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LORBEEREN: LAVA

LORBEEREN: LAVA

„Keine Vorliebe für Cousinen, kein gelber Lambo, dafür reichlich Pelz. Lorbeeren chartet“. In der Presseaussendung zu ihrer ersten EP geben sich Lorbeeren selbstbewusst. Die 2015 gegründete Wiener Band präsentiert Lava am 26. April offiziell im rhiz in Wien. Der Mix aus Indie, Funk und Rock kann sich durchaus sehen lassen. Aber gerade der „gelbe Lambo“ lässt hin und wieder unverkennbar grüßen.

Sechs Songs haben Lorbeeren auf ihrer ersten EP. Diese unterscheiden sich teils so stark voneinander, dass es einem fast schwer fällt zu glauben, die EP sei von einer Band alleine aufgenommen worden. In der vorab veröffentlichten Single Pelz, geht es ausgesprochen funkig zu. Lorbeeren beweisen ein starkes Gespür für Groove. Tolle Slap-Bass Einwürfe unterstützen wuchtige Synthesizer Akkorde. Die Art und Weise, wie analoge Instrumente mit elektronischen Sounds verbunden werden ist eine der Stärken des Songwritings von Lorbeeren. Zudem haben die Vocals von „Pelz“ durchaus Ohrwurmcharakter. Die etwas schräge Liebesnummer bleibt aber wohl gewollt schwer zu deuten.

In Wie ich dir nachstell‘ und Das Grüne vom Twinni zeigt die Band eine ganz andere Seite. Elektronische Sounds sucht man in „Wie ich dir nachstell‘ “ vergeblich. Der Großteil des melancholisch-traurigen Songs wird von akustischer Gitarre und Gesang getragen. Großes Highlight: Der mehrstimmige (Falsett)-Gesang der drei Lead-Sänger. Bei „Das Grüne vom Twinni“ werden wieder ähnliche Sounds wie in Pelz verwendet. Der Song ist aber keine Funknummer, sondern eher ins Indie-Genre einzuordnen. Die Nummer lässt etwas von der Klasse der vorrangegangenen Songs vermissen. Außerdem klingt das kleine Gitarrensolo gegen Mitte des Songs beinahe wie ein 1-zu-1 Verschnitt aus einem „Bilderbuch“-Solo. Alles in allem ist die Nummer aber durchaus ein hörenswerter Song geworden, auch wenn etwas Mut zu einem eigenen Stil gefehlt hat.

Miserabel, die vierte Nummer der EP, wirkt erneut wie eine komplette Neuerfindung des Bandsounds. Die sich langsam aufbauende, fast hymenartig wirkende Nummer hat wieder einige Synthesizer-Sounds an Bord. Zwischendurch fühlt man sich etwas an das Titellied von O.C. California erinnert. Alles in allem einen Reinhörer wert. Song Nummer 5 trägt den Titel Die Genügsamsten Tiere und hier stellen Lorbeeren wieder großes Songwritertalent unter Beweis. Der abwechslungsreich geschriebene und durcharrangierte Song ist eines der Highlights der EP. Synthesizer, starker Bass, Gitarrensolos und mehrstimmiger Gesang – es ist alles dabei.

Die abschließende Nummer Der Boden Ist Lava könnte einwandfrei auf Bilderbuchs „Magic Life“ dabei gewesen sein. Vor allem die Vocals, der Synthesizer-Einsatz und die Songstruktur erinnern extrem stark an den Sound der vier Oberösterreicher. Ein etwas dreister Verschnitt. Lorbeeren ist eine Band mit Potenzial. Hier und da sollten noch mehr eigene Ideen entwickelt werden, aber insgesamt ist „Lava“ doch eine gelungene erste EP.

 

Tracklist:
1. Pelz
2. Wie Ich Dir nachstell‘
3. Das Grüne Vom Twinni
4. Miserabel
5. Die Genügsamsten Tiere
6. Der Boden ist Lava
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