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Anna Katt: ein bisschen mehr Schwedisch gefällig?

Aus der Linzer Musikszene schon einige Jahre lang nicht mehr wegzudenken ist das Trio Anna Katt. Stefan und Kristina Lindberg sowie Manu Mitterhuber haben mit „Skymning“ ihr drittes Album am Start, das die nicht nur musikalische Heimat der Frontfrau, Schweden, noch stärker in den Vordergrund stellt als die Vorgänger.

Im Interview mit Stefan und Kristina Lindberg sprechen wir über Wurzeln, Yoga-Stunden und Auftritte in den Kammerspielen.

subtext.at: Ein einfacher Einstieg für mich: gibt es etwas, das euch mittlerweile auf diesem Album überhaupt nicht mehr gefällt?
Kristina Lindberg: Überhaupt nicht? Nein, sonst wärs sicher nicht auf der Platte gelandet. Gibt es bei dir etwas, das dir nicht gefällt, Stefan?
Stefan Lindberg: Das ist alles nicht am Album, was uns nicht gefällt. Das ist wahrscheinlich mehr Material, als es am Album selber gibt (lacht).

subtext.at: Also gibt es keine B-Seite zu „Skymning“?
Stefan: Nein – wir haben relativ lang am Album gefeilt, und die 11 Songs darauf sind übrig geblieben. Das ist für uns eine gute Compilation, glaube ich.

subtext.at: Als ich den Pressetext zum Album bekommen habe, habe ich kurz lachen müssen, als ich den Satz „Ein Hauch Schwedisch“ lesen konnte – und das wars. Dieser „Hauch Schwedisch“ ist schon stärker vorhanden als auf den Vorgängern – warum eigentlich?
(lachen)Kristina: Weil es für mich immer wichtiger wird. Weil es für mich etwas Besonderes ist, auf Schwedisch zu schreiben. Und wir immer auch wieder gutes Feedback im Livekontext bekommen, wenn es um die schwedischen Nummern geht. Wir haben lange drüber nachgedacht, warum – vielleicht schaltet man die Sinne während einem Konzert eher aus, wenn man nicht alles versteht.

subtext.at: Stichwort „nicht alles verstehen“ – ich gehe mal davon aus, dass viele eurer Besucher auf Konzerten eher nicht des Schwedischen mächtig sind….
Kristina: Wir wollen ja auch weiter nach oben, also geografisch (lacht)…
Stefan: Wer versteht denn auch wirklich Englisch? (lacht)…

subtext.at: Wie schwierig ist es, Inhalt und Emotionen zu transportieren, in der Gewissheit, dass das Publikum sowieso nichts versteht?
Kristina: Ich war lange skeptisch, das ursprünglich überhaupt zu machen. Da haben mich Stefan und Manu ermutigt, auf Schwedisch zu schreiben. Mittlerweile gefällt mir das ganz gut – auch, weil es eine Hörerschaft in Schweden gibt, wenn auch vielleicht nicht ganz so groß.
Stefan: Ich glaube schon, dass, wenn wir schwedische Nummern probieren, es von Vornherein einen eigenen Klang gibt. Auch, wenn man so wie Manu und ich die Sprache ja auch nicht so kennt. Ich glaube, man hört mehr hin.

subtext.at: Tut euch ihr beide auch schwerer, Songs auf euren Instrumenten zu spielen, die auf Schwedisch eingespielt werden?
Stefan: Überhaupt nicht. Mit den Backing Vocals wirds halt schwierig (lacht).
Kristina: Wobei: Stefan versteht ja auch sehr viel Schwedisch, er ist halt kein aktiver Schwede (lacht). Mittlerweile haben wir aber auch schon Chorgesänge probiert.
Stefan: Die müssen wir aber noch üben (lacht).

