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Die unzureichende Merkfähigkeit des menschlichen Gehirnes

Die unzureichende Merkfähigkeit des menschlichen Gehirnes

Und es ist schon wieder passiert. Über fehlende ToDo-Listen, virtuelle Post-Its und dem Versuch, die Füllung des Gehirns durch sogenanntes Cloud Thinking so klein wie möglich zu halten.

„Verdammt, Dominik! Sonntag ist doch der Tag der #momentaufnahme! Wie konntest du nur!“, sehe ich mich gerade ohrfeigend vor meinem vor Fantasie nur so strotzenden Auge. Innerlich in Tränen aufgelöst, äußerlich aber noch gewohnt pumperlgsund, musste ich vorhin schmunzeln, als ich ein weiteres Mal bemerkte, dass der Sonntag einfach so vorüberging und ich rein gar nichts davon erfuhr. Und nach der letztwöchig-gelobten Besserung, kann es kommende Woche (in 6 und nicht in 7 Tagen!) nun endlich wirklich besser werden. Denn für was gibt es denn ToDo-Listen?

Ich hasse ToDo-Listen. Zumindest 23 Jahre und ein paar Monate lang konnte ich sie überhaupt nicht ausstehen. Dann habe ich sie einmal wirklich ausprobiert. Und, man glaubt es kaum, die Produktivität steigt. Weil man die Dinge macht, wenn man dazu Zeit hat, und nicht, wenn sie einem viel zu spät einfallen (so wie z.B. Montag statt Sonntag) draufkommt und noch schnell ein Ergebnis liefern kann. Aber ganz ehrlich: so Dinge wie „Mit Freunden treffen“, „In ein Café gehen“ oder „Einschlafen“ wird man nie auf eine meiner unzähligen ToDo-Listen finden. Das passiert. Und wenn ich zu blöd bin, mir dafür genügend Zeit zu nehmen, sollte ich am Besten auch all meine Listen gleich wegschmeißen.

Und Post-Its. Ich hasse Post-Its. Für mich haben sie vor allem als Lesezeichen irgendeine Form der Bedeutung. Nicht als Merkmittel. Meine Welt wäre zugekleistert mit gelben (rosa, blauen und auch grünen), quadratischen Zettelchen. Und weil ich künstlerisch ja nur sehr spärlich bewandert bin, würde es wohl nicht einmal ansatzweise so (oder so ähnlich) aussehen. Aber glücklicherweise gibt es ja auch virtuelle Post-Its. Diese „Sticky Notes“ oder wie sie auch immer heißen, sind wirklich sinnvoll. Erstens brauchst du keinen Kugelschreiber, kannst Fehler wieder ausbessern und du kannst sie auf deinem ganzen Bildschirm verteilen. Ein Problem haben sie aber (und das Problem teilen sie auch mit ihren analogen Freunden): Solange der Dominik nicht hinsieht, ist es nicht existent.

Während des BarCamps und des Vortrages „Machen uns Google und Wiki dumm?“ ist mir eine einfache Antwort eingefallen. Durch Cloud Thinking verlagert man ungefähr 95 Prozent seines Gehirns auf Serverfarmen in die Vereinigten Staaten. Das wahre Wissen, das Know How, dass in einem Körper noch stecken muss, sind Dinge wie „Atmen“, „Essen“, „Stoffwechseln“ und „Googeln“. Alle anderen Informationen kann er sich dann frisch aus dem Internet holen. Irgendwie doch sehr schön, diese Idee?

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29 Jahre alt - Literarischer Blogger (Neon|Wilderness), Autor ("Volle Distanz. Näher zu dir"), Medienblogger (dominikleitner.com), Printschreiber (MFG Magazin), freier Journalist (u.a. BZ), CD-Kritiker (subtext.at) und Detektiv (365guteDinge)

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