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Chick Quest: Model View Controller

Chick Quest: Model View Controller

Spaghetti Rock made in Austria – ein mittlerweile selten gewordenes Genre. Die Wiener Combo Chick Quest hat zwei Jahre nach ihrem Debutalbum „Vs. Galore“ mit „Model View Controller“ den Zweitling am Start. Wie beim Vorgänger, wo wir schon von einer emotionsgeladenen Achterbahnfahrt schrieben, kann man auch diese Fortsetzung schwer empfehlen!

Zugegeben, es ist etwas schwierig, Chick Quest einzuordnen. Sie selbst schreiben von einer Mischung aus Post-Punk und Art-Rock. Klingt strange? Ist es nicht. Denn „Model View Controller“ ist ein musikalisches Kleinod, dem man gerne eine Chance geben darf. Bereits beim Opener – dem gleichnamigen Titeltrack – wird deutlich, wohin die Reise geht. Im Vergleich zuvor einen Tick melodiöser, bleiben aber die Marichi-Gitarre sowie die – auch verzerrteren – Vocals weiterhin im Vordergrund. Mit „The Afterlife“ folgen danach aber schon bekanntere Töne. Man bedient sich gekonnt dem Genre. Tanzbare Arrangements, passende, tiefgründigere Vocals von Frontmann Ryan White – der Garage-Rock lässt Gott sei Dank auch 2017 wieder grüßen. „Down in a Crypt“ und „One Dead End Leads to Another“ schlagen in dieselbe Kerbe – tanzbar, livetauglich, aufs Wesentliche beschränkt. Catchy Refrains treffen auf bekannte Gitarrenmuster, Bläser werden an den richtigen Stellen eingesetzt, und doch merkt man einen Unterschied zum Erstling.  Inhalte wirken durchdachter, das Album stärker als Gesamtkonzept denn als Stückwerk – die Weiterentwicklung ist geglückt. Egal ob in „Identity Crisis in the Grocery Store“ (für uns jezt schon ein Anwärter auf den Titel „Songtitel des Jahres“) oder in „Exit Strategy“, es wird nicht langweilig – und Chick Quest schaffen das, ohne ihr Genre auf obskure Weise zu verlassen.

CHICK QUEST - Qlash.at presents, Stadtwerkstatt Linz

„Model View Controller“ ist aber ein Album, das seine volle Kraft wohl nur live entfachen wird. Genrebedingt halt. Hat das jetzt negativ geklungen? Das soll es auf gar keinen Fall. Denn Songs wie „Savant Garde“  bauen auch auf Platte ordentlich Spannung auf, und machen auch daheim Lust auf ein kaltes Bier in einer verrauchten Bar. Der Spagat zwischen Bühne und Platte: gelungen. Ganz ernst nimmt man sich aber dann doch nicht immer, wie dann in Songs wie „Brand New Crush“ deutlich wird. Insgesamt angenehm rockige 40 Minuten, die uns Chick Quest mit ihrem Zweitling da vorsetzen. Zum Schluss hervorzuheben: „The Mission is Failing“. Musikalisch so ganz anders als das Album – liebe Chick Quest, solltet ihr euch entscheiden, mal nicht nur Party machen zu wollen (oder sich gar an Soundtracks heranzuwagen), bitte macht genau dort weiter, wo dieser Track begonnen hat! Eine Platte, die eine Entwicklung zeigt, wie sie nur wenige Bands zwischen zwei Alben schaffen. Man darf bereits jetzt gespannt auf Werk Nummer Drei sein. Bis dahin: Wir sehen uns am nächsten Live-Gig!

 

Model View Controller ist am 24. Februar erschienen. Zu kriegen unter anderem auf BandCamp!

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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