Wahl & Qual – die Satire zu den Landtagswahlen, Teil 2

 

Aus satirischer Sicht kann dem heißen Herbst noch einiges abgewonnen werden. Hier ein genauer Blick auf die Vielzahl an wild in die Botanik plakatierten Köpfe und Sprüche, die den Herbst erst so richtig bunt machen.

ÖVP – Umgestaltung und Revolution

Wenn Landesvater Pühringer uns den Rücken kehrt und vermeintlich verträumt in sein Oberösterreich blickt, dann lässt das mehrere Schlüsse zu – böse Zungen behaupten gar er habe den Bus verpasst. Da das Plakat ohne Parteilogo und Farbspiele auskommt, ist es im Endeffekt zwar optisch ansprechender als die Produkte der Konkurrenz – aber kann die Liebe zum Bundesland wirklich das schlagende Argument für eine Wahl sein?Doch schon in der nächsten Reihe wirbt die ÖVP mit richtigen Fakten: „Weil er unser Landeshauptmann ist“ bringt den beatmeten Starrsinn, mit dem in diesem Bundesland regiert wird, auf den Punkt. Es ist wie es ist, weil es eben so ist und weil es auch schon immer so war. Hoch lebe die normative Kraft des faktischen.Auch die restlichen Plakate zeugen von dem der ÖVP immanenten Willen nach Umgestaltung und Revolution: „Erfahrung entscheidet“ – never change a running system – der Mut zur Veränderung wird dem Wähler oder der Wählerin offensichtlich nicht zugetraut.

Diese Argumentationslinie scheint allerdings nur auf Landesebene zu gelten – in Linz geht Bürgermeisterkanditat Watzl genau den gegenteiligen Weg. Mal grinst er im pinken Polo von der Plakatwand, mal spielt er den Law&Order-Mann und demonstriert im Business-Look seine Wandlungsfähigkeit. Daneben der direkte Vergleich zwischen ihm und dem amtierenden Bürgermeister Dobusch mit dem Slogan: „hat was geleistet (Pfeil auf Dobusch), hat noch viel vor (Pfeil auf Watzl)“. Aber ist es letztendlich nicht die Erfahrung, die entscheidet?

SPÖ – allgemeine Verunsicherung
Erich Haider will wieder einmal Landeshauptmann werden. Eigentlich ist dieser Satz schon Satire genug und muss nicht weiter kommentiert werden. Dafür tut er alles. Er kämpft um das Wasser, die Arbeitsplätze, in Linz um das AKH, und eigentlich um eh um alles, was die BürgerInnen dazu bewegen könnte, ihr Kreuzerl doch bei der SPÖ zu machen.

Den größten Kampf führt er allerdings gegen sich selbst. Seine Beliebtheitswerte bewegen sich ungefähr auf dem Niveau des Michael-Jackson-Tribute-Konzertes – was er möglicherweise auch als Anlass genommen hat, mit der EAV auf Wahlkampftour zu gehen. Die „allgemeine Verunsicherung“ – das geheime Alter Ego Erich Haiders?

In Linz geht man alles ein bisschen gemächlicher an. Zwar kämpft man auch hier um Arbeit, AKH, mit sich selbst und um eh alles, was die Bürger und BürgerInnen bewegen könnte – doch Dauerbürgermeister Dobusch hat ein Ass im Ärmel: „Erfahrung, die für Linz zählt“ – das ultimative österreichische Argument hat wieder zugeschlagen. Nach dem Motto „change is not good“ macht er es Josef Pühringer gleich und versucht, den Bürgermeistersessel zu halten. Was er vermutlich trotz des Handicaps Erich Haider auch schaffen wird.

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Ich bin online und offline unterwegs, mit Kamera, offenen Augen und Ohren. Beteiligt an unzähligen (Web-)Projekten, großen und kleinen Initiativen und Vereinen.

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