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FM4 Geburtstagsfest – auf zur Tortenschlacht!

Ende Jänner feiert der ORF Radiosender FM4 seinen 18. Geburtstag. Mit Jeans Team, Marsimoto und Gin Ga stehen dabei wieder altbekannte Acts des Alternativsenders auf der Bühne. Doch wie entsteht überhaupt so ein Festival? Wir haben Daniel von FM4 zum Interview gebeten und verlosen Eintrittskarten!

Wenn sich am 26. Jänner in der Arena Wien wieder tausende Fans tanzend vor der Kälte schützen ist seine Arbeit schon fast getan. Daniel organisiert das wohl seltsamste Outdoor-Fest des Landes und hat uns per Mail ein paar Fragen zur heurigen Party beantwortet

Zuallererst: Stell dich bitte kurz selbst vor und beschreib, was deine Aufgabe beim FM4-Geburtstagsfest ist und was du abseits davon bei FM4 machst?
Mein Name ist Daniel Kupka. Ich arbeite in der Marketingabteilung von FM4 und bin dort in erster Linie für Eigen-Events und Kooperationen mit Festivals und Konzerten zuständig. In erster Linie heißt, dass wir eine sehr kleine Einheit innerhalb des Senders sind und alle auch irgendwie alles machen was den öffentlichen Auftritt von FM4 angeht. Alles außer Radio – wir trennen Programmliches und Marketing sehr streng.

Beim FM4 Geburtstagsfest mache ich die Produktionsleitung. Das heißt, es läuft alles bei mir zusammen: Bühnenprogramm, DJs, Kontakt mit den Bands, technische Dinge, wie Tontechnik oder Lichtdesign, Aktionen beim Fest, wie Gewinnspiele und dergleichen, genauso Künstler-Sonderwünsche wie auch Mobil-Toiletten für die Besucher oder Stromaggregate. Und noch vieles mehr. Ein großes Event wie das hat sehr viele unterschiedliche Bereiche und Ebenen, auf die man achten und um die man sich kümmern muss. Das liegt einfach des großen Aufwands wegen bei einigen unterschiedlichen Menschen. Einer aber zumindest sollte aber über alles Bescheid wissen und das letzte Wort haben, wenn Fragen auftauchen. Das bin beim FM4 Geburtstagsfest ich.

Ein Outdoor-Fest im Jänner ist ja eher selten in Österreich. Was dürfen die Hardcore-Fans heuer erwarten?
Ein Outdoor-Fest, eigentlich schon ein kleines Festival, im Jänner zu machen, wo keiner daneben schifährt, ist natürlich schon ein wenig verrückt. Das Ding ist, dass FM4 einfach im Jänner gegründet wurde und wir die Feste so feiern, wie sie fallen. Das ist halt immer Ende Jänner.

Wir versuchen, das klimatische Ungemach, dass wir unseren Hardcore-Fans damit bereiten, damit zu lindern, dass wir ihnen sehr komprimiert sehr viel Programm bieten, damit keiner Zeit hat zu frieren. Wir versuchen, mit dem Fest FM4 in seiner gesamten Bandbreite darzustellen und zumindest für einen Abend „greifbar“ zu machen. Wir haben neun Live-Bands – wenn man den Kurz-Auftritt von Marsimotos Alter Ego Marteria mit seinem neuen Projekt als eigenen Act rechnet, sogar zehn. Wir haben dazu zwei DJ Floors, einmal Electro- und Club-lastig, einmal mehr Indie-lastig im Arena-Beisl. Wir stellen FM4-ModeratorInnen und -Comedians auf die Bühnen und „zeigen“ sie den Fans. Dieses Jahr Projekt X oder den FM4 Ombudsmann, aber auch „seriösere“ Moderatorinnen wie Mari Lang oder Esther Csapo. Wir bieten heuer das erste Mal ein 100% Bio-Catering an und sorgen für faire Getränkepreise. Darüber hinaus sorgen wir Spiel und Spaß am Gelände, ein paar Überraschungen haben wir uns auch noch einfallen lassen.

Der Austrofred hat mir mal gesagt, dass er an FM4 Partys mag, dass er, egal wo er sich in der Location bewegt, immer unterhalten wird. Das haben wir uns zum Vorsatz genommen: jeden einzelnen unserer Besucher zu unterhalten.

