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Das öffentliche, gemischte und fiktive Risiko

Das öffentliche, gemischte und fiktive Risiko

 

Nach dem ersten Eindruck eines Events – zum Beispiel Party, Speis und Trank – konzentriert sich auch subtext.at nun auf das Wesentliche. Nach dem Eröffnungshype am 3.6. geht es am zweiten Tag der Triennale 1.0 also um den Inhalt der Ausstellung. Nach einer Tour, die zumindest Lentos, OK und die Teilnahme an eineinhalb Diskussionen beinhaltet, sind wir uns sicher, nennenswerte Merkmale der Triennale erkannt zu haben.Das Spiel mit Wirklichkeit und Fiktion
Wirklichkeit ist manchmal etwas ganz Besonderes. Sie wird der Realität fremd und perfektioniert sich in unglaublichem Ausmaß. Und manchmal wirkt sie dabei so unglaublich, dass sie für den Betrachtenden zur Fiktion wird. Von diesem Phänomen schienen vor allem die OK-Kuratoren Sandro Droschl (Medienturm Graz) und Martin Sturm (Direktor des offenen Kulturhauses) fasziniert. In ihrer Auswahl legten sie also auf unglaubliche Geschichten wert. Für Sturm ist dabei auch die Ästhetik nennenswert, die ein Ereignis erst unglaublich machen soll. Beim kuratorischen Gespräch am Freitag (4.6.) tut sich der Gastkurator aus Salzburg besonders mit dem Satz „Die Ästhetik des Realen führt zur Fiktion der Wirklichkeit“ hervor.
Paradebeispiel für die Theorie ist die Gruppe Mahony. Sie stellt im OK aus und erzählt von einem Meteoriteneinschlag im Haus eines Meteoritensammlers. Denkt man über das Thema und dessen möglichen Wahrheitsgehalt nach, klingt es aber sowas von fiktiv.

Kunst goes public
So manche, die das kulturelle Angebot der Stadt Linz schon länger genießen dürfen, haben wohl festgestellt, dass man auch auf der Straße immer öfter auf temporäre Kunstwerke stößt. Ob das nun ein Wasserfall aus Büchern (Schaurausch 2007), Betonautos unterm Lentos (Best of Austria 08/09) oder ein unterhaltsamer Flashmob ist.
Es ist eine neue Kunsttendenz, welche auch vom Event „Triennale“ weitergeführt wird. Eine Ausstellung scheint momentan nur dann sehenswert zu sein, wenn sie etwas zum Vorzeigen hat – zum Beispiel einen Triumphbogen am Hauptplatz. Der Rahmen des Museums wird wohl schon als unnötig empfunden. Es ist eine Tendenz, welche die breite Öffentlichkeit anspricht. Bald rühmen sich nicht mehr wenige mit ihrem Statussymbol Museumsbesuch, sondern es sprechen viele über das „komische Ding an der Kreuzung über das ich neulich gestolpert bin“. Und wir freuen uns drüber! Museen selbst werden immer billiger und immer öfters kostenlos. Schulklassen gehen schon gänzlich umsonst.
MalerIn – RegisseurIn – FotografIn: Konstrukte der Vergangenheit
Ganz am Anfang war Kunst noch ein Handwerk. Dann kam die Zeit, in der sich manche durch ihre perfekten Zeichnungen oder makellosen Skulpturen als KünstlerInnen hervortaten. Denn Kunst kam ja irgendwann angeblich von Können. In der Folge löste sich der Kunstbegriff vom Zweck und es entstand die „Kunst um der Kunst willen“, welche bis heute die Ausdrucksform der Kunstschaffenden geblieben ist. Manche drückten sich weiterhin durch ihre Zeichnungen und ihre Skulpturen aus, manche wurden FotografInnen oder gestalteten Videos. So weit stand es mit der Mentalität bisher.
Doch wer kann heute noch eine Installationskünstlerin in einer bestimmten Kunstsparte einordnen? Auch die Triennale lebt vom Medienmix. Viele KünstlerInnen zitieren diese verschmelzende Kunstform in ihren Arbeiten. Beispiele dafür sind Christoph Meier, der Abstraktionen durch Beamer herstellt, oder Daniel Domig, der den andauernden Kampf zwischen Malerei und Skulptur widergibt.
Auch Martin Hochleitner, Direktor der Landesgalerie, welche sich mit der Fotoausstellung „Update“ in die Triennale einbringt, argumentiert nach dieser These. Die Fotografien seiner Ausstellung tun sich so durch ihre Bildleistung hervor, dass sie für sich selbst stehen können. Jedoch betont Hochleitner, dass gerade das Medium Foto am häufigsten als Schnittstelle zu anderen Medienarten zur Anwendung kommt.
Das Risiko
Stella Rollig (Direktorin des Lentos) vertritt die Ansicht, dass Kunst im Zusammenspiel funktioniert. Sie leitete die Debatte „Betriebssystem Kunst“. Hier diskutierten eine Galeristin, eine Kritikerin, ein Kunstvereinsleiter, sie selbst als Leiterin eines städtischen Museums und eine (echte!) Künstlerin.
Sie alle spielen in einem ordentlichen System zusammen. Nur dieses System macht Kunst erst für BetrachterInnen erlebbar! Wir sprechen hier also nur von Kunstschaffenden, die sich im Abhängigkeitskreis einordnen.
Nach dieser Erläuterung spricht Rollig vom Risiko der Triennale. Es besteht für sie in der möglichen Inakzeptanz. Es kann also sein, dass die Arbeiten nicht von allen Komponenten des Betriebssystems angenommen werden. Trotzdem traut sich die Triennale drüber! Manche Werke gehen anscheinend nur Nahe an Kitsch oder Attraktionsdenken vorbei, andere haben das Problem des „Überschusses an Zeichen“. Doch egal wie die Künstlerischen Arbeiten nun ausgerichtet sind, immerhin wird diskutiert und Stella Rollig versteht es auf sie neugierig zu machen.
Links und Webtipps:

Foto: Andreas Kepplinger

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