subtext.at: Beim ersten Mal Durchhören wirkt, ohne direkt auf die Inhalte einzugehen, „Skymning“ um einiges fröhlicher als die Vorgänger „Blue or Grey“ und „Till en vän“. War das absichtlich so geplant?
Kristina: (überlegt) Ja, wir haben es schon probiert, ein bisschen fröhlicher zu sein. Nicht unbedingt ganz gezielt, aber einfach auch aus dem Wunsch heraus, mehr Bewegung reinzubringen.
Stefan: Nach zwei eher sehr reduzierten Alben, die ziemlich düster waren, haben wir uns schon überlegt, aus der Komfortzone ein bisschen auszubrechen. Getreu dem Motto, dass wir auch Instrumentierungen verwenden wollen, die es auf den ersten beiden Platten halt nicht gegeben hat. Mit anderen Tempi, neuen Instrumentals – einfach dass man auch etwas mehr gefordert wird.

subtext.at: Hin zum Inhaltlichen – das ist entgegen der fröhlichen Grundstimmung manchmal schon auch fast depressiv. Dieser Spagat von Fröhlichkeit und Depression – wie leicht fällt euch der?
Stefan: Es macht natürlich Spaß, die Zuhörerschaft ein bisschen in die Irre zu führen. Ein paar Kritiken meinen halt, dass Ukulele-Tracks immer fröhlich klingen. Dann hat man sich halt den Text nicht zu Gemüte geführt. Man wird kurz verführt, aber eigentlich sind die Texte schon verdreht. Das macht schon Spaß, dass Text und Grundstimmung nicht unbedingt zusammenpassen?

Foto: Lukas Beck

subtext.at: Also auch ein Grund, warum einige Nummern auf Schwedisch sind?
Stefan: Nein.
Kristina: Nein, das hat sich so ergeben. Wir haben ein bisschen umstrukturiert und sind anders an die Sache herangegangen. Über einige Tage, wo wir wirklich zu dritt die Sachen arrangiert haben. Für uns waren Tracks wie „Skymining“ von Vornherein auf Schwedisch.

subtext.at: Schreibt ihr die Songs von Vornherein in der jeweiligen Sprache, also Schwedisch oder Englisch?
Kristina: Das entsteht. Je nachdem – wir haben ja auch noch eine vierte Person, die mit uns Songs schreibt, und der auf Englisch schreibt. Ich selber schreibe auch auf Englisch, aber einige Songs sind nicht von mir. Schwedische Songs kommen aber von Vornherein in dieser Sprache.

subtext.at: Diese Platte, „Skymning“, releast ihr schon wie den Vorgänger in den Linzer Kammerspielen. Eine Location, an die man wohl nicht zuerst denkt, wenn man an Konzerte denkt. Etwas ironisch gefragt: glaubt ihr, dass ihr fast schon ein bisschen in Richtung Chamber-Pop geht und damit in ein solches Setting besser passt als auf eine „klassische“ Konzertbühne?
Kristina: Ja, die Erfahrung haben wir gemacht, dass das wir auf Theaterbühnen oder in Wohnzimmern gut funktionieren. Gerade die Mischung aus lauteren und leiseren Elementen kommen da gut zur Geltung. „Klassische“ Bühnen funktionieren zwar auch, aber erfahrungsgemäß weniger gut.
Stefan: Das Programm ist relativ filigran, und es ist wohl besser, wenn man sich bei einem Konzert von uns hinsetzt und zuhört (lacht).

subtext.at: Also je filigraner, desto eher auf einer Theaterbühne?
Stefan: Ich glaube, dass unsere Musik im Sitzen besser funktioniert. Wir waren ja von Anfang an der Meinung, dass wir eher „Sitzmusik“ machen. Es wird eher nicht zum Tanzen.
Kristina: Man könnte ja auch im Posthof bestuhlt releasen, wäre ja auch eine Möglichkeit (schmunzelt).
Stefan: In den Kammerspielen fühlt man sich dann halt wie in einem großen Wohnzimmer (lacht).

subtext.at: Am Tag zuvor spielt ihr allerdings auch etwa im Rockhouse Salzburg…
Stefan: Stimmt, schon ein bisschen ein Bruch. Das ist sogar im Saal (lacht). Das ist quasi im Paket mit zwei Salzburger Bands – aber es ist auch geplant, da die Konzerthalle eher auf „gemütlich“ umzudekorieren (lacht).

subtext.at: Bleiben wir gleich mal beim Live-Spielen. Von Wohnzimmerkonzerten bis zu den Kammerspielen und regulären Shows spielt ihr ein sehr breites Repertoire. Provokant gefragt: spielt ihr eh alles? Oder gibt es für euch etwa, wo Anna Katt nicht funktioniert?
Stefan: Überall dort, wo es einen Grundpegel gibt. In Räumlichkeiten wie einer Bar macht es wenig Sinn, wenn die Leute sprechen. Da funktioniert die Musik nicht – man muss ihr die Möglichkeit geben, hinzuhören. Überall, wo hoher Grundpegel herrscht, werden wir grandios scheitern (lacht).

