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Eule: ein mehr als solides Konzert!

Eule – den meisten wird Jazzy Gudd  allerdings als weniger als Musikerin auf, sondern eher von den TV-Bildschirmen bekannt sein. Dass der Spagat zwischen TV und Bühen schaffbar ist, wurde am vergangenen Freitagabend im Linzer Posthof bewiesen. Denn Jazzy Gudd alias Eule lieferte ein Konzert ab, das man durchaus in sein musikalisches Herz schließen konnte. 

Bereits im Vorjahr war Eule im Rahmen von „Musik an, Welt aus“ im Linzer Posthof zu Gast – damals vor einem Publikum, das in etwa der Hälfte der gut 400 Leute entsprochen hatte, die am Freitag den Weg in den mittleren Saal des Kulturspots im Hafen gefunden hatten. „Lauter“ ist der Titel der aktuellen Tour – und das kann man wörtlich nehmen. Denn „Laut“ ist die Stimme Jazzy Gudds allemal – und nein, das ist in diesem Fall in einem absolut positiven Sinne gemeint. Aber erst mal der Reihe nach.

Denn auch den Support sollte man hier an dieser Stelle erwähnen. Ela. hieß der, und auch die gute Dame ist keine Unbekannte. Die – mittlerweile – Berliner Künstlerin hat mit „Scharade“ bereits einen Achtungserfolg am Start – zumindest die ersten paar Reihen im Linzer Posthof zeigten sich ungewohnt textsicher. Das Singer/Songwriter-Format erfindet Ela. zwar mit Sicherheit nicht neu, aber für Viele im Saal dürfte sie wohl eine der ersten Berührungspunkte mit dieser Zunft gewesen sein. Alleine dafür: thumbs up. Auch thumbs up an Eule – beim Opener des Supports als Begleitung auftreten macht nämlich auch nicht jeder.

Gekommen war der Großteil dann aber doch, nona, wegen Jazzy Gudd. Zu erkennen, wie sooft, an der inflationär ansteigenden Zahl blinkender Smartphones, die während des Konzertes stilsicher eingesetzt wurden. Am Weltfrauentag (dann doch zur Performance passend) bringt Jazzy Gudd dann auch die passenden Parolen: zu sich selbst stehen, Smartphones (zumindest für einen Song) in der Tasche stecken lassen, Äußerlichkeiten nicht zu wichtig nehmen – und sie drückt nebenbei natürlich poptypisch auf die Emotionsdrüsen, wenn schmerzhafte Trennungen musikalisch aufgearbeitet werden. Dazu eine Begleitband, die sichtlich Spaß auf der Bühne zu haben scheint, einige Ausblicke in ein noch nicht näher terminisiertes neues Album, und mit „Musik an, Welt aus“ natürlich ein Höhepunkt für alle Fans in der zweiten Konzerthälfte. Man könnte jetzt natürlich meckern: ja, brandneu ist das nicht. Ja, innovativ bis zum Gehtnichtmehr vielleicht auch nicht. Man kann es allerdings auch als das sehen, was es war: ein musikalisch grundsolides Konzert, eine Künstlerin, die definitiv nicht auf die sprichwörtliche Schnauze gefallen ist, und ein Konzert, das Fans nicht nur ob der Autogramme danach zufrieden zurückgelassen hat. Und ja, liebe Eule: wir waren das, die im letzten Jahr die „Mittelfinger-Performance“ kritisiert haben. Angesichts eines angenehmen Konzertabends ist uns das dieses Mal aber, ganz klar österreichisch, einfach mal wurscht. Nach dem Ausstieg bei „Berlin Tag & Nacht“ wäre dann ja genug Zeit für das neue Album vorhanden, oder?

Foto: Christoph Thorwartl

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eishockeyfan. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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