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Das erste Konzert des Jahres: Sluff

Irgendjemand muss ja immer der Erste sein. Wir kennen das von Warteschlangen in Bars, deutschen Touristen samt Handtuch am Strand, und notorischen Frühaufstehern, die uns Morgenmuffeln den Tag gleich in der Früh vermiesen. Doch auch ein „Erstling“ des Jahres 2019 hat sich bei uns eingeschlichen: die Wiener Indie-Kapelle Sluff war zu Gast in der KAPU, um die dortige Konzertsaison zu eröffnen. Gemeinsam mit der Linzer Formation Rooms ein Abend, der musikalisch nicht den obigen Klischees entsprochen hat. 

Die Vorzeichen für ein Konzert? Schwierig, wenn man Linz kennt. Immerhin ist der Linzer Konzertgeher fast schon überfordert, wenn zwei Zentimeter Schnee auf den Gehwegen liegt und die Temperaturen rund um den Gerfrierpunkt angesiedelt sind. Gute 30 unerschrockene Indie-Fans hatten aber trotzdem den Weg in die KAPU gefunden, um das erste Konzertbier des Jahres dort zu vernichten. Schließlich hatten die lieben Leute von Pleite&Planlos zur Saisoneröffnung geladen.

Zu Gast als Support, nachdem der zweite, Mekongg, krankheitsbedingt absagen musste: Rooms. Die Linzer Formation hat Einiges an Tüftelei hinter sich, bis Ende November des vergangenen Jahres die EP „Ardour“ – ja, sogar noch auf CD – erschienen ist. „Ardour“ könnte man frei übersetzt als „Eifer“ bezeichnen – ein Titel, der wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge auf die Band passt. Spielereien mit Synthies, Ausflüge in „klassischere“ Rock-Gefilde, eine tanzbare Nummer im Publikum. Schließlich war ja Samstag, oder?! Eine talentierte Band, der der Rückzug und die Tüftelei hörbar gut getan hat, die musikalisch absolut auf der Höhe ist, und die es sich zu entdecken lohnt.

Als Gäste hatten sich danach noch Sluff aus Wien eingefunden. Nach, nona, wetterbedingt etwas längerer Anreise (aus Verona!) hat sich auch das Gitarrenpad ein bisserl verkühlt gehabt. Macht ja nix – gehört ja zu einer Live-Show dazu. „On Debris“ heißt das aktuelle Werk, auf Trümmern. Trümmer, auf denen Sluff eine Indie-Platte geschaffen hat, deren Sound angenehm wohltuend klingt, für Fans des Genres. Dass die in Linz nicht immer zahlreich erscheinen müssen, wissen wir zur Genüge. Dennoch kann man bei einer Sluff-Live-Show Spaß haben, als Indie-Head sowieso. Sluff erfinden das Genre nicht neu, mischen Slack-Attitüde aber gekonnt mit zeitgenössischerem (gibt es das in dem Zusammehang überhaupt) Indie-Rock-Elementen. Heraus kommt dabei eine Band, die man hierzulande wohl so nicht erwarten kann, und sicher auch nicht so oft findet. Umso schöner, wenn man sich nach einem Konzert dann als einer der Auserwählten fühlen kann, die die Band mal live gesehen hat. Denn Sluff machen durchaus Spaß – ein bisserl Utopie und Melancholie gibts gratis dazu. Zutaten für eine Platte, der man durchaus eine Chance geben sollte – und nach dem Genuss des Konzertes schmeckte auch das Bier in der KAPU gleich noch besser!

Foto: Christoph Thorwartl

 

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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