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Winter-Wonder-Land

Winter-Wonder-Land

“ABC, die Katze lief im Schnee“, mit dieser Melodie im Kopf kämpfe ich mich durch den Schnee in New Jersey, Eastcoast. Der Schnee hier an der Ostküste Amerikas sieht auch nicht recht viel anders aus als bei uns zu Hause in der Alpenregion.

Einige Zeit lang war alles so grün wie im Frühling, dann haben sie wieder mal (wie so oft) im Wetterbericht vermeldet, dass ein „Schneesturm“ komme – und schwupsdiwups hat es etwas geschneit und ein bisschen Wind gegeben. Das überfordert die Amis aber zu sehr, und so bleibt ihnen nichts anderes übrig, als es in den Medien durch Ausdrücke wie „Jahrhundert-Schneesturm“ noch mehr aufzupushen, sodass die ganze Welt auf sie blickt.

Ein paar Regionen ganz nah an der Küste hat es schon etwas ärger erwischt, aber nicht zu arg. Es mag zwar stimmen, dass die Ostküste heuer etwas niedrigere Temperaturen mit unter 20°F hat und dass auch ein paar wirklich extrem kalte Tage dabei sind, aber sonst erschreckt es mich nicht wirklich. So kann man sagen: für österreichische Winterverhältnisse ziemlich normal.

Ich muss dennoch gestehen als ich bei 3°F (= -16°C) auf dem Weg zur hiesigen Bücherei war, um Internet zu haben, hat sogar mir in meinen (billigst, aber dennoch warmen) $25-Bucks-Wintermantel gefroren.

Bei all dieser Aufregung kann man die Amis sogar ein wenig verstehen, denn die Autos haben ja meistens nur Alljahresreifen – die Ausnahme bestätigt allerdings die Regel: Hab in Massachusetts jemanden getroffen, der Winterreifen auf sein Auto macht – und so ist es ein heller Wahnsinn auf den Straßen hier, wenn ein bisschen Schnee liegt und alles im Schneckentempo um’s sichere Nachhausekommen kämpft.

Allrad und Spikes Reifen gibt es komischerweise auch, was aber anscheinend Nebensache ist. Der Schneepflug ist ein normaler Jeep mit einem kleinen Pflug vorne drann. Bis der die ganzen Straßen der Stadt geräumt haben, kann es schon mal Morgen werden. Es wird auch hier Salz gestreut, das wie kleine Styroporkügelchen aussieht – irgendwie witzig.

Nichtsdestotrotz wird via Radio oder Email vermeldet, dass die amerikanischen Kinder bei ein bisschen Schnee schon wieder „early dismissal“ (früher Schule aus) oder „schneefrei“ haben, wo sie dann den ganzen Tag zu Hause bleiben dürfen. Aber keine Schadenfreude, diese Tage werden dann am Ende des Schuljahres wieder dran gehängt.

Allein die veralteten gelben Schulbusse könnten eine „sichere“ Busfahrt für die Kinder nicht gewährleisten. Ich habe mal jemanden gefragt, was dabei wäre, die alten Schulbusse neu aufzurüsten und sich Winterreifen für das eigene Auto zu kaufen, ich hab ein müdes Lächeln erhalten und wurde mit der Antwort „..ja das mag schon stimmen, für das wäre ich auch, aber es kostet zu viel Geld um alles umzurüsten….“, abgespeist. Ein Versuch war es wert.

Hier in New Jersey kann man es auch nicht verstehen (oder wird für verrückt erklärt), wenn man an einem wunderschönen Wintertag – blauer Himmel und strahlend heller Sonnenschein – für einen Spazierganz an die frische Luft geht. Auch wenn man mit Kinder länger als eine Stunde draußen Schneeballschlachten („snowball fight“) macht oder Bobfahren geht. Die armen Kinderlein würden ja „krank“ werden und nicht etwas abgehärtet, was manchen sicher nicht schaden würde. Im Gegensatz zu den Kinder in Massachusetts, wo ich vorher war. Die würden die Jersey-Kinder hier nur auslachen, da sie von den Denkweisen so wie wir Österreicher sind. Sie haben Spaß im Schnee und würden mit dir den ganzen Tag, bis sie frieren, draußen verbringen.