Foto: Peter Philipp

subtext.at: Ihr werdet euch eher in den Norden hin orientieren, oder? Je weiter nördlich, desto eher werdet ihr verstanden. Wie ist es, wenn man etwa in Regensburg und Kopenhagen spielt, und die Leute von einem auf den anderen Tag alles verstehen?
Kristina: Ich mag das schon, ehrlich gesagt. Ich stehe ja auch hinter den schwedischen Texten, das sind ja keine erfundenen, inhaltslosen Geschichten. Es sind Texte und Themen, die mir extrem nahe stehen. Wir haben im Sommer jetzt einige Konzerte in Schweden gespielt, und es ist lustig, wenn man mit dem Publikum dann auch auf dieser Sprache kommunizieren kann. Auch wenn manchmal dann ein deutscher Satz rauskommt (lacht). Aber ich versuche natürlich, das zu verbinden.
Stefan: Wobei man schon das Gefühl hat, dass du nervöser bist, wenn die Leute dein Schwedisch verstehen.
Kristina: Weil es natürlich auch ungewohnt ist, wenn man relativ wenige Konzerte dort spielt.

subtext.at: Auf euren Social-Media-Kanälen kann man neben klassischen Band-Inhalten auch oft das Thema „Yoga“ erkennen. Was hat es damit auf sich?
Kristina: Naja, ich arbeite als Yoga-Lehrerin. Das hat sich so ergeben, dass dort, wo ich meine Ausbildung gemacht habe, wir beide das erste Mal in einem solchen Setting live gespielt haben. Und wir haben gemerkt, dass das relativ gut funktioniert. Wir machen das auch immer wieder, dass wir Yoga-Stunden live begleiten, das ist ein super Publikum (lacht). Wir haben da auch schon eine relativ große Hörerschaft. Wir singen aber keine Mantras oder sowas (lacht).
Stefan: Wobei man schon dazu sagen muss, dass der Manu definitiv kein Yogi ist. Der hat damit eher garnix am Hut (lacht).
Kristina: Es entstehen lässige Sachen – wir waren damit schon in Korea. Das taugt mir, und unsere Musik wird dann dort gespreadet, wo sie es sonst nicht wird.

subtext.at: Ich möchte noch ganz kurz wieder zu den Inhalten kommen. Wie kommt ihr zu den „depressiven“ Themen, gibt es da schon Gedanken dahinter, um dieser Gedanken in fröhliche Musik einzubinden?
Stefan: Es ist eine Ausdrucksform. Kristina ist tendenziell ein fröhlicher Mensch, und ich glaube, dass es ein Filter für dich ist, wie du Inhalte am besten kommunizieren kannst. Das ist ja auch legitim.
Kristina: Ja, stimmt.

subtext.at: Meine Standardfrage zum Schluss, passt sogar relativ gut, und letztes Mal habt ihr sie nicht beantwortet: was soll mal auf eurem musikalischen Grabstein stehen?
Kristina: (überlegt) Lass uns weiterleben.
Stefan: Für die ruhigen Stunden im Leben. Das nehmen wir (lacht).


„Skymning“ ist am 27.09. auf Winterland Recordings/Hoanzl als CD, LP und digital erschienen. 

Live-Termine
8.11.2019 Rockhouse Salzburg
9.11.2019 Kammerspiele Linz
13.11.2019 Wohnzimmer Bayreuth
14.11.2019 Hotel LUIS Regensburg
15.11.2019 TAG – Theater an der Gumpendorfer Straße, Wien
13.12.2019 Stromboli, Hall

Titelfoto: Robert Josipovic

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eishockeyfan. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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