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Refused Are Fucking Alive – Rock im Ring 2015

Refused Are Fucking Alive – Rock im Ring 2015

Richtig gelesen. Rock im Ring gibt’s auch. Im Vergleich zu seinem großen Bruder ein Festival im kleinen Rahmen, das sich dennoch mit seinem Line-Up nicht zu verstecken braucht. Kraftklub, In Flames, Terror und Refused zählten zu den Headlinern und gaben dem Südtiroler Dorf Ritten den Hauch eines großen Festivals.

Auf 1000 m befindet sich das kleine Dorf Ritten, in der Nähe von Bozen. Seit 1994 existiert dieses Festival, von Jahr zu Jahr immer besser bestückt mit internationalen Bands wie Soulfly, Agnostic Front, Danko Jones, Caliban, The Subways und vielen vielen mehr. Grob gesagt ist es genremäßig mehr im Rock/Metal-Bereich angesiedelt, mit kleinen Ausflügen zu Reggae und HipHop.

Kleiner gemütlicher Campingplatz, den man von der richtigen Stelle aus leicht überschauen kann, keine langen Wanderwege zur Bühne und ein Schwimmbad direkt am Zeltplatz: für mich eindeutiges Indiz für die besten Voraussetzungen, um ein Festival zu veranstalten.

Der erste Ausflug zur Bühne war für mich um 20:00 Uhr zum britischen Stoner-Rock-Thrash-Duo God Damn. Mit diesem klingendem Namen ausgestattet, setzten sie das noch etwas zurückhaltende Publikum in beste Moshpit-Laune und bereiteten dem Abend einen guten Einstieg.

Ganz wie beim großen Fetsival

Ganz wie beim großen Festival

Als Headliner konnten In Flames für fast zwei Stunden die Bühne und vor allem die Boxen an ihre Limits bringen. Neu war für mich der Metalcore-Einfluss, muss aber auch ehrlich sagen, dass ich vor längerem aufgehört hab, mir die neuen Alben anzuhören.

Samstag, 21 Uhr, Kraftklub lassen den Vorhang fallen: die Frisur sitzt. Der Pop-Indie-Rap-Rock-Import aus Karl-Marx-Stadt weiß, wie man eine Show macht. Hooklines zum Mitsingen und Animation zur langsamsten Wall-Of-Death der Welt lassen die U20 Fraktion des Festival hüpfend und schwitzend zurück, natürlich nicht ohne einen Seitenhieb von Sänger Felix Brummer auf die augenscheinliche Namensverwandtschaft mit einem anderen Festival.

Sänger Dennis Lyxzén gönnte sich selbst keine Sekunde Ruhe auf der Bühne

Keine Sekunde stand er still: Sänger Dennis Lyxzén

Mein Höhepunkt betrat um 23:00 Uhr die Bühne: Refused. Die schwedischen Hardcore-Punker seit langem wieder Live zu sehen, ist immer wieder wie ein Schlag auf den Hinterkopf: ernüchternd aber nötig. Die erste Hälfte des Konzerts wurde heruntergespielt ohne Ansagen oder Pausen, was aber hier nichts schlechtes heißt. Nachdem sie vor kurzem ihr erstes Album seit 17 Jahren veröffentlicht haben, hatte ich Bedenken, was ihre Setlist betrifft. Entweder zu viel Altes oder zu viel Neues. Einer ihrer Klassiker wurde zum Einstieg gewählt: „Rather Be Dead“ vom Album „Songs to fan the flames of discontent“. Eine gute Mischung zog sich durchs Set, neue Songs wurden vereinzelt eingestreut und gaben einen Ausblick aufs Album für alle, die es noch nicht kannten. Charismatische Tanzeinlagen von Sänger Dennis Lyxzén brachten der ansonsten etwas statischen Bühnenshow viel Bewegung. Die neuen Songs, wie „Francafrique“, klangen Live eindeutig besser als auf YouTube. Ich weiß nicht so recht woran es lag, aber für mich sind Refused generell mehr eine Live-Band, durch die exzessiven Bewegungen und Vocals, die auf Platte einfach nicht so eine Wucht entwickeln können.

Crowdsurfen bei "Rather Be Dead"

Crowdsurfen bei „Rather Be Dead“

Ganz ohne Ansagen kommen auch Refused nicht aus, weshalb es an Dennis lag, die gewohnt politischen Ansichten der Band an den Mann zu bringen.

Etwas schade fand ich, dass die Band nicht ganz auf ihrem Höhepunkt war, so waren zum Beispiel bei ihrem Song „Tannhäuser“ die Übergänge nicht genau genug und nahmen wiederum der eigentlichen Wucht der Riffs einen großes Stück weg.

Dass sie zwar körperlich gealtert sind, hat (fast) keine Spuren in ihrer Musik hinterlassen. Auch der Einsatz auf der Bühne hat sicherlich nicht büßen müssen, dafür wurden die Gitarrenriffs ein bisschen weniger experimentell und ein bisschen eingängiger.

Zum Schluss noch mein Lieblingslied vom neuesten Album „Freedom“:

 

Fotos: elemtalPRESS/ L.Hagen

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Schreibt seit längerem, macht noch länger Musik. Mal erfolgreich, mal weniger - und versucht das Beste aus dem doch irgendwie dörflichen Innsbruck zu machen.

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