Mit dem Jeans-Team habt ihr ja alte Bekannte eingeladen die schon mal bei eurer Geburtstagsparty gespielt haben und in den letzten Jahren eher ruhig waren. Nun gibts eine neue Singe.. ist da eine Überraschung zu erwarten?
Jeans Team war seit den Anfangszeiten eine Band, die auf FM4 gelaufen ist. Und nun bringen sie ein neues Album raus, das unsere Musikredaktion gut findet. Grund genug für uns, die beiden zu uns zu holen. Alle Bands, die am FM4 Geburtstagsfest spielen, haben gerade einen neuen Release draußen oder sind gerade dabei, neue Releases zu machen. Das ist immer wichtig für uns. Einerseits, weil wir im Radio ja auch einen Schwerpunkt auf neue Musik haben und das auch beim Fest widerspiegeln wollen und andererseits, weil Bands mit neuen Releases oft von den Plattenfirmen gestützt für niedrigere Gage spielen. Da wir ja nur wenig Eintritt nehmen wollen und dafür viel Programm bieten, ist das auch ausschlaggebend für uns.

Thema österreichisches Musik: Mit Gin Ga und Bauchklang sind zwei lokale Acts auf den großen Bühnen dabei. Doch in den euren Charts hätte es letztes Jahr doch noch ein paar top-platzierte ÖsterreicherInnen (zB A.G.Trio),  geben. Wie läuft das bei euch ab, wie entscheidet ihr wer spielt?
Wie gesagt versuchen wir mit dem Programm eine möglichst hohe Bandbreite quer durch das Musikprogramm von FM4 zu schaffen. Es stimmt, dass sehr viele andere Bands auch noch gepasst hätten. Wir haben uns aufgrund der Dramaturgie der Bühnen auf diese beiden Acts geeinigt. Bauchklang als letzter Act in der großen Halle, weil deren neues Material sehr nahe an elektronischer Clubmusik ist und die Leute dazu super tanzen können. Gin Ga open Air als Opener, weil wir eine Indie-Gitarrenband wollten, die die Leute super anheizen kann. Beide Bands haben auch, wie vorher erwähnt, neue Releases am Start.

Prinzipiell ist es bei uns so, dass unser Booker Michel Attia in Absprache mit unser Musikredaktion die Acts anfragt und bucht. Er ist auch derjenige, der sich das künstlerische Konzept hinter den Auftritten einfallen lässt.

Letztes Jahr haben wir einige Dinge am FM4-Geburtstagsfest kritisiert, möchtest dazu Stellung nehmen?
Das ist blöd gelaufen. Wir haben uns schon entschuldigt bei den ca. 100 Leuten, die damals lange vor der Halle warten mussten, und ich möchte das jetzt noch einmal tun. Das ist uns in dem Ausmaß noch nie passiert, obwohl letztes Jahr genauso viele Leute in der Arena waren wie in den Jahren zuvor.

Das Ganze ist immer ein wenig ein Glückspiel. Die Große Halle in der Arena hat eine Kapazität von ca. 1000 Menschen. Im Open-Air-Gelände haben ca. 3000 Leute Platz, in den anderen Floors bringt man je nach Bespielung ca. 400 Leute unter. Wir verkaufen/vergeben maximal 3000 Tickets. Erfahrungsgemäß – und wir machen das schon seit mehr als 10 Jahren – gehen nach Ende des Open Air Konzerts immer zumindest die Hälfte der Leute – wenn nicht sogar mehr – und somit geht es sich durch die natürliche Fluktuation am Gelände zu den Bars und zu den anderen Bereichen immer aus, dass alle sich möglichst frei bewegen können. Wir programmieren deswegen auch die Open-Air-Bühne immer mit den breiteren und massenwirksameren Acts, damit die wirklich von allen gesehen werden können. 2012 haben wir ehrlich gesagt einfach unterschätzt, wie viele Leute wegen Nada Surf gekommen sind. In Kombination mit dem wirklich miesen Wetter kam es dann nach dem Ende des Kettcar-Konzerts und dem Tortenanschnitt zu einer sehr großen Menschentraube vor der Halle und die Securities mussten für ca. 20 Minuten den Eingang schließen. Gegenüber in der Kleinen Halle lief ein Elektronik-DJ-Set, und das hat die Indie-Fans auch nicht glücklich gemacht. Deswegen sind dann viele verärgert abgezogen. Ca. eine halbe Stunde später war der Eingang wieder offen, und bei den letzten Nada-Surf-Nummern und dann bei Frittenbude ging alles wieder flüssig. Draußen gewartet haben leider die wenigsten – es hat ja geschneit und war unangenehm kalt.

Wir haben viel darüber nachgedacht, wie wir das besser machen können, damit das nicht wieder passiert, und leider spielt da wirklich viel mit, was man nicht planen und steuern kann. Nur 1000 Karten verkaufen, damit wirklich alle theoretisch alles sehen können, wäre Schwachsinn – sonst spielen die letzten zwei Acts in der Großen Halle vielleicht vor 200 Menschen… Wir haben heuer darauf geachtet, dass die Zeiten von Open-Air-Bühne und Großer Halle besser aufeinander abgestimmt sind und haben auch immer mitkommuniziert, dass es theoretisch, aber dann sicher nicht mutwillig, wieder dazu kommen kann, dass die Securities aus Sicherheitsgründen temporär einen Floor schließen müssen.

