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SPIRIT DESIRE: Witching Hour EP

SPIRIT DESIRE: Witching Hour EP

Spirit Desire haben sich am 26. April mit neuem Release zurückgemeldet. Hinhören lohnt sich da definitiv, denn die fleißigste Band der Stadt macht auf „Witching Hour“ genau da weiter, wo sie im Herbst auf ihrer Split-EP mit Orphan aufgehört hat.

Gut, alles andere wäre auch unlogisch. Befinden sich doch mit dem namensgebenden Witching Hour und Lean die beiden herausragenden Beiträge zu dieser Band-Kooperation auch auf der neuen EP. An dieser Stelle werde ich nun auf die beiden weniger eingehen, da mein Kollege Alex ja unlängst schon ein paar schöne Worte darüber geschrieben hat [Review Same Blood Split-EP].

Die übrigen drei Stücke wurden bereits in der selben Session in den Doom Studios in Linz aufgenommen, wie das bereits bekannte Material. Daher wirkt Witching Hour auch nicht wie ein loser Haufen Songs, sondern wie ein stimmiges Gesamtpaket. Kleine Neuerungen fallen einem trotzdem schon beim eröffnenden Be A Memory auf. Zum Beispiel wäre da zum einen die (im Gegensatz zum gespenstischen Covermotiv) hellere Grundstimmung, die einen (oder zumindest mich) an betrunkene Sommerabende am Ufer der Donau erinnert, oder auch der präsente und gut platzierte Einsatz von mehrstimmigen Gesangspassagen. Auch die runderen und viel „echter“ klingenden Drums seien an dieser Stelle erwähnt.

Das treibende Someone fühlt sich vom Sound her nach dem recht melancholischen Doppelpack Witching Hour und Lean wie ein Befreiungsschlag an – zeigt eine neue Facette der Band. Inhaltlich bleibt Sänger und Texter Chrisu aber stets dem roten Faden treu und setzt sich hier mit seiner inneren Zerrissenheit auseinander…

To be honest I never wanted to stand out
and by the way I’m horribly afraid of crowds,
I just want to be someone,
I just want to be someone interesting

…dabei lassen die Texte von Spirit Desire aber wie gewohnt auch viel Raum für Spekulation und Interpretation, behandeln unter der lässigen Alternative Rock Verpackung stets tiefsinnige Themen, vermeiden es dabei aber immer gekonnt, ins Dramatische abzugleiten. So auch im abschließenden 6th Of July, dass dem verstorbenen Großvater gewidmet und von Wehmut und ein bisschen Reue gezeichnet ist. Auf die Tränendrüse wird aber nicht gedruckt. Stattdessen gipfelt der Song in einem wunderbaren Strudel aus Gitarrenmelodien, der sich langsam und stetig aufbaut, um dann in ein Fade-Out abzuebben. Eine Art und Weise, einen Song abzuschließen, die ich normalerweise eher als Anflug von faulem Songwriting empfinde, funktioniert hier ausgezeichnet, weil es die Thematik unterstreicht.

Spirit Desire lassen auf Witching Hour keinen Zweifel an ihren gewohnten Stärken aufkommen, zeigen Weiterentwicklung im Detail und liefern damit ihr bislang bestes Werk ab. Wer seine Rockmusik mit einer Prise Nostalgie, etwas Melancholie und verträumten Melodien mag, für den muss Spirit Desire in Österreich definitiv eine der ersten Anlaufstellen sein.

witching_hour_Cover

Tracklist
01. Be A Memory
02. Witching Hour
03. Lean
04. Someone
05. 6th Of July

VÖ: 26.04.2016, Tenwolves Records / Go Away Records
Download: Hier!

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Schreibt Albumrezensionen, Konzertberichte und führt gerne Interviews - transkribieren tut er diese aber weniger gern. Immer wieder auch für Blödsinnigkeiten abseits seines Kerngebiets "Musik" zu haben. Hosted einmal monatlich die Sendung "Subtext on Air" auf Radio FRO, ist bei mehreren Kulturinitiativen und in einer Band aktiv.

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