Dennoch sieht man irritierenderweise oft Leute, die in ihrer Badeshorts bewaffnet die Straße lang kommen, oder die mal schnell in Seidenstrumpfhöschen und Satinbluse selbstbewusst mit den Temperaturen kämpfen. Mädchen, zieht euch was an.

Jaja, der liebe Schnee, die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn. Viele Amis fahren auch extra stundenlang nach Vermont – ein Bundesstaat an der Ostküste, aber ziemlich im Norden -, um Schi zu fahren. Die Distanzen hier in Amerika kann man mit unseren in Österreich oder Europa nicht vergleichen. Es ist normal sich für einen „kurzen Wochenendtrip“ mehr als vier Stunden ins Auto zu setzen, um dann ein paar größere Hügeln hinunter zu wedeln.

„Schiiiiifaaaahrn´, is des leiwandste was ma si nur vorstön kaun…“ oder aber auch Eislaufen, so wie ich mein Hüftbein auf dem Ice Scating Rink im Bryanpark in NYC geschwungen habe. Man das war eine Freude. Neben schunkelnden After-Christmas Songs a la Michael Bublé und Wham, den noch immer stehenden wunderschönen geschmückten Weihnachtsbaum bewundernd und sich dazu im Kreise drehend – einfach traumhaft.

Anstatt in der Kälte fahren, lieber in der Hitze schwitzen, denken sich auch viele ältere Leute, die es vermehrt nach Florida (Ostküste, im Süden) zieht. Insgeheim wird er auch der „Seniorenstaat“ genannt, weil fast alle Oldies in Florida Urlaub machen oder in den Altenheimen auf ihr Ableben warten. Wenn schon gestorben wird, dann wenigstens mit Genuss. Da würde keiner freiwillig nach Alaska ziehen. Wobei in Alaska wohnen wirklich die Harten der Harten, da ist es fast immer schweinekalt.

Apropos die Harten der Harten, Wintersport: Ted Ligety, Lindsey Vonn und Shaun White, sind zwar amerikanische Sportler, aber so recht Begeisterung für den Wintersport vernehme ich in meinem jetzigen Bundesstaat bis jetzt noch nicht. Was noch nicht ist, kann ja noch werden… vielleicht Fehlinterpretation?

Ich denke mal, wenn sie in Sochi ein paar Medaillen reißen, dann gibt’s wieder so viele Fans wie nie zuvor. Vielleicht liegt es auch daran, dass die meisten New Jersey-aner mehr auf den jährlichen „Superbowl“ (jährliches Football Event, bei dem die besten 4 Teams des Landes gegeneinander antreten) fixiert sind, da er dieses Jahr hier in New Jersey statt fand. Na dann werde ich mich mal diesen kommenden Sonntag mit meinen Freunden auf die Couch schmeißen und bewaffnet mit einer Packung Tostitos-Chips und Samuel Adams Bier die Lungen aus den Halse grölen. Normalsterbliche bervorzugen lieber TV-Lifeübertragung anstatt Superbowl im Stadion. Leicht verständlich, bei Ticketpreisen von $600 aufwärts, wo die Creme-de-la-Creme auf ihren beheizten Logenplätzen verweilt und wir dann „dankenswerterweise“ wieder mehr Steuern zahlen dürfen. Egal Superbowl ist Superbowl und ich live dabei. Mein erster Superbowl, ich freue mich schon so!

So grölen und „frieren“ wir uns hier durch den Winter, mal wärmer, mal kälter, das Wetter hier ist traumhaft, fast täglich Sonnenschein und blauer Himmel, Herz was willst du mehr?

Text: “mybird”

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