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Saint Etienne: „Wir haben die Keyboards auf Bügelbrettern aufgebaut“

Saint Etienne: „Wir haben die Keyboards auf Bügelbrettern aufgebaut“

Saint Etienne gehören zweifellos zu den am längsten tätigen Artists dieser Welt. Ein Wunder also, dass sie erst 2011 ihr erstes Österreich-Konzert spielten. subtext.at hat mit Bob Stanley und Pete Wiggs ein sehr amüsantes Interview geführt.

subtext.at: Ihr seid 2011 zum ersten Mal live hier in Österreich – das bringt mich auf eine einfache Frage: Warum hat das so lange gedauert?
Bob: Uns hat keiner gefragt, ganz einfach. Wir haben mal einen Presse-Trip durch Österreich gemacht, aber das wars dann auch schon.

subtext.at: Das heißt also, dass bis zu diesem Jahr ihr niemanden interessiert zu haben scheint?
Pete: Ja, scheint so (lacht).

subtext.at: In der Konzertankündigung der Show hier steht geschrieben: „Ohne Saint Etienne hätten die ersten erotischen Erfahrungen pubertierender Jugendlicher in den 90er Jahren anders ausgesehen“. Wie anders darf man sich das vorstellen?
Bob: Das ist wundervoll, das muss ich mir merken (lacht laut).
Pete: Wahrscheinlich wie meine ersten erotischen Erfahrungen – die hab ich auf der Bühne gemacht (lacht).
Bob: Stimmt, das war damals ein echt netter Mikrofonständer (lacht).

subtext.at: Und wie war es dann für die anderen?
Pete: Dreckig (lacht).
Bob: Dreckiger als heute auf jeden Fall (lacht).

subtext.at: Wenn ihr an den Anfang der 90er Jahre zurückdenkt – gibt es irgendetwas, das ihr sonst gemacht hättet, oder war Musik einfach das, wo ihr euch damals gedacht habt: „Ja, genau das ist das Richtige“?
Bob: Ich habe damals für ein Magazin geschrieben, und keiner von uns hat damals je gedacht, in einer Band zu spielen. Es hat ja auch keiner von uns ein Instrument gespielt damals – das war auch eher hinderlich. Ich hatte nie Geduld, Gitarre spielen zu lernen. Davon war ich gelangweilt und die Finger waren auch immer blutig (lacht). Ich hätte mich eher als Schreiber denn als Musiker geschrieben.

subtext.at: Also muss man kein Musiker von Anfang an sein, um in eine Band zu kommen?
Bob: Heute noch weniger als früher. Durch die ganze Technologie ist es um einiges einfacher geworden.
Pete: Das stimmt sicher. Damals waren wir aber, wie man so schön sagt, sicher zur richtigen Zeit am richtigen Platz. Wir hätten auch genauso gut verrotten können, anstatt in einer Band zu landen.
Bob: Damals gabs ja auch diesen „D.I.Y.“-Boom in London, wo House-Music auf einmal nicht mehr aus Chicago oder so gekommen ist. Das „Snobbige“ ist damals verschwunden.

subtext.at: Ein anderes Zitat, das mir im Zusammenhang mit Saint Etienne untergekommen ist. Ihr habt mal gesagt, dass „eure Fanbase mit euch gemeinsam gealtert ist“. Wie seht ihr die Mischung aus Jung und Alt bei euch?
Bob: Das ist fast wie „The Picture of Dorian Gray“ (lacht). Wir bleiben jung, der Rest altert.
Pete: Die letzten Jahre haben gezeigt, dass der Altersschnitt relativ ausgeglichen ist. Es ist nett, Junge genauso zu sehen wie Leute in unserem Alter, die hängen geblieben sind. Außerdem finde ich es immer wieder lustig, zu sehen, dass uns Leute hören, die nicht mal geboren waren, als wir angefangen haben.
Bob: Das ist ja genau dasselbe, wie wir Anfang der 90er angefangen haben. Da haben die Leute dann genauso gesagt, dass sie seit 20 Jahren Neil Young oder sowas gehört haben. Was mich freut, ist aber, dass die jungen Leute auch die Bands wie uns hören, die den heutigen Pop auch mit beeinflusst haben. Glücklicherweise für uns.

subtext.at: Man fragt ja oft nach dem Karrierehighlight – was war aber euer beschissenster Moment?
(beide lachen)
Bob: Oh Gott, das wird jetzt eine lange Story (lacht). Da geht’s um ein Charity-Konzert.
Pete: Das in dem Vergnügungspark? Oh mein Gott (lacht)
Bob: Ja, genau das. Da ist alles schief gegangen. Wir sind da in einem Zelt aufgetreten, und vor uns ist da so ein australischer Clown aufgetreten, der reale Instrumente gespielt hat. Die Leute sind dabei völlig ausgezuckt. Als wir auf die Bühne kamen, hat der dann Sarah angesprochen – auf diese peinliche Clown-Art eben. Wir haben dann unseren Einsatz verpasst. Die Musik hat begonnen, und die Leute sind komischerweise fast alle gegangen. Der Clown ist nachher sogar nochmal Backstage gekommen und war auf Streit aus (lacht).

subtext.at: Ein anderes Zitat: „Ihr seid fast allen musikalischen Bewegungen ausgewichen.“ Seid ihr also selbst so etwas wie eine Bewegung?
Pete: Nein, das würde ich nicht sagen. Wir hatten das Glück, dass einige der Bewegungen, denen wir ausgewichen sind und in die wir doch ein bisschen hineinfallen, überlebt haben. Aber nein, wir sind keine Bewegung.

subtext.at: „Only love can break your heart“ – was war der erste Gedanke, als ihr den Song zum ersten Mal gespielt habt?
Bob: Das war ein legendärer Club namens „Rage“ damals, eigentlich. Da bin ich aber auch erst vor Kurzem draufgekommen. Das war damals eher Breakbeat-Clubatmosphäre. Wir haben das damals gespielt, und nachdem der Song nur halb so schnell ist, haben die Leute da halt dann nicht „so“ getanzt, muss ich sagen.
Pete: Wir hatten die Keyboards damals auf Bügelbrettern aufgestellt (lacht). Das war der D.I.Y. – Zugang (lacht).

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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