Uns wurde auch Geldgier vorgeworfen, dass wir extra viel Karten verkaufen wollten und deswegen auf die Wünsche der Besucher gepfiffen hätten. Das ist etwas, gegen das ich mich allerdings wehren möchte. Für 26 Euro komme ich am „freien“ Konzertmarkt zu einem Einzelkonzert eines der Acts, die bei uns spielen. Dass wir mit den Eintritten das Fest weit nicht kostendeckend veranstalten können, ist kein Geheimnis für jeden, der sich halbwegs auskennt, was es heißt, im Jänner ein Open-Air-Festival zu veranstalten. Ich spreche von kostendeckend und nicht von etwa „Gewinn machen“. Das wäre komplett illusorisch. Ohne Sponsoren wäre es uns unmöglich, das Fest überhaupt zu dem Preis zu machen. Wir müssten bei dem Programm doppelt so viel oder mehr verlangen. Das wollen wir aber nicht, weil es uns beim Fest nicht ums Geldmachen geht, sondern darum,unseren Fans einmal im Jahr eine wirklich gute Party zu veranstalten.

Die „Götterboten“ habt ihr auch nicht so cool gefunden. Ich kann dazu nur sagen, dass das erste, was wir den Leuten gesagt haben war, dass sie KEINE Promotoren sind und jederzeit und ohne Gründe anzuführen ihre (wasserdichten) Anzüge ausziehen können. Einige haben das auch klarer Weise gleich gemacht. Aber die meisten hatten Spaß daran eine Funktion zu haben und somit einen Grund Leute anzuquatschen. Uns ging es ja auch in erster Linie darum „Uniformierte“ zu schaffen um mit dem leicht dystopischen Endzeit-Sekten Feeling zu spielen, dass ja auch das Thema dieses Festes war. Am Ende haben wir allerdings die Welt gerettet. Sie ist nicht am 21.12.2012 wie angekündigt untergegangen. Somit war zumindest das ein Erfolg für uns.

Ein kleines persönliches Fazit: Was war dein musikalisches Highlight / Lowlight im vergangenen Jahr?
Mein musikalisches High war, dass wir Kettcar und Frittenbude dazu gebracht, haben „Raveland / Graceland“ gemeinsam zu spielen. Das war unsere Idee und die Bands waren Feuer und Flamme. Raveland ist ja ein Cover von Kettcar, die Bands kommen aus derselben Stadt und kannten sich auch, sind aber von selbst noch nie auf die Idee gekommen. Es hat ihnen aber so getaugt, dass sie dann letzten Sommer im Rahmen vom Fest van Cleef das ganze wiederholt und daraus sogar einen Live-Track gemacht haben.

Low point war auf jeden Fall der Stromausfall beim Giantree-Konzert auf der Open Air Bühne. Genau bei deren letzter Nummer, die noch dazu der Radiohit war. Aufgrund der Live-Übertragung konnten wir ihre Spielzeit nicht erweitern, und somit war das das Ende ihres Auftritts. Das hatten sie wirklich nicht verdient! Sie haben sich davor tapfer 35 Minuten lang durch den Schneesturm, der horizontal von vorne auf die Bühne eingeschlagen ist, gekämpft und haben bei diesem wirklich argen Wetter mehr als 1000 Leute vor der Bühne begeistert. Das hat mir wirklich leidgetan.

Euer Ausblick auf 2013? Worauf freust du dich besonders? Hast du einen Geheimtipp für uns?
Ich freue mich immer auf den Moment, wo ich die Torte an das Publikum in der ersten Reihe vor der Open Air Bühne verfüttern darf. Das ist jedes Jahr mein absolutes Highlight! Da sehe ich mich mit vielen glücklichen Menschen konfrontiert und bin daran ja nicht unbeteiligt. Das entschädigt mich zur Gänze für die viele Arbeit im Vorfeld.

Musikalisch freue ich mich voll auf Jake Bugg und natürlich auf die Marsimoto- und danach Marteria-Show. Beide Bühnenpersönlichkeiten in so kurzem Abstand an einem Abend auf einer Bühne zu sehen hat schon was und ich mag beide Projekte sehr gerne.

Infos zum LineUp: fm4.orf.at

Gewinnspiel
Wie verlosen auf unsere Facebook-Seite 1×2 Tickets für euch. Bis 23.Jänner habt ihr die Chance mitzumachen. Mehr unter on.fb.me/subtextGewinnspiel

 

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Ich bin online und offline unterwegs, mit Kamera, offenen Augen und Ohren. Beteiligt an unzähligen (Web-)Projekten, großen und kleinen Initiativen und Vereinen.

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