Nachbericht: PAUL BANKS @ WUK Wien

Oft dienen Soloalben von Mitgliedern noch aktiver Bands dem Zweck der Selbstfindung. Paul Banks, sonst tätig bei den Indierockern von Interpol, genießt die Freiheit, alles tun zu dürfen, was ihn beliebt. Bei seiner Hauptband wird jeder Schritt noch so akribisch diskutiert, hieß es. Musizieren jenseits aller Bandzwänge – das ist doch was.

Mit großer Geschmackssicherheit schlichen sich Interpol vor mehr als zehn Jahren mit „Turn On The Bright Lights“ in den qualitätsbewussten Konsens der modernen Rockmusik. Dort sollten sie dann auch bleiben. Bei denen, die es bemerkten, hinterließen Interpol ihre markanten Spuren. Auch der erste Ausflug des Sängers als Julian Plenti im Jahr 2009 schadete ihm nicht.

Banks selbst könnte eigentlich viel berühmter sein. Er ist einer dieser bestaussehenden Typen, schick und stilsicher im schwarzen Anzug, der als Charakter zu unbequem und zu sperrig für den Mainstream ist, wenngleich die musikalischen Ausdrucksformen kommerzielle Verwertbarkeit nicht ganz ausschließen. Diesen Eindruck bestätigte einmal mehr das Konzert im Wiener WUK am 3. Februar 2013. Live geht Banks mit Elan und Überzeugung zu Werke, egal, ob beschwingt („Unwind“), gefühlvoll („On The Esplanade“), experimentell („Fly As You Might“) oder hitverdächtig („Over My Shoulder“, „Games For Days“, „The Base“). Ein Freund großer Gesten ist er zwar nicht gerade, nichtsdestotrotz nimmt man ihm jede klitzekleine Gefühlsregung ab. Das Herz lügt nicht. Das Publikum applaudiert in den Pausen zwischen den Songs ausgiebig und aus vollem Herzen. Außerdem hat er eine Band um sich gescharrt, die mit solch einer Akkuratesse zu Werke geht, dass einem der Atem stockt. Zwar ist der Sound nicht ganz ausbalanciert zu Beginn des Sets, doch sie spielen sich zusehends ein und das Ergebnis ist bemerkenswert. Vor allem Brandon Curtis, der das Keyboard und den Bass bedient, macht eine gute Figur. Banks hat sich den Secret Machines-Sänger und „Magier“, wie er ihn auf der Bühne bezeichnet, geschnappt und dabei eine gute Wahl bewiesen.

Den guten, alten Indierock kann man schon fast auf die Abschussliste setzen, so wenig Nachhaltiges tut sich gerade in dem Metier. Paul Banks hält als Solokünstler die Fahne hoch und haucht dem Indie-Sound live und auf Platte neuen Atem ein. Und die ganzen Epigonen, die in der Zwischenzeit aus dem Boden hervorgesprossen sind, wo sind sie denn alle?

via WET-photo.at

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Markus Wetzlmayr
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