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Tigerwizard: BORN TO DIE

Tigerwizard: BORN TO DIE

Schwer groovend, metallisch, aber auch sehr, sehr schnell: So geben sich die vier Jungs der Wiener Hardcoreband Tigerwizard auf ihrer am 25.01.2016 erschienen ersten EP BORN TO DIE. Es ist erst der zweite Release des Quartetts. Dieses hat sich 2014 einem heftigen Mix aus Hardcore und Stoner Rock verschrieben und sich auch schon fleißig live präsentiert. Dem ursprünglichen Soundgewand entwachsen, präsentiert sich die neue Platte ausgefeilter, stimmiger und qualitativ hochwertiger als die 2014 erschienene Demo. Ein durchaus ambitioniertes Werk.

Gleich zu Beginn der Platte ertappe ich mich beim sofortigen Erhöhen der Lautstärke – das unglaublich fett klingende Intro schreit förmlich nach einer Konsumation bei maximalem Schub. Sofort fällt die nahezu perfekte Produktion auf, die sowohl beim Hören mit einer Anlage, als auch mit Kopfhörern ihre Wirkung zeigt. Nach den episch und doomig klingenden Akkorden und dem ersten diabolischen Schrei des Sängers zu Beginn des Tracks I, fetzt nach einer kurzen Pause das erste Riff aus den Speakern, das zugleich eines der stärksten des ganzen Albums ist. Leider ist das Vergnügen kurz: der Intro-Track ist nur eine Minute und 23 Sekunden lang und endet meines Erachtens etwas zu abrupt. Ein etwas geschmeidigerer Übergang zum nächsten Song, In The Dirt, wäre hier nicht schlecht gewesen. Dieser kommt sehr metallisch her und kann mit massiven Doublebass – Attacken des Drummers, lässigem Riffing und dem Mosh – Part gegen Ende des Tracks überzeugen. Die extreme Reibeisenstimme des Sängers kommt bei diesem Song das erste Mal richtig zur Geltung. Eine etwas eigenwillige Kombination bilden die teilweise dreckig und rotzig gesungenen, teilweise mit extremer Reibeisenstimme geshouteten Vokalparts des Sängers. Vielleicht nicht jedermanns Sache, passt aber irgendwie zum übriggebliebenen Stoner Rock Anteil in der Musik.

Der dritte Track der Scheibe ist ein alter Bekannter: Hall Of Meat, auf der 2014er Demo erschienen, wurde neu aufgenommen und ist vielleicht mein Favorit auf der Platte. Der Song beinhaltet alles, was einen modernen, metallischen Hardcore – Track ausmacht. Ein wirklich heftiges, langsam groovendes, durch die halftime gedroschenen Drums extrem aggressives Intro und ein schneller uptempo Part, welchem mit der schnellen Doublebass quasi das i-Tüpfelchen aufgesetzt wurde. Dieser mündet wieder in das ursprüngliche Riff. Ebenfalls vorhanden ist ein cooler Mosh – Part am Ende des Stücks. Ein einfach gestrickter Song, doch vor allem in der neuen, sehr gut produzierten Version sehr empfehlenswert.

Wreck besticht vor allem durch das coole Intro, das nur vom Bass eingeleitet wird und durch die schleppend gespielten Drums sehr stonerrockig/doomig daherkommt. Der Rest des Songs ist nicht schlecht, hat aber irgendwie keinen so großen Wiedererkennungswert. Lediglich der Schluss mit den Zeilen „my body is a wreck // I cannot sleep no more“ ist ziemlich heavy und fett gestaltet und bleibt im Gehirn des Zuhörers hängen. Beim nächsten Track, Sleep Paralysis, gestaltet sich die Rezension am schwierigsten. Das zentrale Element in diesem Lied ist meines Erachtens das Hauptriff, das quasi die Hook bildet und an das man sich erinnert. Den Schwachpunkt bilden hier die Vocals, die rhythmisch etwas unkreativ daherkommen. Man hat das Gefühl, dass der Song, ohne einen Höhepunkt zu erreichen, etwas dahinplätschert.

Die beiden Songs würde Born To Die und Doomed sind ebenfalls eher mittelprächtig. Letzterer sticht positiv durch die sozialkritischen Lyrics heraus, die eher direkter gehalten sind und weniger Raum für Interpretationen bieten als bei den Songs zuvor. Die Idee ein Gitarrensolo einzubauen ist grundsätzlich gut, das hätte man jedoch etwas abwechslungsreicher und stimmiger gestalten können. Der Schluss des Albums ist durch das sukzessive Verringern der Lautstärke von Bass und Schlagzeug und eine immer lauter werdende Art Rauschen sehr effektvoll gestaltet.

Insgesamt ist BORN TO DIE eine gelungene und sehr gut produzierte Hardcore EP, die am besten bei voller Lautstärke gehört werden sollte. Sie beinhaltet neben einigen mittelmäßigen Songs auch echte Kracher, die unbedingt auch live gehört werden sollten. Die Releaseshow findet am 30. Jänner im Venster99 statt und bietet die beste Gelegenheit, genau das zu tun.

Anspieltipps:
I
Hall Of Meat
Wreck

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Redakteur bei subtext.at, Musikfan, aktiver Musiker

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