Foto: Lisa Trost

Leftovers: “I KO NIMMA” – Die Album Release Party

Hört sich an wie guter Sex.“I ko nimma” stöhnte es am 30.10.2022 im Fluc in Wien durch die Menge, wenn die LEFTOVERS eine kurze Pause bei ihrer brachialen Show einlegten.  

Aber mal zurück zum Anfang. Gegen 19:30 füllte sich der Platz am Praterstern. Ob die vorbeigehenden Passanten anhand der großflächig verteilten, punkigen Menge schon ahnten, was hier gleich passieren wird, bleibt offen. Ein buntes Gemisch an Jugendlichen, inklusive ein paar Eltern, sammelten sich vor dem Fluc. Zum Einlass hin schloss sich die beeindruckende Warteschlange schon fast mit der 20m entfernten Würstelstandschlange zusammen. Aufregend. Das Fluc gehört zu den Lokalitäten in Wien, die man als Laie wahrscheinlich als Szenelokal bezeichnen könnte. Sprich Underground-Party Flair, gute Bierpreise und fast keine Klos. Los geht’s.

HONESTLY, THE WORST

Vier schöne Menschen betreten die Bühne, jedoch noch nicht die LEFTOVERS, sondern die Vorband HONESTLY, THE WORST. Der Einstiegs-Song ließ vermuten, dass jetzt progressiver Punk/Rock durch den Club schallt, jedoch änderte sich das mit der zweiten Nummer massiv. Die englische Lyrik knallte mit einer attraktiv-schrillen Stimme gegen die Trommelfelle der Besucher*innen. Dieser dann klassische, englische Punkrock ließ die Menge toben. Ein “Ohrgasmus” als Warm-Up – sehr fein. 

LEFTOVERS

Mit 16, sagte ich still, Ich will, will alles oder nichts – Hildegard Knef’s Stimme eröffnete die Bühne für die LEFTOVERS. Wirklich geil. Der Gitarrist mit Wilde Kerle Shirt, der Sänger mit Hemd und Krawatte, die Bassistin im Netz-Shirt und der Schlagzeuger oberkörperfrei mit abgeklebten Nippeln. Mit dieser spannenden Ästhetik, welche etwas an Måneskin erinnerte, lud die Band mit dem ersten Song Wiener Schule aus dem neuen Album “KRACH” zum Ohrenschmaus. Jetzt ging es richtig los. Mosh-Pits, Gebrüll und Ekstase ließ das Fluc beben. Alle Tracks aus dem neuen Album wurden gespielt, inklusive komplett neue Nummern wie beispielsweise Kalt?. Auch My oh My aus der alten EP durfte man nochmal erleben. Grandios für ein Album Release und für Publikum, welches eventuell noch nicht alles von den LEFTOVERS gehört hat. Bei dem neuen Track Schizo kam sogar noch ein Saxophon Spieler auf die Bühne, was für eine schöne Abwechslung im Punkrock sorgte. Als dann von Fans mitgebrachte Blumen von der Bühne ans andere Ende der Crowd durchgereicht wurden, “bondete” das ganze Fluc und Blumen dröhnte aus den Lautsprechern. Auf der Bühne wurde sich Bier geteilt, in der Menge ein paar Wasserflaschen und literweiße Schweiß. Es dampfte im Raum und die Fenster zum Backstage beschlugen sich. Angst, Kinderzimmer, Tokyo – What the Fuck. Es schien als gäbe es keine Ende und es wurde immer heißer und verrückter. Am Ende konnte man dem Publikum deutlich entnehmen, dass es gefallen hat und dass die Band definitiv wieder einmal einen ordentlichen Eindruck hinterlassen hat. Einfach Klasse, was diese junge Menschen an Power haben.

FAZIT

Ein paar kleine musikalische Patzer waren dabei, aber gehört wahrscheinlich bei einem Release dazu und hat auch niemanden im Mosh-Pit gestört. Gute Crowd-Control hatten die LEFTOVERS auch. Das führte hin zu einem kollektiven Boden-Rudern und Crowd Surfing Versuche. Etwas Mosh-Pit Awarness hätte man sich eventuell gewünscht, da ein paar Mal jemand zu Boden ging. Das sollte sich aber bis zum nächsten Gig lösen lassen. Schlussendlich kann man sagen: Ein ganzer Abend voller richtig geiler Livemusik und tollen Publikum – Danke dafür. 

PS: Wer die LEFTOVERS auch mal in Linz live erleben möchte, sollte am 5.11.2022 in die STWST in Linz kommen.

Foto: Lisa Trost

Kunst - und Kulturliebhaber, Nachtschwärmer, der Typ von @mupakmagazine