Musikpavillon Linz: Saisonabschluss für den guten Zweck

Eigentlich schließen die Pforten des Linzer Musikpavillons auch in Nicht-Covid-Zeiten Ende August. Eigentlich – denn am vergangenen Freitag erlebte die wohl idyllischste Location der Linzer Innenstadt noch einmal ein Revival. Zugunsten des Vereins Braveaurora performten drei Bands ohne Gage, dafür mit umso mehr Engagement. 

Gigs? Selten! Gigs, wo man auch noch ein Bier für den guten Zweck trinken darf? Anno 2020 noch seltener. Am vergangenen Freitag im Linzer Musikpavillon kam der geneigte Musikgenießer noch ein- und damit wohl zum letzten Mal heuer in den Genuss eines Open-Air-Konzertes.

Den Anfang des Abends machte Bernhard Schnur. Der hatte sein neues Album (ja, EIN neues Album!) dabei, ein Post-It als Setlist und ab der zweiten Hälfte dann auch ein Schnapserl, um die Stimmung ein bisschen aufzulockern. „Return Of the Bees“ heißt das, kann den Britpop nicht wirklich verleugnen, und driftet auch manchmal ein bisserl ins Experimentielle und Psychedelische ab. Political Message inklusive. Nicht jedermanns Sache – uns hats gefallen!

Etwas länger begleiten uns auch schon Call Me Astronaut. Die Band aus Linz hatte heuer schon mal im Musikpavillon gespielt, und am vergangenen Freitag das Vergügen, das im Gegensatz zu Gig #1 nicht im strömenden Regen tun zu müssen. „Drowinig In Champagne“ heißt das Album, das im Jahr 2018 das Licht der Musikwelt erblickte. Alte Songs, die es aufs Album geschafft haben („Champagne Drag Queen“) und Neueres wechseln sich gekonnt ab, und nicht von ungefähr zählen Call Me Astronaut zu den umtriebigsten Bands der Stadt. Gerne wieder mal in „gewohntem“ Konzertsetting.

Danach: eine Band, die wohl auch die wenigen Hotelgäste im benachbarten Arcotel mitgekriegt haben. Ozymandias bewiesen, dass die Linzer Stoner-Kapelle kein „Piece Of Cake“ ist. „All Pigs Must Die“, „It Is What It Is“, „Jelly Beans“ – natürlich wurde kein Song ausgelassen, der auf „Cake“, dem ebenfalls im Jahr 2018 erschienenen Album, musikalisch verewigt wurde. Special Mention an die beiden Hotelgäste im ersten Stock, die die ganze Minibar während des Konzertes geleert haben dürften. Musikalisch sind Ozymandias eh zu den Darlings der subtext.at-Redaktion gewachsen, im Sitzen ist das dann halt noch immer ein wenig surreal. Aber was ist 2020 in der Musik- und Realwelt nicht surreal? Insofern: danke, dass überhaupt was stattfindet. Denn sonst wird die Welt ohne Kultur, Musik, Expression und kritischem Denken auch nach der Pandemie so, wie wir sie nicht wollen: fad!

Fotos: Christoph Leeb

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geschrieben von

Musik-Nerd mit Faible für Post-Ehalles. Vinyl-Sammler. Konzertfotograf mit Leidenschaft. Biertrinker. Eishockeyfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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