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Verhütung, die krank macht

Verhütung, die krank macht

Schon früh werden Mädchen heutzutage mit dem Thema der Verhütung konfrontiert, und das ist auch wichtig. Sexuell übertragbare Krankheiten und ein verantwortungsvoller Umgang mit Sex sind Themen, über das wir unbedingt mit unseren Kindern reden müssen. Genauso wichtig wie es ist, einen natürlichen Umgang mit Sex zu lehren und zu vermitteln.

Der Markt der Verhütungsmittel scheint endlos zu sein, allein bei der Antibabypille gibt es dutzende verschiedene Präparate, jedes mit einer etwas anderen Östrogen- und Gestagen-Kombination. Dabei sollen verschiedene künstliche Östrogene (meist Etinylestradiol) den Eisprung verhindern. Gestagene (z.B. Desogestrel) führen zu einer Veränderung des Schleims und der Gebärmutterschleimhaut, wodurch Spermien schlechter zum Eileiter gelangen und eine mögliche befruchtete Eizelle sich nicht einnisten kann.
Sich im Dschungel der verschiedenen Pillen zurechtzufinden und die richtige Pille für sich zu finden ist schwierig. Ist man völlig ahnungslos, wird einem meist von der Frauenärztin/dem Frauenarzt eines der neueren Präparate empfohlen, da diese als leicht verträglich gelten. Außerdem ist das Neue doch immer besser als das Alte, oder? Mittlerweile werden vier verschiedene Pillengenerationen unterschieden, vor allem anhand des genutzten Gestagens. Pillen der dritten und vierten Generation sind die am meisten angewandten Antibabypillen, doch dabei nutzen diese Präparate Gestagene, die in den vorherigen Generationen nicht genutzt wurden. Es sind genau die neueren Pillengenerationen, die meist verschrieben werden, da sie als leicht verträglich gelten. Was jedoch oft nicht behandelt wird ist, dass Pillen der dritten und vierten Generation auf Grund ihres Gestagens ein erhöhtes Thrombose-Risiko als ältere Pillenpräparate aufweisen.

Die Liste von möglichen Nebenwirkungen der Antibabypille ist lang. Von eher harmlosen wie Müdigkeit, Verlust an Freude am Sex (= Libido), Kopfschmerzen, Depressionen und noch einigen mehr abgesehen gibt es auch Fälle, in denen die Pille in Verdacht steht, weit schlimmere Nebenwirkungen zu verursachen.
Pillen, die man schluckt, passieren im menschlichen Körper immer zuallererst die Leber. Durch ständige Pilleneinnahme wird auch die Leber permanent mit Stoffen konfrontiert, die für sie schädigend sein können. Dadurch entstehen Leberschäden wie zum Beispiel Tumore. Neben Leberkrebs kann es auch zu Brust- oder Gebärmutterhalskrebs kommen.
Die Antibabypille erhöht auch das Risiko von Thrombosen. Das ist eine Gefäßerkrankung, bei der sich ein Blutgerinnsel in einem Gefäß (z.B. in Beinvenen) ansammelt. Dieses Gerinnsel wandert dann Richtung Lunge und verursacht eine Lungenembolie, einer Verstopfung eines Blutgefäßes in der Lunge. Ein lebensbedrohlicher Zustand, der meist nur durch operative Eingriffe abgewendet werden kann. Auch andere Organe (wie Herz oder Hirn) können durch Thrombosen geschädigt werden. Um zu verhindern, dass es erneut zu Thrombosen (und damit verbundenen Komplikationen) kommen kann, muss man sein Leben lang blutverdünnende Medikamente nehmen, mit denen man nicht schwanger werden darf. Damit kommt die Antibabypille auf makabre Art und Weise ihrer Aufgabe der Verhütung nach.

Solch schwerwiegende Nebenwirkungen der Antibabypille kommen zwar selten vor, doch werden Frauen meist nicht darüber aufgeklärt, dass Pillen der dritten und vierten Generation ein höheres Thrombose-Risiko aufweisen als frühere Pillen. Schuld daran sind die Gestagene Desogestrel, Gestoden oder Drospirenon.
Wie bereits erwähnt sind es jedoch Pillen dieser beider Generationen, die am meisten verschrieben und verkauft werden. Auch andere neuere hormonelle Verhütungsmittel, wie Vaginalringe, haben ein höheres Thrombose-Risiko als Pillen der zweiten Generation.
Für viele Frauen ist die Antibabypille eine zuverlässige Verhütungsmethode, die völlig unreflektiert zur Anwendung kommt. Dass es zwischen den vier Pillengenerationen einen Unterschied bezüglich der Häufigkeit der Nebenwirkungen gibt, wird vielen Frauen verschwiegen. Dadurch bekommt man keine Chance sich entsprechend für ein Pillenpräparat zu entscheiden.
Laut den zuständigen Behörden ist der Nutzen-Risiko-Faktor der dritten und vierten Pillengeneration noch so gut, dass diese Pillen auf dem Markt erhältlich sind. Etwaige Verbote von bestimmten künstlichen Hormonen gibt es nicht.
Vor allem Yaz, Yasminelle und Yasmin (alle vom Pharmaunternehmen Bayer) stehen schwer in Anklage. Alle drei erwähnten Pillen werden sehr häufig verschrieben. Sie sollen leicht verträglich sein, haben zusätzlich noch Funktionen wie den „Smile-Faktor“ oder sollen das Körpergewicht reduzieren.
Doch diese drei Pillen nutzen das Gestagen Drospirenon, das erst seit 2000 zur Anwendung in Antibabypillen zugelassen wurde. Dieses Hormon steht in Verdacht, das Thrombose-Risiko von Frauen wesentlich zu steigern.
In den USA gab es bereits eine Sammelklage von Frauen, die durch die Präparate schwere Nebenwirkungen erlitten. So hat der Konzern an mehr als 6000 Frauen 1,4 Milliarden Dollar gezahlt.

Bevor man sich für ein Verhütungsmittel entscheidet, sollte man sich kritisch mit etwaigen Nebenwirkungen auseinandersetzen. Auch Frauenärzte sollten sensibler werden, was das Verschreiben der Pillen betrifft. Nicht immer ist das neueste Präparat das bessere. Manche Ärzte raten Frauen Pillen der zweiten Generation zu nehmen. Und älteren Frauen – die von Natur aus an einem höheren Thrombose-Risiko leiden – werden reine Gestagen-Präparate oder die Spirale empfohlen.
Frauen, die Präparate mit Drospirenon bereits nehmen und gut vertragen, müssen dieses nicht unbedingt absetzen. Bei Unsicherheiten ist es jedoch am besten, diese mit Fachärzten abzuklären.

Neben sicherem Sex muss also auch auf die eigene Gesundheit geachtet werden, sobald es um hormonelle Verhütung geht. Jeder Frau steht es zu, zu wissen mit welchen Risiken sie konfrontiert wird. Pharmaunternehmen und Frauenärzte sollen diese Probleme ernst nehmen, und nicht in gewinnorientierter Absicht handeln. Schlussendlich sind hormonelle Verhütungsmittel Medikamente, die nicht zu leichtsinnig verschrieben werden sollen. Vor- und Nachteile sollen jeder Anwenderin im Klaren sein, um einen bewussten Umgang hormoneller Verhütung zu forcieren.

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Bild: UCI Irvine (flickr) – CC-Lizenz

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Studentin. freischaffende Künstlerin. bluehirsch.

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