Now Reading:

Wein vs. Lukesch: Nackt durch die Wohnung

Wein vs. Lukesch: Nackt durch die Wohnung

 

Stellt euch Folgendes vor: Ihr sitzt vor dem Computer, beantwortet ein paar Mails und unterhaltet euch nebenbei per Skype mit einem Quasi-Kollegen. Nennen wir diesen Gesprächspartner einfach mal Oliver. Ihr redet/schreibt also über die Arbeit, die Uni und das Leben. Ihr sinniert vor euch hin, und plötzlich schreibt dieser Oliver: „Ich geh mir mal eine Unterhose anziehen.“

Michaela Wein
ist Chefredakteurin und Herausgeberin von mokant.at. Sie mag Oliver Lukesch nicht. Dieser Kommentar ist Teil eines Schlagabtauschs, den Gegenkommentar von Oliver Lukesch gibts
hier.

Ganz ehrlich: darauf fällt nichtmal mir eine passende Bemerkung  ein. Und vor allem: was antwortet man auf so eine Aussage? Will man sich das jetzt wirklich vorstellen, dass dieser Mensch am anderen Ende der Internetverbindung tatsächlich nackt vorm Computer sitzt und seelenruhig vor sich hintippselt? Ich mache das nicht. Und ich lebe in dem Glauben, dass das der Rest der Welt auch nicht tut. Abgesehen von ein paar Perversen.

Will man sich tatsächlich ausmalen, was der andere gerade macht, während eines Gespräches über die Arbeit? Wie er sich gedankenverloren über den Oberkörper streicht, die Hand weiter runtergleiten lässt – und dann eine banale Antwortnachricht auf Skype tippt? Nein, danke.

Niemand denkt an die tausenden von armen Seelen, zu denen ich auch gehöre, die jahrelang jeden verdammten Sommer am FKK-Strand zugebracht haben, weil die eigenen Eltern offensichtlich in ihrer Hippie-Flippie-Flower-Power-Phase hängen geblieben sind. Diese armen Kinder sind dazu verdammt, in ihrer Unschuld zwischen Leuten herumzuwuseln, auf Augenhöhe genau die Körperteile, die sie am wenigsten sehen wollen. Wir haben genug gesehen! Wir haben ein Recht auf bekleidete Menschen in unserer Umgebung!

Ich schäme mich nicht für meinen Körper. Aber trotzdem – es gibt Dinge, die sind unpassend. Und das Aufdrängen seiner eigenen Körperlichkeit gehört dazu. Ich will doch nicht als erstes in der Früh den Hintern meines Bettnachbarn sehen müssen (sofern es nicht der eigene Partner ist). Ein angemessenes Bekleidungsstück kann da Wunder wirken.

Aber, werdet ihr sagen, im Sommer hält man es angezogen kaum aus, da gibt es nichts besseres, als nackt durch die Wohnung laufen zu können. Ich sage: Eine Unterhose kann gar nicht so schweißtreibend sein, wie ihr tut. Was ist so schön daran, sich mit nackten Hintern auf einen Sessel zu setzen? Steht ihr auf das grausliche Gefühl beim Aufstehen, wenn der eigene Arsch so richtig schön festklebt? Geilt ihr euch an dem Gedanken auf, dass eure Gäste jetzt genau auf jener Stelle der Couch sitzen, auf der ihr grade noch nackig herumgekugelt seid?

Bleibt doch einfach angezogen, ich bitte euch inständig darum. Behaltet eure Körperflüssigkeiten für euch und bedeckt eure Blöße.  Auch wenn ihr alleine zu Hause seid: eure Nachbarn aus der Wohnung gegenüber werden es euch danken.

Zu welchem Thema sollen sich Lukesch und Wein den nächsten Schlagabtausch liefern? Hier geht’s zur Abstimmug!

Links:

Foto: Michaela Wein

Share This Articles
Kommentare werden geladen...
Suchbegriff hier eingeben und mit Enter bestätigen