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Austria’s first lady

Austria’s first lady

Am 25.4. wird gewählt. Von einem Sieg Heinz Fischers wird ausgegangen. Was aber, wenn Österreich plötzlich eine First Lady hätte? Ein nicht ganz ernst gemeinter Ausblick.

Barbara Rosenkranz kann es nicht fassen. Da hat sie alles Erdenkliche versucht, und sie hat es geschafft. Das, was keiner für möglich gehalten hat. Eidesstattliche Erklärungen, TV-Konfrontationen, Wahlkampftouren – das ganze Reservoir der Wahlkampftaktik hat sie ausgeschöpft, um um die Gunst der Österreicher zu buhlen. Da steht sie nun, und hatte keine Ahnung, was ihr über die Lippen kommen soll.

Schließlich hatte sie es, entgegen aller Erwartungen, der politischen Klasse gezeigt. Nichts und niemand konnte sie aufhalten. Linksextreme Lichtertänze waren wirkungslos geblieben. Reporter, die immerzu nach den germanischen Namen ihrer Familie fragten, konnten ihr nichts anhaben. Selbst den ultimativen Angriff einer Schulklasse, die von ihr verlangte, auf eine Frage in Englisch zu antworten, hatte sie bravourös abgewehrt. Hier ist sie – die erste Präsidentin Österreichs, sozusagen die Urmutter der Alpenrepublik.

Sie kann ihre Gefühle kaum fassen. Sie fühlt sich gefangen, irgendwo zwischen dem letzten Heldengedanken und der Stimmung der letzten Julfeier. Sie fühlt sich so, wie sich selbst Harald Vilimsky nach seinem Taser-Selbstversuch nicht gefühlt hat.

Sie fühlt sich miserabel. Sie hatte das doch alles getan, um das Unheil abzuwenden. Hatte HC Strache in einem Anflug seines „morbus mayor-ensis“ noch behauptet, 35 % seien realistisch, hatte sie noch relativiert und wollte lediglich das beste Resultat der FPÖ erreichen. Da war sie nun, in der Hofburg, die sie sonst nur von Bällen anständiger Studentenverbindungen kannte. Was sollte sie nun tun? Was sollte sie als Präsidentin den Polen nach dem Flugzeugabsturz des Präsidenten übermitteln? Beileid? Die linke Jagdgesellschaft würde doch nur einmal mehr die Messer wetzen und den zweiten Weltkrieg wieder heraufbeschwören. Was sollte sie tun, wenn sich ausgerechnet der israelische Außenminister ankündigen sollte? Ihn mit speziellen militärischen Ehren empfangen? Auch keine gute Idee, hatte ihr als Oberbefehlshaberin der Generalstab doch berichtet, dass die speziellen militärischen Ehren bis auf weiteres gestrichen werden mussten. Munitionsmangel.

Doch damit kann sie sich noch nicht beschäftigen. Sie muss sich um die Einhaltung ihrer Wahlversprechen kümmern. Sie brütet gerade über den neuesten Plänen zur Abwehr der kriminellen Invasion aus dem Osten. Auf das Bundesheer kann sie hierbei nicht zählen, da sich die neuen Rekruten im burgenländischen Assistenzeinsatz erst eingefunden haben – nach langem Fußmarsch, nachdem die wenigen funktionsfähigen Transportfahrzeuge – 88 an der Zahl – zu den Dienstwägen der First Family umfunktioniert worden waren.

Barbara tüftelte also an den neuesten Strategien – als sie aus dem Nebenbüro plötzlich einen markerschütternden Schrei hört. Sie erfasst sofort die Situation und erkennt den Ernst der Lage. Harald Vilimsky hatte wieder den Abzug seines Lieblingsspielzeugs betätigt – und Barbara damit aus ihren Träumen in die Realität zurückgeholt.

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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