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Solide europäische Unterhaltung – Part 2

Solide europäische Unterhaltung – Part 2

Der zweite Teil des alternativen Interrail-Trips führt unseren Redakteur Stefan Weiss von Berlin ausgehend nach Amsterdam. Die Erlebnisse auf der Reeperbahn sowie der Trip zurück nach Hause ist hier zu lesen. 

HAMBURG
Bereits etwas gezeichnet von den Reisestrapazen und trotz der zeitlichen Limitierung des Aufenthalts von 24 Stunden, versuchten wir das Beste daraus zu machen und das Wesen Hamburgs kennen zu lernen, das diese berüchtigte Hafenstadt zu der macht, die sie ist. Wie alle bisher angefahrenen Bahnhöfe, vermochte uns auch der Hamburger Hauptbahnhof ob seiner Modernität und Größe in den Bann zu ziehen. Architektonisch weitaus interessanter als Berlin, zeigt sich Hamburg ganz im Stil einer Hafenstadt, durchzogen von Wasserstraßen. umgeben von roten Backsteinhäusern.

Erschöpft von einer ausgiebigen Stadtbesichtigung zu Fuß, fassten wir als Abendprogramm, wie auch sonst in Hamburg, das berüchtigte Vergnügungs-, Szene- und Rotlichtviertel im Stadtteil St.Pauli ins Auge. Trotz ihrer jahrzehntelangen Mystifizierung und an Weltruhm grenzenden Bekanntheit, macht die Hamburger Reeperbahn einen eher heruntergekommenen Eindruck und erscheint zusehends als ein Relikt früherer Tage, das Besuchern eher ein müdes Lächeln als echtes Vergnügen bereitet. Das Schanzenviertel, auch „die Schanze“ genannt, wartet hingegen mit einer Vielzahl an Bars, alternativen Clubs und Cafés auf. Das Friedrichshain Hamburgs ist bekannt für seine in den 70ern rege Hausbesetzer- und Alternativen-Szene und verteidigt diesen Ruf bis heute. Hier gelang es uns sogar an einem Montag, an dem bekanntlich in kaum einer Stadt so richtig die Post abgeht, mit einem Hamburger Bekannten nach einem netten, ungezwungenen Abend in einer der zahlreichen Grünanlagen, einen kleinen House-Club mit Innenhof aufzusuchen,um doch noch ein wenig Hamburger Nachtatmosphäre einzufangen. Früh morgens ging die Reise, nach einem Umstieg in Osnabrück, weiter Richtung Amsterdam.

AMSTERDAM

Bei der Ankunft in der Niederländischen Hauptstadt wird einem sofort eines bewusst, diese Stadt ist irgendwie anders, etwas Besonderes. Amsterdam – bei jungen Leuten bekanntlich vor allem aufgrund ihres lockeren Umgangs mit Cannabis-Produkten ein beliebtes Reiseziel, hat jedoch weitaus mehr zu bieten als die zahlreichen Coffeeshops. Die lockere, unbeschwerte Atmosphäre dieser Stadt, spiegelt sich nicht nur in dem durch Fahrräder und Radwege dominierten Verkehr, sondern auch in den überaus freundlichen Bewohnern wieder.

Amsterdam erstrahlt nicht nur als wunderschöne Hafenstadt, in der sich eine Grachten-Rundfahrt durch die zahlreichen Wasserstrassen lohnt, sondern gilt darüber hinaus als Musterbeispiel einer links-liberalen Stadt mit regem Kultur-, Freizeit- und Vergnügungsangebot, hoher Lebensqualität und grünem Verkehrskonzept. Neben den zahlreichen Freiheiten, die einem diese Stadt vermittelt, darf jedoch beim WC-Besuch teilweise tief in die Tasche gegriffen werden. Das betrifft sowohl die eher dem
Mainstream zuzuordnenden Clubs, als auch die öffentlichen WC‘s der Stadt. Die Suche nach der passenden Abend-Lokation kann sich in Amsterdam aufgrund der zahlreichen Touristenangebote durchaus als schwierig herausstellen. Das Studio 80 am Rembrandtplein konnte jedoch mit guter elektronischer Tanzmusik abseits des Kommerz aufwarten und kann daher an dieser Stelle mit gutem Gewissen weiterempfohlen werden.

Da Amsterdam eine Vielzahl an Museen zu bieten hat, führte unser Weg zunächst in das Rijksmuseum, welches mit Werken holländscher Meister wie Rembrandt und Vermeer, darunter die berühmte Nachtwache, aufwartet. Das 1642 fertiggestellte Gemälde Rembrandts wurde 1990 Opfer eines Säureattentats, man hat daher heute mit extremen
Sicherheitskontrollen beim Betreten des Museums zu rechnen. Als wahrer Geheimtipp stellte sich das Stedelijk-Museum für moderne Kunst und Design heraus. Für fünf Euro Studenteneintritt und kurz vor der Schließung auch gratis, bekommt man Werke der crème de la crème moderner Kunst, von Andy Warhol, und Roy Lichtenstein, bis Bruce Nauman, Kasimir Malewitsch und Piet Mondrian präsentiert. Auch zeitgenössische Kunst, sowie Performances und Installationen können hier bewundert werden. Nach einer 11-stündigen Heimfahrt, einem Umstieg in München und einer letztlich unbegründeten Kontrolle durch eine auf Amsterdam-Reisende spezialisierte Polizeieinheit, ging es schließlich zurück nach Wien. Was geblieben ist? Prag-Berlin-Hamburg-Amsterdam steht exemplarisch für Lebensfreude, urbane Freundlichkeit, Kulturvielfalt in Musik, Architektur und Kunst und.. richtig! Solide europäische Unterhaltung!

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