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Esteban’s: „IR“

Esteban’s: „IR“

„IR“, oder, ausformuliert, „In Rebellion“. So der Titel des zweiten Solo-Albums von Christoph Jarmer, der als Gitarrist von Österreichs Indie-Aushängeschild Garish bekannt wurde. Aber auch als Leadsänger kann er überzeugen.

Das Albumcover erinnert entfernt an Keanes „Hopes and Fears“. Klingen tut Christoph Jarmers Soloauskopplung aber ganz anders. Der Opener „Time Bombs“ geht es dabei so an, wie sich die Platte später entwickeln wird. Ruhig, eingänglich, ja fast wohltuend beruhigend. „Preservation is the key“ – die Headline des zweiten Tracks, „Preservation“. Erinnert akustisch fast ein bisschen an Giantrees „Time Loops“, allerdings auch hier etwas ruhiger als das Pendant. Weiter gehts mit „Torpid“. Hier kommt ein bisschen Singer-Songwriting in die Platte. Könnte man ob dieser Feststellung allerdings schon mal erschaudern – bei dem, was sich gemeinhin neben Ausnahmen als Singer/Songwriter bezeichnet – wird man hier allerdings mit akustischem Ohrenschmaus belohnt. Ein Song, der zum Träumen einlädt. Zu schönem Träumen.

„Not a whit better“ knüpft danach genau dort an. „Ladies and Gentleman, I present you failure“ singt er dabei in der ersten Zeile. „Failure“ ist es aber keiner. Ladies and Gentleman, hier könnt ihr eine der besten Balladen der heimischen Indie-Landschaft hören. Auch wenn Geigen an sich nicht so meins sind.

„LLSS“ ist danach noch zurückhaltender, als es das Album ohnehin schon ist. Fast schüchtern kommt der Song daher,  der es noch minimalistischer anlegt. Das Arrangement aus Gitarren und Streichern ist aber auch hier geglückt. Wenn auch nicht ganz so mitreißend wie im Vorgänger.

Zur Hälfte des Albums gibt es mit „Monster“ einen Track, der sich mit dem Wochenablauf  und den damit verbundenen Emotionen beschäftigt. „On Sunday, I die!“ – diese angenehm-melancholische Stimmung, die der Song verbreitet, ist ansteckend. Sehr ansteckend. Auch wenn er nur 1:43 Minuten dauert, sind dies die mit intensivsten des Albums.

„Once“ schlägt dann wieder in die Kerbe der Vorgänger.  Es beschäftigt sich wie immer mit der Vergangenheit und der Zweisamkeit – es kann anscheindend kein Album ohne diese Thematik geben. Wenn sie allerdings so verarbeitet wird, wie hier, dann ist das durchaus begrüßenswert. Etwas anders geht es „Mirrors“ an. Etwas mehr Tempo, etwas mehr Abwechslung, aber der gleiche Grundtenor, der das Album nicht zerstört. „I see mirrors when I go“ – diese Zeile regt auch definitiv zum Nachdenken an.

„The Tenor“ leitet dann langsam aber sicher das Ende ein. Eine Mischung aus „Mirrors“ und „Once“, zumindest musikalisch. Ruhiger als „Once“, aber mitreißender als „Mirrors“. Sicher Geschmackssache, aber der Song fällt etwas ab. „I wonder, how can we fill the void?“, singt Jarmer da. Die Leere füllen kann man am besten mit „I call you baby“, dem nächsten und vorletzten Song. Der bringt das Album nämlich auf den Punkt. Zurückhaltende Gitarre, gelungenes Gesamtarrangement und ein Song, wo man einfach nur noch dahinschmelzen kann. Zumindest, wenn man kein gänzlich gefühlskaltes Wesen ist. Bitte unbedingt mehr davon! „Goals“ entlässt den Hörer danach gut gelaunt, emotional verstört, trotzdem geflasht, und ob des Gesamtarrangements beeindruckt.

Eingangs habe ich geschrieben, dass das Cover an Keane erinnert. Nach dem Hören kann man getrost sagen, dass diese Feststellung eher Keane schmeichelt. Ob gewollt oder nicht, ob musikalisch noch so verschieden, „IR“ ist als Gesamtkunstwerk gelungen. Eines der Highlights des Jahres!

Die Bewertung der subtext.at-Redaktion:5/5 Punkte

 

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eishockeyfan. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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