rücken der Mehrheit, und diese Mehrheit wird sich nicht in alle Ewigkeit irreführen lassen! Vor allem die Entwicklungen der jüngsten Zeit, insbesondere die Verbreitung des Internets führt dazu dass immer mehr Menschen immer mehr Informationen aus immer mehr Regionen bekommen. Sie hinterfragen Dinge, über die sie sich bisher noch nie den Kopf zerbrochen haben, sie bemerken die Methoden, mit denen ihr sie ausbeutet, sie empören sich an diesen himmelschreienden Ungerechtigkeiten!
Und die Politik? Nun das ist auch ein weltweit beobachtbares Phänomen, es gibt beinahe keinen Staat mehr der nicht vorgibt die Bevölkerung zu schützen während er vor allem den Interessen der Profiteure nachgeht. Doch das würde jetzt zu weit führen!

Globalisierung, ja bitte, aber richtig!!!
Bisher war es vor allem eine Globalisierung der Wirtschaft und des Warenverkehrs, jetzt kommt allmählich noch eine Globalisierung der Ideen und Informationen hinzu, doch auch das wird nicht reichen. Was wir (womöglich dringender als alles andere) brauchen ist eine Globalisierung der Justiz und Politik.

Es darf hier einfach keine Eigenbrötler mehr geben, zu dringend benötigen wir globale Lösungen für die umfassenden Probleme unserer Zeit.
Seien es multinationale Konzerne die ihre Arbeitsplätze dorthin schaffen wo sich die Arbeiter am meisten ausbeuten lassen (aufgrund fehlender oder mangelnder Arbeitnehmerschutzbestimmungen), oder Maßnahmen gegen den Klimawandel die von manchen Staaten nicht umgesetzt werden.

Dies sind Probleme die zumindest Teilweise auf die bisherige Globalisierung zurück zu führen sind, und zurecht viel zur Kritik daran beitragen.
Solange einige Staaten jedoch ihre nationalen Interessen (Arbeitsplatzbeschaffung, Kostenersparnis durch laxeren Umweltschutz) über das Allgemeinwohl stellen, werden wir den Herausforderungen unserer Zeit nichts Wirkungsvolles entgegenzusetzen haben. Und mit dem vorherrschenden kurzfristigen Denken wird es wohl auch nicht gelingen, rechtzeitig auf einen vernünftigen Kurs einzuschwenken da etliche Missstände von der Mehrheit einfach noch nicht wahrgenommen werden.

Langfristig werden wir nicht umhin kommen uns von der Idee eines Nationalstaats zu verabschieden, um möglichen Interessenskonflikten vorzubeugen (und auch die Trennung der Menschen durch mehr oder weniger willkürliche Linien auf Landkarten zu beenden). Des weiteren wird es notwendig sein, ein Gremium zu schaffen (womöglich nach organisatorischem Vorbild der UNO), das weltweit einheitliche und und vor allem vernünftige und notwendige (Mindest-)Standards nicht nur vorgibt, sondern auch von allen Staaten bzw. Regionen verbindlich einfordern kann.

Selbstverständlich darf ein solches Instrument nicht dazu genutzt werden einzelne Individuen in ihrer Handlungsfreiheit zu beschränken sondern einzig und allein um dem Machtungleichgewicht von Individuum und Organisation entgegenzuwirken.

Soweit so gut für diesmal, doch das letzte Wort ist hier noch nicht gesprochen.

Foto: Herder3 // Lizenz  CC-by-sa/3.0

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