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Before Us All: Deception

Sechs Jahre sind ins Land gezogen, seit Before Us All ihr Debütalbum „Revelations“ veröffentlicht hat. Mit „Deceptions“ hat die Ennser Metalcore-Band nun ein Nachfolgewerk am Start, das ihr bisheriges Schaffen nochmal in allen Belangen toppt.

Von den Offenbarungen zur Täuschung. Nomen ist in diesem Fall aber nicht Omen, denn „Deceptions“ bietet metallische Kost am Puls der Zeit und setzt sich allen voran mit den Tiefen menschlicher Abgründe und Gesellschaftskritik auseinander. Before Us All haben sich nach dem Ausstieg von Gitarrist Thomas Halbmayr dazu entschieden, als Trio weiterzumachen. Der verbliebene, eingeschworene Haufen aus Michael Morawetz (Vocals/Gitarre), Christoph Berger (Drums) und Thomas Roithmayr (Bass) hat lange und akribisch an diesem Album herumgetüftelt, wurde durch die jahrelange Arbeit vielleicht noch enger zusammengeschweißt. Eine starke Einheit mit Hang zum Perfektionismus könnte man sagen. Auch in der Qualität der Produktion ist nochmal ein großer Sprung nach vorne gelungen.

Das Songmaterial auf „Deceptions“ präsentiert sich abwechslungsreich quer durch den Metal-Gemüsegarten. Unter dem Stempel „Metalcore“ bekommt man hier Einflüsse von Thrash („Broken Boned“) bis Melodic Death („Sequences“) präsentiert, ja ich meine gar eine Prise Nu Metal („King“) herausgehört zu haben. Im Gegensatz zu einigen Genrekollegen bekommt man hier keine generischen Breakdown-Orgien im Wechselschritt mit Autotune-Refrains präsentiert. Klar, Before Us All können auch Breakdowns, setzen sie aber eher dezent und stilvoll ein. Auf cleane Gesangsparts verzichtet die Band auf diesem Album übrigens gänzlich.

Die Songs sind größer als ihre einzelnen Bestandteile, wirken perfekt durcharrangiert und ausgewogen. Ganz große Überraschungen bleiben aber aus. Es sind eher vereinzelt Momente, meistens wenn man mit athmospärischen Elementen spielt, wie etwa bei der okkult klingenden Gesangspassage im Mittelteil von „King“, dem Ende von „Psychopath“, oder wenn der Bass plötzlich richtig schön scheppernd aus dem Mix ausbricht wie in „On Our Own“ und „Hate World“. Wer übrigens nach dem Hit der Platte sucht, sollte meiner Meinung nach, gleich mal bei „Hypocrisies“ ein Ohr riskieren.

Before Us All haben hier ein Album geschaffen, dem man den langen Entstehungsprozess und die Liebe zum Detail anmerkt und das man definitiv am Stück hören sollte, denn dann entwickelten die fein eingestreuten Details und das abwechslungsreiche Songwriting am besten ihre Wirkung. Metalheads, spitzt eure Ohren! Die Ennser „BUAm“ sind mit neuem Material am Start und ihr solltet diese Platte unbedingt antesten.

TRACKLIST
01. Insanity
02. Confessions
03. Hypocrisies
04. Self Destruct
05. Broken Boned
06. Sequences
07. On Our Own
08. Hate World
09. A Failed Generation
10. King
11. Psychopath

VÖ: 27.09.2019, self-released
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Schreibt Albumrezensionen, Konzertberichte und führt gerne Interviews - transkribieren tut er diese aber weniger gern. Immer wieder auch für Blödsinnigkeiten abseits seines Kerngebiets "Musik" zu haben. Hosted einmal monatlich die Sendung "Subtext on Air" auf Radio FRO, ist bei mehreren Kulturinitiativen und in einer Band aktiv.

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