Oathbreaker: Rheia

Oathbreaker: Rheia

Blackgaze. Ein Genre, das die in Reverb-getauchte Traumwelt des Shoegaze mit der Wut und Hoffnungslosigkeit des Black-Metals verbindet. Für das belgische Quartett Oathbreaker die perfekte Spielwiese um sich auf ihrem dritten Album neu zu erfinden. „Rheia“ präsentiert ein Zwischenspiel von träumerischen Melodien und undurchdringbaren Gitarrenwänden, athmosphärischer Ruhe und Blastbeat-Gewitter. Im Vordergrund bewegt sich Sängerin Caro Tanghes Stimme zwischen sanfter Schönheit und vernichtender Härte.

Das Album beginnt Caro Tanghes alleine. Ihre zarte Stimme lockt den Hörer immer näher. Eine Stimme, die eine verlockende Schönheit präsentiert, doch die Gefahr darunter nicht ganz verbergen kann. Und wenig später entfaltet sich diese Gefahr in Form des Songs „Second Son of R“. Ein Gewitter aus Schlagzeug, Gitarren und markerschütternden Screams bricht los und bietet einen fantastischen Startschuss für „Rheia“. Doch der Song entwickelt sich weiter und bietet das für das Album so richtungsweisende Zwischenspiel zwischen Melodie und Lärmwand. Letztendlich explodiert der Song in einem Finale, das die Intensität noch weiter aufdreht und die Screams in ein verzweifeltes Gekreische verwandelt. „Being Able to Feel Nothing“ macht da weiter wo Oathbreaker das Album begonnen hat. Mit den Worten „play with me“ lockt Caro Tanghe den Hörer weiter in die Abgründe die „Rheia“ portraitiert.

Auf den Songs „Stay Here / Accroche-Moi“ und „Begeerte“ verlässt die Band ihren Metal-Pfad komplett und versucht sich an düsterem Indie-Folk á la Agnes Obel oder Chelsea Wolfes acoustic Material. Diese Momente unterstreichen die ruhige und sanfte Seite des Albums noch weiter. Auf „Where I Leave“ versucht sich Oathbreaker an einem überlangen Post-Metal Crescendo, das leider nicht ganz so belohnend explodiert wie erhofft, aber weiter zur hypnotisierenden Trostlosigkeit des Albums beiträgt. Das fantastische „Immortals“ zeigt verstärkt Sludgemetal und Postrock Einflüsse sowie bedrückende Gesangsharmonien. Und der Song „I´m Sorry, This is“ bietet ein düsteres, atmosphärisches Klanggemälde komplett abseits jeder Härte oder jedem Indie-Folk-Ausflug.

Den fortwährenden Wechsel zwischen sanfter Ruhe und knochenbrechender Brutalität spiegeln auch Caro Tanghes Texte wieder. Sie malt lebendige Bilder im Kopf des Hörers von Verlangen, Lust, Sucht, Wut und Trauer, durch kryptische Texte mit sehr viel Tiefe. Aus Erlebnissen, wie dem Tod ihrer Großmutter, formt sie Momentaufnahmen von Verlust und Trostlosigkeit durch einen Schleier von wagen Formulierungen, die aber nie ihre emotionale Potenz verlieren.

„Rheia“ bietet eine Stunde emotionalen Exorzismus für jeden der seine Musik gerne hart, aber dynamisch und melodiös hat. Wer an den ersten Momenten des Albums Gefallen findet, wird auch im Rest des Albums viel Begeisterndes zu entdecken finden. Doch wer mit dem ewigen Zwischenspiel von Härte und Ruhe wenig anfangen kann und einfach ein knochenbrechendes Blackmetal Album sucht, wird damit wenig Freude. Für mich ist „Rheia“ jedoch eines der spannendsten und emotional potentesten Alben des Jahres.

Wer den Emotionsorkan live sehen möchte hat dazu die Chance am 6.12. in der Arena Wien. Tickets gibt es bei allen üblichen Verkaufsstellen um 16€ (exkl. VVK Gebühren)
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geschrieben von

Musiker, plattensüchtig, Foodnerd, verwirrter Philosophiestudent und Hobby-Lyricer

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