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10 Jahre Kinderfilmfestival Linz: „Meine kleine Schwester“

10 Jahre Kinderfilmfestival Linz: „Meine kleine Schwester“

Ganze 1o Jahre hat das alljährliche „Kinderfilmfestival“ der Kinderfreunde und des Vereins PITANGA schon auf dem Buckel. Jedes Jahr eine tolle Auswahl an sehenswerten Spielfilmen. Für Kinder und derene Familien.

Es ist sicherlich nicht selbstverständlich, Filme in der heutigen Zeit zu zeigen, die ohne „Spongebob“-Stimmen, „Peng-Peng“ oder Verkitschung auskommen, so wie die Kinder sie aus diversen Kindersendungen im TV kennen. Weiters spielt immer die Überlegung mit, ob überhaupt jene Spielfilme, die ernste Themen wie (Mobbing, Trennung, Magersucht usw) thematisieren, beim kindlichen und familären Publikum Anklang finden könnten? Die hohen Besucherzahlen und das rege Interesse beweisen, das es möglich ist! Jedes Jahr auf´s Neue!

Auch diesen November, mischte ich mich freudig unter das Filmpublikum, um mir den schwedischen Film mit deutschen Untertiteln „MEINE KLEINE SCHWESTER“ anzuschauen:

Das Pummelchen Stella steht immer im Schatten ihrer großen, perfekten und hochtalentierten Schwester Katja- eine Eiskunstläuferin. So wie sie, würde sie gern beliebt, erfolgreich und schlank sein. Doch Schlanksein hat seinen Preis: Stundenlange Trainingseinheiten auf dem Eis, ein genauer Essplan, wenig Freizeit. Im Gegenzug dafür, bekommt man Erfolg, Ansehen und schöne Kleider. Alles, was das Frauenherz begehrt? Wenn frau dann auch noch einen attraktiven Trainer zur Verfügung hat, sowie Katja, ist all der Druck und Schmerz vergessen und frau schwebt auf Wolke 7. So wirkt es zumindestens für Stella. Doch der Schein trügt. Heimlich ertappt sie Katja, als sie sich  des Öfteren  im WC den Finger in den Hals steckt. Zur Rede gestellt, kann sich Stella nur die Zickereien ihrer Schwester an den Kopf werfen lassen. Ab diesem Zeitpunkt bekommt die perfekte, illusionistische „Glitterwelt des Eiskunstlaufens“ für Stella erste Risse. Voerst behält sie das dunkle Geheimnis ihrer Schwester für sich, um nicht von ihr erpresst zu werden. Stellas dunkles Geheimnis, ist ihre heimlichen Schwärmerei für Katjas Eiskunstlauf-Trainer. Mutig und sogleich klug wie sie ist, versucht sie durch die Veränderung ihres Aussehens und ihrer Taktik, Kontakt zu Katjas Trainer aufzubauen, bishin ihn zu Küssen. Doch auch dieser will nichts wirklich von ihr wissen, obgleich er 35 Jahre ist! Stellas Welt erfährt ein Erdbeben nach dem anderen. So hat sie Probleme einerseits sich selbst treu zu bleiben, andererseits Katja und die Familie zu schützen. Katjas Bulimie ist einer der Hauptauslöser dafür. Verloren zwischen eigenen Bedürfnissen des „Angenommen/Geliebt seins“ ist es für Stella schwer zu entscheiden was richtig und was falsch ist. Hilfesuchend beginnt sie sich über Bulimie extern zu informieren und ihre eigene liebenswerte, pummelige Figur anzunehmen. Als sie ihren Eltern davon erzählt, bemerken diese, das durch ihr arbeitsintensives Abwesendsein, die Famile auf dem Spiel steht. Bewusstes Zeitverbringen im Sommerhaus scheint voerst alle Probleme zu lösen – im Moment. Doch Katja will sich nicht helfen lassen, ihre Eltern zwingen sie regelrecht mit Gewalt zu essen. Als alles nichts mehr hilft, wird Katja in die Klinik eingeliefert.
Ab diesem Zeitpunkt kann Stella endlich aufatmen, die schwere Last der „Mitverantwortung“ fällt von ihren Schultern und sie kann endlich wieder leben. Viel Zeit im Wald mit ihren seltenen schwarzen Käfern und ihren Freunden, geben ihr Halt. Auch die Familie scheint wieder zu sich zu finden. Das Ende bleibt allerdings offen, somit ist unklar ob Katja den Sprung in die „Wiedergenesung“ schafft oder nicht.

Ein sehr berührender Spielfilm, der nicht nur Kinder und deren Eltern zum Denken anregt! Schonungslos stellt der Film die Krankheit „Bulimie“ in den Vordergrund und webt diese in ein „normales“, alltägliches fikitves Familienkonstrukt ein. Somit bekommt der Zuschauer vermittelt, Bulimie kann überall passieren. Auch wenn so manche Familienfassade nach außenhin perfekt wirkt, kann sie innerlich brökeln. Im Endeffekt, wird die Antiheldin Stella zur wahren Hauptrolle des Filmes erkoren. Denn ohne sie, würde Katjas Krankheit schleichend fortschreiten und die Familie eines Tages in Schutt und Asche liegen. Wiedermal schwengt auch die unterschwellige Botschaft mit, was mich sehr freut, dass nicht alle Menschen „schlank“ sein müssen, um erfolgreich, mutig oder sie selbst zu sein. Jeder Mensch hat seine Stärken und Schwächen, seinen individuellen Körperbau – und das ist gut so!

Die Nordeuropäer, meine Meister der Kinder-Spielfilme
So bedanke ich mich recht herzlich für die gute Zusammenarbeit mit den Kinderfreunden und wünsche ihnen weiterhin viel Erfolg bei den kommenden Filmfestivals für Kinder. Ich rechne es ihnen hoch an, das sie jedes Jahr aufs Neue sich die Mühe machen, dieses Filmfestival mitzuorganisieren und die Filme den Publikum näher bringen! Ein Hoch auf Euch! Prost, Mahlzeit!

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Ich, ein Mädel aus Linzer Umgebung schreibe liebend gerne Konzert-Reviews, Filmkritiken und so manch anderes über Kultur, Leute und dem ganzen Drumherum. Wortspielereien mit Gefühlen, die echten Tatsachen und Stimmungen sind mein Metier, in dem ich mich am Wohlsten fühle. Kultur wie sie leibt & lebt im Linzer Raum und sonstwo, am Puls der Zeit, niemals vergessen, sondern dokumentiert, hier auf subtext.at Das ist meine Welt, ahoi!

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