Seit Jahren sorgt der Lembacher Musikclub mit seinem Open-Air für ein bisschen Abwechslung in der Mühlviertler Musiklandschaft. Am vergangenen Wochenende durfte man trotz widrigster Wetterbedingungen einigen Acts lauschen, die richtig Spaß machten. Texta, Mainfelt, Erwin & Edwin sowie viele mehr sorgten dafür, dass man nicht am Boden festfror. 

Freitag

So wie die Festivalsaison im Mühlviertel begann, so endete sie auch – bitterkalt. Bei knappen neun Grad oder weniger  feierten am letzen Wochenende rund 1000 Menschen in Lembach das Ende des Festivalsommers. Was neben der guten Musikauswahl aber definitiv fehlte: der Glühwein. Größter Respekt an die, die oben campten.

Eröffnet wurde das Festival von der Band Dury the Bagh. Eine Mischung aus orientalischer Musik mit irakischem Gesang und Romani-related boten die Musiker*innen. Einige mutige, tanzlustige Besucher*innen gab esm die sich zu den für uns doch sehr fremden Lauten vor der Bühne bewegten. Die Band könnte internationaler kaum sein: der Sänger kommt aus dem Irak, der Schlagzeuger und die Posaunistin jeweils aus einem anderen europäischen Land – was das Trio verbindet, ist die Musik.

International ging es mit La Inédita weiter. Die Band aus Peru passte ihre Musik an ihre fancy Outfits an. Vielfältig präsentierten sie am Freitag etwas, was sich am ehesten in die Schublade des Reggae und Dancehall stecken lässt. Mit ihrer beschwingten Musik schafften sie es schon in wenigen Minuten, das Publikum vor dem Erfrieren zu retten und zum Tanzen zu bringen. Alt und Jung gab sich die Hand und tanzte, als gäbe es kein Morgen mehr. Entstanden ist die Band vor etwa sieben Jahren, wo sich vier völlig fremde zum erstmaligen Jammen trafen und gleich von Beginn an gut harmonierten. Diese Harmonie konnten sie auch am Musikclub Lembach Open Air gut vermitteln.

Headliner des Abends waren die Jungs von Erwin & Edwin. Mit Songs wie „Wien“ oder „Nudlsuppn“ haben sie schon vor Jahren in der österreichischen Musiklandschaft den Durchbruch geschafft. Dies merkt man nicht nur an ihrer Professionalität auf der Bühne, sondern auch bei dem großen Besucherandrang. Die Kälte war bei dem Electro-Brass schnell vergessen. Da wurde im oberen Mühlviertel nicht nur zu den bekannten Songs wie „Freddy“ oder „Monster“ getanzt, sondern zum gesamten Set. Was unsere Meinung neben der guten Musik der Band noch gelobt gehört, ist die Lichtshow: fein inszeniert unterstrich die nämlich Musik perfekt. Im „Gwölb“ ging es dann mit Mad Tribo, ebenfalls aus Peru, weiter – wo man sich aufwärmen konnte bzw. bis zu den frühen Morgenstunden abfeiern konnte.

Samstag

Samstag. Same Time, same Location. Mit einer kleinen Ausnahme: es war noch kälter als am Vortag, und auch noch nässer. Wiederum einziger Kritikpunkt: Glühwein gabs auch am Samstag keinen. Macht aber nix. Denn musikalisch hatte der zweite Festivaltag für die unerschrockenen und wetterfesten Besucher einiges zu bieten. Den Anfang zu früher Stunde machten dabei FLUT. Es gibt wohl wenige Bands, wo Falco nicht im Grab rotiert, wenn ein Song von Österreichs Finest gecovert wird. Kein Wunder, wirken die Jungs doch so, als wären sie Herrn Hölzl noch persönlich begegnet. „Sterne“, „Linz bei Nacht“ – die Band hat sich schon 80er-Ohrwürmer zugelegt, die man nurmehr schwer aus den Gehörgängen bringt. Ein paar Unterschrockene fanden sich dann auch schon vor der Bühne ein – auch wenn FLUT sich definitiv schon größeres Publikum verdient hätten!

Der Salzburger Rapper Scheibsta ist gemeinsam mit seinen Buben auf hiesigen Festivals schon lange kein Unbekannter mehr. „Schlecht drauf“ war die Meute in Lembach nicht – und jeder Artist, der es schafft, einen Track über Vasektomie, Beckenrandschwimmer und Krautacker so zu freestylen, dass es nicht komplett daneben klingt, hat definitiv was drauf. Bei arktischen Temperaturen der ideale Act, um bei dem einen oder anderen Gerstensaft wieder mal Blut in alle Extremitäten fließen zu lassen.

Weiter ging es dann mit Südtiroler Gästen. Mainfelt hießen die – oder anders formuliert: würden Mumford & Sons aus Südtirol stammen, sie würden Mainfelt heißen. Was das musikalisch bedeutet? Folk-Rock, tanzbar, kommt beim Publikum gut an – ideal also zu dieser späteren Uhrzeit. Stilecht wird die Zugabe dann auch im Publikum performt: glückliche Gesichter überall, sowohl im Publikum als auch bei den Artists selbst. „Backwards around the sun“ heißt das neue, aktuelle Album der Band. Eine Band, wo definitiv Potenzial vorhanden ist.

Den Abschluss auf der Open-Air-Bühne durften dann die Linzer Hip-Hop-Veteranen von Texta geben. Noch ohne den noch immer rekonvaleszenten Huckey, dafür mit den S.K. Ambassadors rund um Band-Mastermind Steph Kondert im Gepäck. Überraschend viele waren nach dem für viele wohl das Highlight darstellenden Mainfelt noch geblieben – verstärkt mit Average, der danach auch indoor noch solo performte, wurde wie immer eine gute Show geboten. Auch Averages Tracks „Jetzt mal unter uns“ und „Ça va ça va“ kamen sehr gut an, die Texta-Tracks sowieso. Auch das Mühlviertler Kraut soll in der Nähe von Lembach angeblich ganz gut wachsen. Schade nur, dass das technisch nicht so wirklich gut klang. So waren die Vocals leise bis schwer verständlich – und man verstand am Klowagen vor dem Gelände mehr als direkt vor der Bühne. Schade – aber das soll einen gelungenen Festivalausklang, der, wie erwähnt, von Average indoor beendet wurde, nicht schmälern!

Ein buntes Potpourri an Acts, viele verschiedene Genres, wirklich fairer Bierpreis, und leidenschaftliche Veranstalter – das zeichnet das Lembacher Musikclub-Open-Air seit Jahren aus. Bis zum nächsten Jahr!

 

 

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