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SILBERMOND: Das Gefühl, angekommen zu sein

SILBERMOND: Das Gefühl, angekommen zu sein

Zuverlässigkeit, Fleiß, Disziplin und Verantwortungsgefühl sind Eigenschaften, die gut & gerne unter dem Begriff „Deutsche Tugenden“ zusammengefasst werden. Wer möchte, kann Menschen auf solche Attribute reduzieren. Wie weit diese tatsächlich der Wahrheit entsprechen, sei dahingestellt. Silbermond, Deutschlands tugendhafteste und kompakteste Popband (diese Behauptung stelle jetzt ich einmal auf), sind nun „Irgendwo in der Mitte“ angelangt.

Unter freiem Himmel lässt es sich besser nachdenken. Es lässt sich auch besser musizieren. Das finden auch Silbermond und öffnen auf „Himmel auf“ alle Schranken. Auf ihrem vierten Album erobert sich die Gruppe aus Bautzen den Raum und geht mehr in die Breite, Höhe und Tiefe. Der Drang, weiter voranzuschreiten, ist nach wie vor vorhanden und spürbar zu hören. Ausverkaufte Tourneen und Platinauszeichnungen helfen da auch nicht weiter. Erwartungshaltungen einerseits, auf der anderen Seite kreist das Thema Selbstverwirklichung vielleicht stärker denn je in den Köpfen von Stefanie Kloß und ihrer Band. Und doch möchte man meinen: Identitätsfindung abgeschlossen möchte man meinen.

„Himmel auf“ will flüchtige Momente der Schönheit einzufangen, besondere Augenblicke von mir, dir und uns allen. Lieder für die Verliebten und freudlos Liebenden haben sie schon immer geschrieben, nun auch auch für die Niedergeschlagenen, Gescheiterten und sozial Ausgebeuteten. Vom Feelgood-Hit zum Aufrüttler gewissermaßen.

Ganz gelassen spicken Silbermond ihren weichen Pop mit einer Melancholie, die nie dunkel oder trist erscheint, sondern in Songs wie „Unter der Oberfläche“, „Wofür“ und „Himmel auf“ ganz leicht und fast schwerelos wirkt. Der Upbeat von „Gegen“ reißt hingegen mit. Elektronische Elemente werden, wenn auch eher subtil, eingesetzt. Aber ein paar Mal weniger auf Nummer sicher gegangen sind sie diesmal schon. Die Single, so sublim, dass es kaum auffällt, wie gut sie eigentlich ist. Detailverliebt, aber nicht ganz auf Anhieb zündend kristallisiert sich für mich als Resultat heraus. Der Hang zur Sphärik wurde ansonsten weiter in Form gebracht.

Vielleicht eckt diese Mitte, in der sich Silbermond derzeit befinden, zu wenig an. Ob diese Lieder bald das ganze Land mitpfeifen wird, sei dahingestellt. Genügsamkeit auslösen und innere Ruhe befriedigen ist zwar schön und gut, aber manchmal als Bilanz zu wenig, um die Aufmerksamkeit auf Dauer zu halten.

Facts:
Silbermond – Himmel auf
Gesamtspielzeit: ca. 55 Minuten
Columbia (Sony Music)

Links & Webtips:
silbermond.de
facebook.com/Silbermond
twitter.com/silbermond

Foto: Daniel Lwowski

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