AWOLNATION: „Wir sind ein Three-Hit-Wonder“

Nicht erst seit „Sail“ ist AWOLNATION wohl eine der angesagtesten Alternative-Bands unserer Zeit. Ausverkaufte Shows, extatisches Publikum, und eine Unverwechselbarkeit, wie es sie heute selten gibt. Nebenbei ist Aaron Bruno, Frontmann und Gründer der Band, ein sympathischer Zeitgenosse, wie wir im Interview feststellen durften, nachdem wir ihn im Rahmen seiner Österreich-Tour vor das Mikrofon gebeten haben.

subtext.at: Drei Worte zum Konzert gestern?

Aaron Bruno: Schwere Frage, ehrlich gesagt. Eine wundervolle, erinnerungswürdige Erfahrung.

subtext.at: „Eine wundervolle, erinnerungswürdige Erfahrung.“ Gibt es auch ein Konzert, wo dies nicht der Fall war?

Aaron Bruno: Ähm, ja, das kommt natürlich auch immer wieder mal vor (lacht). Also Shows, die jetzt, gelinde gesagt, „nicht so gut“ laufen. Da versucht man dann, das beste draus zu machen. Aber noch überwiegt die Freude, überhaupt vor irgendjemandem spielen zu dürfen. Solange da draußen zumindest 40 Leute stehen, gibt es nichts, worüber ich ich beschweren könnte. Mit dieser Einstellung habe ich gelernt, dass die Erwartungen nicht zu hoch gestiegen sind. Das macht es dann auch einfacher, dass die Shows immer besser und besser werden. Ich habe ja auch schon vor 4-5 Leuten gespielt. Das war wahrscheinlich auch ein Training dafür, auch mit weniger zufrieden zu sein – auch wenn wir jetzt in großen Hallen spielen können.

subtext.at: Wenn ich „AWOLNATION“ google, dann kommt als erstes, dass die Band „konventionelle Kategorien betrügt“. Würdest du dem so zustimmen?

Aaron Bruno: Ich glaube nicht, dass wir diese „Kategorien“ betrügen, aber unkonventionell sind wir schon. Das war natürlich das erste, als die Platte fertig war, dass die Leute in der Pressearbeit fragten, wie wir denn den Sound beschreiben würden. Oder welches Genre wir denn seien. Ich glaube, dass wir „Alternative“ sind, und das in seiner ursprünglichsten Form – nämlich alternativ zu all dem, was es schon gibt. Alle meiner Lieblingsbands hatten das auch an sich, sich nicht auf eine Konvention zu versteifen – und ich glaube auch, dass es gut für uns ist, das auch nicht zu tun.

subtext.at: Als ich über deine vorherige Band, „Under the Influence of Giants“, gelesen habe, sagtest du mal, dass die Band „zu Indie für Pop, und zu Pop für Indie“ war. Ist das der Grund, warum AWOLNATION etwas mehr in die rockige Richtung geht?

Aaron Bruno: Naja, ich habe ja schon einige Bands hinter mir. Meine erste Band war eine Hardcore-Punk-Band, da hab ich schon eher was „Aggressiveres“ gemacht. Danach kam „Under the Influence of Giants“, das ging mehr in die Soul-Richtung. Da habe ich gelernt, ein besserer Sänger zu werden. Nicht dass ich behaupten würde, ein guter Sänger zu sein. Aber besser bin ich dabei geworden (lacht). Auch über den ganzen Schaffensprozess habe ich in dieser Band viel gelernt. Nachdem sich „Under the Influence of Giants“ dann aufgelöst haben und AWOLNATION gestartet wurde, habe ich dann auch fast alles selbst gemacht. Vorher habe ich dazu nicht den Mut gehabt – ich hatte ja ursprünglich auch noch immer andere Leute in der Band. AWOLNATION ist also die Vereinigung all dessen, was ich vorher gemacht habe. Es ist, was es ist – die Leute mögen das anscheinend.

subtext.at: Du hast gerade gesagt, dass AWOLNATION quasi die Spitze des Eisberges von all dem, was du vorher gemacht hast, ist. Wie schwer war es, wieder eine Band aus dem Nichts aufzustellen?

Aaron Bruno: Nicht so schwer, die Songs hat es ja schon gegeben. Am schwersten ist es, sich auf das Drumherumuntereinander zu einigen. Da will der Bassist gelbe T-Shirts machen, und der Drummer wieder schwarze. Dann glaubt wieder jemand, dass man die Gitarre so oder so spielen muss. Nachdem aber die Songs schon fix und fertig waren, war es nicht mehr so schwer. Wir kommen aber untereinander noch überraschend gut aus.

subtext.at: Eine Freundin von mir hat über AWOLNATION gesagt, dass ihr ein wenig nach „Nine Inch Nails“ klingt? Schmeichelt dir das, oder ist das einfach etwas, das passiert?

Aaron Bruno: Naja, mit Nine Inch Neils verglichen zu werden ist ja schon was. Ich nehme das natürlich als Kompliment an (lacht).

subtext.at: Dann bitte einen Grund, warum man AWOLNATION nicht hören möchte?

Aaron Bruno: Gute Frage. Du solltest uns nicht hören, weil es dir zu lange im Kopf bleibt. Das ist dann wie eine Droge – und ich würde niemandem zu Drogenkonsum raten.

subtext.at: Ein anderes Zitat aus einem früheren Interview von dir: „Wenn ich Musik mache, weiß ich nicht, wo ich bin“. Ist Musik also eine Therapie für dich, um „AWOL“ (Absent without Leave, Anm.) zu gehen?

Aaron Bruno: Naja, Musik ist das, was ich halt am besten kann. Egal ob das die Leute mögen oder nicht. Wenn ich Songs schreibe und etwas aus dem Nichts entsteht, dann ist das schon was Besonderes für mich. Und auch eine gute Zeit, weil ich an nichts anderes denken muss. Außer dem ist nur Surfen ähnlich entspannend für mich – was aber gerade auf Tour eher schwierig ist. Gerade hier in Österreich oder Deutschland (lacht).

subtext.at: Eine Frage, die ich nicht vermeiden kann. „Sail“ hat bereits mehr als 20 Millionen Klicks auf Youtube. Siehst du da die Gefahr, als One-Hit-Wonder zu enden?

Aaron Bruno: Naja, wir sind dann eher ein Three-Hit-Wonder, nachdem auch die anderen Singles gerade in den USA sehr gut angekommen sind. Generell ist es auch in Europa so, dass die gut ankommen. Nein, diese Gefahr sehe ich nicht. Wir sind eine von nur vier Bands in den letzten zehn Jahren, die drei Singles in den Alternative-Charts hatten.

subtext.at: Ein Album, das du totgehört hast?

Aaron Bruno: Keine Ahnung, da gibt es kein spezielles. Puh, schwere Frage. Wahrscheinlich „Nirvana – Nevermind“. Oder Michael Jacksons „Thriller“, ganz schlimm.

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Foto: a_kep, Christoph Thorwartl

Musik-Nerd mit Faible für Post-Ehalles. Vinyl-Sammler. Konzertfotograf mit Leidenschaft, gerne auch analog. Biertrinker. Eishockeyfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.